Wird der Arbeitsspeicher knapp, dann reagiert der Linux-Kernel recht ungnädig: Schlimmstenfalls bleibt das System sogar komplett stehen, wenn kein RAM und kein Swap verfügbar ist. Um einen Stillstand zu vermeiden, liefern Linux-Distributionen verschiedene, jedoch ähnliche Speicherwächter mit, die bei akuter Speicherknappheit Benutzerprozesse mit hohem RAM-Bedarf beenden. In Ubuntu, Linux Mint und Fedora übernimmt Systemd-Oomd diese Aufgabe. Transparent arbeitet dieser Wächter jedoch nicht.
Auf dem Desktop von mager bestückten Linux-Rechnern ist es oft nicht ersichtlich, wie hoch die Auslastung des Arbeitsspeichers schon ist. Ein weiterer Browsertab oder ein gestarteter Prozess im Terminal, etwa eine Aktion mit Packer oder Compiler – und schon wird der automatische Taskkiller von Systemd-Oomd aktiv. Das kann auch auf Rechnern mit vier GB RAM leicht passieren und ist ärgerlich, wenn auf dem Desktop plötzlich Browserfenster verschwinden.
Eine Alternative ist der Speicherwächter Nohang, der für Desktopanwender gemacht ist. Die Einrichtung erfolgt als Systemd-Dienst. Außerdem gibt es eine Desktopmitteilung im Infobereich, wenn der Speicherwächter aktiv wird. In Ubuntu ab Version 22.04, in Linux Mint und dem neuesten Debian ist Nohang bereits in den Standard-Paketquellen vorhanden und mittels
sudo apt install nohang
installiert. Dies aktiviert auch gleich die Dienste nohang und nohang-desktop. Wie der alternative Taskkiller arbeitet, demonstriert in einem Terminal dieser Befehl:
tail /dev/zero
Dies füllt den verfügbaren Speicher und provoziert ein Beenden des Prozesses tail. Nohang zeigt Warnungen zur Speicherauslastung an und Meldungen zu beendeten Prozessen auf dem Desktop. Dabei genießen die Desktopumgebungen einen besonderen Schutz bei Speicherknappheit. -dw

