Bei der Auswahl der Linux-Systeme auf Heft-DVD ging es dieses Mal nicht nur um Aktualität. Der Schwerpunkt liegt bei Linux-Distributionen, die einen Umstieg von Windows erleichtern wollen und entsprechende Desktops liefern, die möglichst wenig Umgewöhnung erfordern. Genau damit will Zorin-OS punkten, das in der vorliegenden Ausgabe „Core“ auf äußerliche Ähnlichkeiten zu Windows 10/11 setzt. Das Konzept geht erstaunlich gut auf und zeigt die Flexibilität von Gnome 43, auf welchem der Zorin-Desktop basiert.
Gnome: Ein anderes Gewand
Wie ein Blick in die Konfiguration zeigt, sind alle Modifikationen und Windows-Analogien als Gnome-Erweiterungen realisiert. Den unteren Bildschirmrand füllt weiterhin eine Taskleiste mit einem aufklappenden Anwendungsmenü ganz links und einem Dock. Dieser Dock-Bereich nimmt laufende Programme per Rechtsklick auf das Symbol als Anwendungsverknüpfungen auf („Zu Favoriten hinzufügen“). Das kommt dem Verhalten von Windows 10/11 recht nahe. In den Einstellungen gibt es mit dem Tool „Zorin Appearance“ einen Auswahldialog für zwei weitere Desktopstile: einmal mit Taskleiste mit Programmnamen neben den Symbolen und einmal den Standard-Gnome-Stil.
Die verwendeten Paketquellen dieser Distribution bestehen aus den offiziellen Repositorys von Ubuntu 22.04.4 und einer eigenen Paketquelle der Zorin-Entwickler, welche als PPA eingebunden ist. Der übliche grafischer Paketmanager „Gnome-Software“ dient zur Installation weiterer Software. Vorinstalliert sind in der „Core“-Version zunächst nur die wichtigsten Anwendungen: Firefox ist der Webbrowser, als Dateimanager dient Nautilus von Gnome, als Player sind Rhythmbox und Gnome Videos vorhanden. Libre Office ist in Version 24.2 vorinstalliert, also auch eine Versionsstufe neuer als von Ubuntu 22.04 geliefert. Auffällig ist hier, dass Libre Office hier mit der Ribbon-Leiste vorkonfiguriert ist, die sich an der dynamischen Menüleiste von Microsoft Office orientiert. Wer sich daran stört, kann dies oben rechts über die die drei horizontalen Striche und dann über „Benutzeroberfläche –› Symbolleisten –› Auf alle anwenden“ ändern.

Fazit: Gerade noch aktuell
Zorin-OS Core 17.2 demonstriert, wie anpassungsfähig der Gnome-Desktop mit Shell-Erweiterungen sein kann. Nach der flotten, komfortablen Installation aus dem Livesystem fällt zunächst unangenehm auf, dass nicht alle Sprachpakete vorhanden sind und Libre Office beispielsweise in Englisch startet. Ein Besuch in den Einstellungen und „Region und Sprache“ behebt das Problem. Die Betriebssystembasis Ubuntu 22.04.4 ist nicht mehr ganz taufrisch, allerdings liefern die Entwickler aus eigenen Quellen Updates für ausgewählte Anwendungen wie Libre Office. Auch der neuere Linux-Kernel 6.8 ist vorhanden, sodass die ältere Ubuntu-Basis kaum negativ auffällt.
Mehr Infos zu Zorin-OS Website: https://zorin.com/os
Dokumentation: https://help.zorin.com

