Es sieht in der TV-Werbung so einfach aus: Google Gemini starten und schon liefert die KI Antworten auf die Frage, was bei einem Umzug zu beachten ist. Die Antworten scheinen auch plausibel, aber der Unterschied zu den Ergebnissen, die eine klassischen Suchmaschine erbracht hätte, bleibt marginal. Soll die KI nicht nur Fakten reproduzieren, sondern aus den Informationen auch etwas erschaffen, ist ein anderes Vorgehen gefragt. Damit ein Sprachmodell das gewünschte Ergebnis liefert, teilen Sie einen Prompt am besten in drei Bestandteile auf. Diese müssen nicht zwangsläufig auch in dieser Reihenfolge vorkommen, sollten aber enthalten sein.
Die Verwendung von natürlicher Sprache lässt schnell vergessen, dass man mit einer Maschine kommuniziert. Bei der Formulierung eines Prompts ist es vorteilhaft, wie eine Maschine zu denken. Alle Wörter, die Sie verwenden, entsprechen Datenpunkten im neuronalen Netz des Sprachmodells. Sie sollten möglichst präzise formulieren und das Ziel vor Augen haben. Ihr „Gegenüber“ kann nicht ungeduldig werden: Sie können so lange nachfragen, bis Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.
1. Die KI benötigt eine Rolle
Weisen Sie der KI eine Rolle zu. Wenn die KI für Sie einen Artikel schreiben soll, könnte die entsprechende Formulierung lauten: „Antworte als Journalist, der mit den Gepflogenheiten des Marktes vertraut ist.“ Die Zuweisung einer Rolle ist ein mächtiges Instrument, das unmittelbar Einfluss auf die Antwort haben wird. Das liegt auch auf der Hand. Bei einem Thema wie „Datenschutz“ werden Ihnen auch Fachleute sehr unterschiedliche Sichtweisen liefern. So unterscheiden sich die Einschätzungen von Datenschützern und Unternehmerinnen mit Sicherheit voneinander.
2. Bieten Sie einen Kontext
Ein Kontext vermittelt der KI zusätzliche Informationen, die zur Bearbeitung Ihrer Anfrage relevant sein können. An dieser Stelle werden Sie sich vermutlich etwas intensiver mit dem von Ihnen präferierten KI-System beschäftigen müssen, um im Laufe der Zeit herauszufinden, wann die KI Ihre Hilfe benötigt. Ein Kontext kann die relevanten Hintergrundinformationen umreißen, die bei der Bearbeitung berücksichtigt werden sollen oder Ihnen wichtig sind. Kontexte sind aber auch die Adressaten oder Zielgruppen des Artefakts. Verstehen Sie etwa einen Sachverhalt nicht, bitten Sie die KI nicht nur um eine Erläuterung. Fügen Sie etwa als Kontext hinzu, dass die Erklärung auch von Laien oder von kleinen Kindern verstanden werden soll.
3. Definieren Sie ein Ziel
Die Zieldefinition ist eines der wichtigsten Elemente bei der Entwicklung eines Prompts. Darin teilen Sie der KI exakte Erwartungen mit. Es geht hier um den Inhalt sowie um die Form. In welcher Form soll die KI das Ergebnis der Aufgabe darstellen? Benötigen Sie einen Fließtext, eine Tabelle, Aufzählung oder Grafik? Wie soll der Inhalt gestaltet sein? Wissenschaftlich, journalistisch, vertrieblich? Welchen Stil soll etwa das gestaltete Bild haben (dazu erfahren Sie noch etwas mehr im Kontext der KI-Tools für die Bildbearbeitung ab Seite 22)? Welche Stilebene benötigen Sie – emotional, neutral, unterhaltsam?
Und wie sieht es mit den formalen Kriterien aus? Es macht einen Unterschied, ob Sie einen Text mit 300 Wörtern oder lediglich zwei Absätzen benötigen. Die Anweisung „Schreibe einen Artikel“ ist als Zieldefinition zu beliebig. Ein besserer Prompt wäre:
Antworte als Journalist.
