Server sollen auch in Situationen mit wenig freiem Arbeitsspeicher weiterlaufen und dürfen im Falle eines Speichermangels nicht einfach stehen bleiben. Der Linux-Kernel verfügt deshalb über den Out-Of-Memory-Killer, kurz OOM-Killer, der bei extremer Knappheit den Prozess mit dem höchsten Speicherbedarf beendet.
Dazu liefern Linux-Distributionen wie Ubuntu für Benutzerprozesse den Out-Of-Memory-Dämon (OOMD) für Systemd, der besonders speicherhungrige Benutzerprozesse bei knappem Arbeitsspeicher beendet. Das kann dazu führen, dass Prozesse wie Browser oder Libre Office unvermittelt beendet werden.Herkömmliche Systemmonitore wie Top oder Htop zeigen zwar die CPU- und RAM-Auslastung an, aber daraus kann man nicht immer ableiten, wann der OOM-Killer des Kernels oder OOMD von Systemd aktiv wird. Diese richten sich nämlich nach dem Indikator für eine Überlastung des Systems, den der Kernel über „/proc/pressure“ preisgibt. Dieser Wert nennt sich PSI für „Pressure Stall Information“ (htps://docs.kernel.org/accounting/psi.html) und geht in die Höhe, wenn mehrere Prozesse um RAM, CPU-Zyklen und I/O-Zeit konkurrieren müssen. Zur Beobachtung des Messwerts gibt es den jungen Systemmonitor Psitop (https://github.com/jamespwilliams/psitop), welcher die „Pressure Stall Information“ des Kernels in einem Intervall von zehn Sekunden ausgibt. In den Paketquellen der Linux-Distributionen ist das Kommandozeilentool nicht vorhanden. Doch es ist nicht nötig, das Programm selbst zu kompilieren, denn auf Heft-DVD liefern wir die Binary „psitop“ für 64-Bit-Systeme (x86) fertig mit.
Nach dem Kopieren in ein beliebiges Verzeichnis macht das Kommando
chmod +x psitop
die Datei ausführbar und
./psitop
ruft den Systemmonitor auf, wozu kein root-Recht nötig ist. In der Standardansicht zeigt Psitop eine tabellarische Ansicht zu CPU, RAM und I/O-Last. Die Werte „avg10“, „avg60“ und „avg300“ zeigen den Mittelwert in den letzten 10, 60 und 300 Sekunden an. Ein hübsches Diagramm zum wichtigsten Wert, zur RAM-Auslastung, präsentiert der Druck auf die Taste „M“. Nützlich ist Psitop vor allem, um Flaschenhälse zu erkennen, bevor der OOM-Killer aktiv wird.
OOMD entschärfen: Seit Ubuntu 22.04 ist dieser Programmkiller auch auf Desktopinstallationen aktiv und verursacht vielen Anwendern Probleme, wenn Browserinstanzen auf Rechnern mit weniger als 4 GB RAM unsanft beendet werden. Um OOMD im Userspace abzuschalten, dient dieser Befehl:
systemctl disable --now systemd-oomd
Der OOM-Killer des Kernels bleibt aktiv, arbeitet aber weniger aggressiv.

