Hardwaretipps | Tipps & Tricks | David Wolski | 6/2025 | 26. September 2025

Thinkpads: ACPI-Fehler umgehen

ACPI mit Macken: Der Kernel-Parameter „acpi=strict“, hier im Grub-Bootmenü, behebt auf vielen Lenovo-Thinkpads bekannte Bugs von ACPI-Energiesparfunktionen.

Thinkpads von Lenovo sind bei Linux-Anwendern beliebt, denn die Hardware ist robust und macht unter den üblichen Linux-Systemen – von Grafikchip bis GPU – kaum Probleme. Einen Fehler in der Firmware schleppt Lenovo aber schon eine Weile mit – vom Thinkpad T440 bis zum T460.

Unter Linux zeigt sich auf betroffenen Thinkpads bei der Eingabe von

sudo dmesg | less

zur Anzeige der Kernel-Meldungen ab dem Boot folgender ACPI-Fehler:

ACPI Error: Needed type [Reference], found [Integer]

Darunter folgen meist noch eine Reihe weiterer Fehlermeldungen, welche ACPI betreffen. Ein Druck auf Q beendet die scrollbare Anzeige per „less“ wieder.

ACPI (Advanced Configuration and Power Interface) regelt auf einem Rechner hardwareseitig die Stromsparfunktionen interner Geräte wie Soundchip, Netzwerkchip und Bluetooth sowie Lautstärke und Bildschirmhelligkeit. Obwohl es sich dabei um einen Standard handelt, nehmen sich Hersteller bei ACPI viele Freiheiten, eigene Funktionen und Energiespartechniken umzusetzen. Unter Windows ist dies selten ein Problem, denn dort übernehmen Treiber für die Hardware – geliefert vom Hersteller – das Zusammenspiel mit ACPI. Unter Linux muss der Kernel diese Aufgabe übernehmen. Meist klappt dies ohne Probleme, trotz angezeigter Fehlermeldungen bei ACPI-Bugs in der Firmware. Sollten doch Schwierigkeiten bei Lautstärkeregelung, Bildschirmhelligkeit auftreten oder der Soundchip und das Netzwerk nach dem Ruhezustand ausfallen, so kann der Kernel-Parameter „acpi=strict“ weiterhelfen. Er weist den Kernel an, nur ACPI-Eigenschaften zu beachten, die exakt dem Standard folgen, und Abweichungen in der Firmware zu ignorieren.

Um den Parameter zu testen, kann man diesen in Grub eintragen. Dazu zeigt beim Systemstart ein wiederholter Druck auf die Umschalt-Taste zunächst das Grub-Bootmenü an und die Taste E erlaubt die Bearbeitung des ausgewählten Eintrags. Der Parameter kommt ans Ende der Zeile, welche mit „linux“ beginnt. F10 startet dann das System.

Schafft diese Option die  ACPI-Probleme aus der Welt, dann wird sie permanent im Bootloader Grub2 eingetragen. Dazu öffnet man die Grub-Konfigurationsdatei: 

sudo nano /etc/default/grub

In der Datei ist nur die Zeile „GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT=“ interessant, welche die Bootparameter angibt. Die vorhandenen Parameter in Anführungszeichen müssen um die Angabe „acpi=strict“ ergänzt werden. Nach dem Speichern der Datei ist es noch nötig, die Konfiguration mit 

sudo update-grub2

zu aktualisieren. Unter Fedora, Open Suse und Arch Linux ist dieses Kommando

sudo grub2-mkconfig -o /boot/grub2/grub.cfg

erforderlich.