Desktoptipps | David Wolski | 4-2024 | 21. Mai 2024

Notebooks: Helligkeitsregler im Panel

Licht an! Unser Script „helligkeit.sh“ (auf Heft-DVD) hinterlegt auf den traditionellen Desktops ein Symbol zur Helligkeitsregelung in den Infobereich, das auf Rechtsklick reagiert.

Ob die Tasten zur Helligkeitsanpassung bei Notebooks funktionieren, ist abhängig von Chipsatz und Bios. Die Steuerung der Bildschirmhelligkeit erfolgt über ACPI (Advanced Configuration and Power Interface), das Hardwareherstellern viele Freiheiten einräumt, eigene Funktionen und Energiespartechniken umzusetzen. Unter Windows ist dies selten ein Problem, denn dort übernehmen Treiber für die Hardware – geliefert vom Hersteller – das Zusammenspiel mit ACPI. Unter Linux muss das der Kernel selbst erledigen.

Mit Kernel 6.1 hat Linux eine neue Schnittstelle zur Helligkeitsregelung auf Laptops bekommen, welche diese ACPI-Funktion zuverlässiger macht. Wer also eine ältere Linux-Distribution im Einsatz hat, sollte mit einem Livesystem wie Ubuntu 24.04 (auf Heft-DVD) testen, ob der aktuellere Kernel die Probleme mit der Bildschirmhelligkeit löst. Gnome zeigt diesen Regler bei einem Klick auf den Infobereich an.

Kernel-Parameter: Bei bereits installierten Linux-Systemen ist ab Kernel 6.1 darauf zu achten, dass der Start ohne den optionalen, eventuell durch die verwendete Distribution vorgegebenen Kernel-Parameter „acpi_backlight=“ erfolgt. Mit welchen Bootoptionen ein Linux-System gestartet wurde, zeigt im Terminal die Eingabe

cat /etc/cmdline

an. Ist „acpi_backlight=“ mit einem weiteren Parameter anzutreffen, so empfiehlt es sich, beim nächsten Systemstart Grub mit Taste „E“ zu unterbrechen, um dann diese Angabe aus der Zeile, die mit „linux“ beginnt, zu entfernen. Klappt es dann mit der Helligkeit, so sollte dieser vorgegebene Parameter permanent aus der Bootkonfiguration von Grub verschwinden. Dazu öffnet man mit root-Recht die Konfigurationsdatei
„/etc/default/grub“:

sudo gedit /etc/default/grub

Die gesuchte Zeile beginnt mit „GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT=“. Aus den vorhandenen Bootparametern in Anführungszeichen wird nun „acpi_backlight=“ gelöscht. Nach dem Speichern der Datei verlangt Grub noch nach einer Aktualisierung seiner Booteinträge, damit diese die Änderungen übernehmen. Dazu dient in Ubuntu/Debian der Befehl „ sudo update-grub“ und bei Fedora und Open Suse dieses Kommando:

sudo grub2-mkconfig -o /boot/grub2/grub.cfg

Andere Desktopumgebungen: XFCE liefert einen Helligkeitsregler nach einem Klick auf das Batteriesymbol im Panel. In Mate kann ein Rechtsklick auf einen freien Bereich der Leiste und der Punkt „Zur Leiste hinzufügen –› Helligkeitsregler“ ein separates Applet nachrüsten.

Selbstbau-Lösung: Will dies alles nicht funktionieren, so gibt es in den schlanken Desktop­umgebungen, die mit Xorg laufen, das Tool xrandr mit Helligkeitsregelung über das DCC-Protokoll des Laptopmonitors. Dieser Weg ist meist erfolgreich und lässt sich in einem Terminal mit der Eingabe

xrandr --output eDP-1 --brightness 0.8

testen. Die Angabe „eDP-1“ entspricht dem Gerätenamen des Monitors und hat hier als Platzhalter die typische Bezeichnung von Laptopbildschirmen bekommen. Wie der Monitor tatsächlich heißt, ermittelt die Eingabe von xrandr im Terminal ohne Parameter. Funktioniert xrandr, so haben wir dafür das Bash-Script „helligkeit.sh“ erstellt (auf Heft-DVD). Es nutzt zur Einblendung eines Symbols im Infobereich zur Auswahl der Helligkeitsstufe per Rechtsklick das Tool „yad“, welches sich in den Standard-Paketquellen aller Linux-Distributionen findet und in Debian, Ubuntu und Linux Mint mit

sudo apt install yad

schnell nachgerüstet ist. Das Script von Heft-DVD macht dann das Kommando „chmod +x  helligkeit.sh“ ausführbar und
„./ helligkeit.sh“ ruft es auf. Den Bildschirmnamen ermittelt es selbständig. Funktioniert dieses Script zufriedenstellend, kann es anschließend als Autostart-Programm in die Sessionverwaltung der verwendeten Desktop­umgebung aufgenommen werden. In XFCE sind eigene Autostart-Einträge über „Einstellungen –› Sitzungen und Startverhalten –› Automatisch gestartete Anwendungen“ definierbar. LXDE bietet unter „Einstellungen –› Default applications for LXSession –› Autostart“ einen entsprechenden Konfigurationsdialog. Mate erlaubt die Autostart-Konfiguration über „System –› Einstellungen –› Persönliche –› Startprogramme“.