Erstelle aus dem Material einen Artikel im Stil einer Nachricht.
Nutze Fließtext und verzichte auf reine Aufzählungen.
Gliedere mit Überschriften.
Der Artikel soll mindestens 5000 und maximal 8000 Zeichen umfassen.
Seien Sie also möglichst präzise, damit Sie das Ergebnis weiterverarbeiten können. Sie können bei den meisten Sprachmodellen auch zur Sicherheit eine Abfrage einfügen, indem Sie nachfragen, ob die KI die Aufgabe verstanden hat. Als Rückmeldung erhalten Sie dann eine Zusammenfassung dessen, was Sie als Ziel definiert haben.
4. Liefern Sie Beispiele
Es soll an dieser Stelle nicht die Frage erörtert werden, woher die Daten und Informationen stammen, mit denen die Sprachmodelle trainiert wurden. Wichtig in dem Zusammenhang ist lediglich, sich vor Augen zu führen, dass immer Bilder und Texte unterschiedlichster Form, Stile von diversen Autorinnen und Autoren verwendet werden. Das macht es unwahrscheinlich, dass eine Antwort sofort Ihrem eigenen Stil entspricht. Deswegen ist es sinnvoll, wenn Sie die KI unterstützen. Laden Sie Beispiele hoch, die Ihren Vorstellungen entsprechen. Ergänzen Sie dann etwa mit „Orientiere dich beim Stil an dem hochgeladenen Dokument“. Verweisen Sie darauf und teilen Sie der KI mit, dass Sie sich ein Ergebnis in diesem Stil wünschen oder auch nur, dass Ihnen die Beispiele gut gefallen.

5. Nähern Sie sich iterativ
Die Arbeit an einem Prompt ist ein iterativer Prozess. Geben Sie also nicht vorschnell auf, sondern nähern Sie sich schrittweise an. Teilen Sie der KI mit, was Sie bereits überzeugt, was eher nicht: „Die Antwort fängt den gewünschten Stil schon gut ein, du könntest aber noch stärker auf […] eingehen.“ Oft ist es auch hilfreich, die gesamte Anfrage in einzelne Segmente aufzuteilen – etwa so:
Recherchiere zum Thema Wärmepumpen.
Zeige Stärken und Schwächen von Wärmepumpen.
Nutze die vorherigen Antworten und vergleiche mit anderen Möglich-keiten der Energieerzeugung.
Nutze die vorherigen Antworten für einen Artikel, der die Stärken und Schwächen von Wärmepumpen aufzeigt.
6. Führen Sie einen Dialog!
Das geht tatsächlich und wird dann als „Conversational Prompting“ bezeichnet. Auch hier nähern Sie sich iterativ dem Ziel. Der Nachteil ist, dass sie vermutlich länger bis zu einem befriedigenden Ergebnis benötigen. Das Verfahren hat aber den Vorteil, dass Sie auf die Antworten direkt reagieren können, um dem Dialog eine neue Richtung zu geben.
Ich plane eine Reise in die Schweiz.
Kannst du mir bei der Reiseplanung helfen?
Welche Fragen hast du an mich?
Eine Chat-KI wie Claude AI antwortet dann etwa so wie in der Abbildung unten gezeigt. Ihre Antworten können Sie dann kurz und knapp mit Angabe der Fragepunkte „1.“, „2.“ etc. beantworten.
7. Der KI-Prompt will geübt sein
Geben Sie sich bei der Arbeit mit KI-Modellen nicht vorschnell zufrieden. Wenn Sie Ihre Prompts verfeinern, werden Sie schnell die Ausgaben erhalten, die Sie für Ihre Arbeit und Aufgaben verwenden können. Aber an dieser Stelle der obligatorische Hinweis: KI kann sich irren und falsche Antworten liefern, die aber auf den ersten Blick plausibel erscheinen. Eine Kontrolle der Ergebnisse mit traditionellen Mitteln bleibt jetzt und in absehbarer Zukunft obligatorisch.


