Bewährte Open-Source-Projekte und neue kleine Programme: Die Softwarevorstellung präsentiert diesmal eine Auswahl von Produktivitätstools wie Paperwork und Zotero. Auch Schwergewichte wie das Mediacenter Kodi sind vertreten.
Das vergangene Jahr hat ein Thema in der IT in den Prioritäten von Unternehmen ganz weit nach vorne katapultiert: künstliche Intelligenz. Dabei geht es jetzt nicht mehr nur um Konzepte und Theorie, sondern um den konkreten praktischen Einsatz von KI im Alltag, in Softwareprodukten und Diensten.
KI ist eine Schlüsseltechnologie, die Auswirkungen auf alle Branchen haben wird. Wie bei allen revolutionären Technologien gibt es aber auch Zweifel und Akzeptanzschwierigkeiten, auch die Sorge, dass KI die eigene Branche negativ beeinflussen wird und viele Aufgaben überflüssig macht. Nach einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbands Bitkom sieht sich fast jedes vierte Unternehmen (28 Prozent) in Deutschland durch KI bedroht. Immerhin, eine knappe Mehrheit von 55 Prozent der befragten Unternehmen sieht KI vor allem als Chance.
Die Industrie zögert
So sind selbst bei jenen deutschen Unternehmen, die bereits KI einsetzen, fortgeschrittene Anwendungen eher die Ausnahme. Rund zwei Drittel der Unternehmen geben an, KI im Marketing für zieloptimierte und personalisierte Werbung zu nutzen – eine Sparte, die Google perfektioniert hat. Jedes dritte Unternehmen nutzt KI für die Preisoptimierung und jedes vierte für die Erstellung von Plänen zur vorausschauenden Wartung. 19 Prozent nutzen KI zur Planung von Transportrouten, 17 Prozent zur Erstellung automatisierter Prognosen aller Art, oft über Dienstleister.
Zumindest personalisierte und zielgerichtete Werbung kennt heute praktisch jeder aus dem Internet, von Websites wie Amazon, Facebook und aus dem Google-Universum von Alphabet Inc. Die eingesetzten KI-Systeme werden aber hier von Usern weitgehend als Black Box wahrgenommen, denn die Anbieter erlauben keinen Einblick in die Technologie hinter den Entscheidungen. Für wachsende Akzeptanz von KI sind solche Black-Box-Modelle nicht hilfreich. Und selbst wenn die Entwickler vollen Einblick in die KI-Techniken gewähren, sind neuronale Netze, die einer KI maschinelles Lernen ermöglichen, zu komplex und die Informationsverarbeitung über Tausende Neuronen nicht leicht nachvollziehbar.
Wie sollen wir einer Maschine vertrauen, wenn wir schon die Datenverarbeitungsmodelle nicht mehr verstehen? Bei nerviger, fehlgeleiteter Werbung im Internet fällt diese Frage nicht groß ins Gewicht. Bei Verkehrsleitsystemen oder Systemen zur Entlastung von Menschen in potenziellen Stresssituationen, etwa im Cockpit eines Flugzeugs, muss eine KI aber transparent arbeiten, um überhaupt eine Zulassung zu erhalten. Die Lösung dafür sind KIs, die nach Open-Source-Prinzipien entwickelt werden. Denn auf diese Weise ist es einer größeren Entwicklergemeinde möglich, unvermeidliche Bugs zu finden. Zum anderen verhindert eine breit aufgestellte Community, dass sich eine Einseitigkeit beim Training von Modellen einschleicht.
Bpytop 1.0
Prozess- und Systemmonitor für die Shell
https://github.com/aristocratos/bpytop
Mit Bash-Scripts sind komplexe Tools möglich. Das hat zuletzt der Ressourcenmonitor Bashtop eindrucksvoll gezeigt. Aber die Sache ist dennoch langsam – wegen der Script-Loops zur Auswertung der Datenquellen. Deshalb gibt es jetzt einen flotteren Python-Port, der dem Original nachempfunden ist und einen erweiterten Monitor im Stil von Htop ins Terminal bringt. Zur Installation dient ein Python-Paket für den Paketmanager Pip3; für Ubuntu liegt ein Snap vor.

Darktable 3.4
Leuchttisch für die Konvertierung von RAW-Fotos
www.darktable.org
Darktable 3.4 bietet Fotografen einen kompletten Workflow zur Konvertierung und Bearbeitung von RAW-Bildern. Der digitale Leuchttisch ist beim Zoomen großer Bilddateien jetzt deutlich schneller und die Anwender können Tools modular zu eigenen Gruppen zusammenfassen. Ein neues Tool ist Color Calibration, das für Aufnahmen eine Lichtquelle mit anderer Farbtemperatur berechnet. Die Projektseite hält für viele Distributionen Pakete parat.

Font Manager 0.8.3
Verwaltet Fontdateien auf Linux-Systemen
http://fontmanager.github.io
Linux-Desktops liefern Basisschriftarten in freien Versionen mit und beziehen diese aus den Paketquellen. Was aber, wenn Schriftarten als TTF- oder OTF-Datei zur Installation vorliegen? Der Font Manager bietet eine grafische Oberfläche zur Schriftenverwaltung unterhalb des Home-Verzeichnisses. In der neuen Version kann der Font Manager auch mit Google-Webfonts umgehen. Für Ubuntu gibt es das PPA https://launchpad.net/~font-manager/+archive/ubuntu/staging.

Glaxnimate 0.3.2
Animationsprogramm für Vektorgrafiken
https://glaxnimate.mattbas.org
Wo die Animationssoftware Krita für einfachere Aufgaben überdimensioniert ist, bietet sich die Alternative Glaxnimate an. Das plattformübergreifende Open-Source-Programm ist für kurze Animationen anhand von Vektorgrafiken geschaffen – etwa für Webseiten. Es unterstützt SVG sowie Lottie als Eingabe- und Ausgabeformat und kann Rastergrafiken vektorisieren. Für zahlreiche Distributionen gibt es fertige Pakete, ferner auch ein Snap und ein Appimage.

Jellyfin 10.7
Streamingserver für Videos im Browser
https://jellyfin.org
DLNA hatte als Streamingprotokoll seine Blüte, aber moderne Streaminglösungen à la Netflix laufen einfach im Browser. Dafür ist das Open-Source-Programm Jellyfin gemacht. Ein integrierter Webserver, in C# geschrieben, bringt eine Filmbibliothek in einer schlichten Browseroberfläche online. Um Transcodierung kümmert sich Ffmpeg. Die Demo https://demo.jellyfin.org zeigt die Fähigkeiten einer Serverinstallation, die auf Ubuntu/Debian schnell erledigt ist.

Kodi 19
TV-taugliches Mediacenter mit Plug-ins
https://kodi.tv
Die neue Version des beliebten Mediacenters war zwei Jahre in der Entwicklung. An Neuerungen gibt es neue Codecs, so etwa Unterstützung für das AV1-Format. Der Wildwuchs an Plug-ins ist vorerst mit dem Wechsel auf Python 3 gestoppt. Python-2-Code läuft in Kodi 19 nicht mehr. Der Musikplayer wurde ausgebaut und der Videorecorder (PVR) hat eine Menge neue Back-Ends erhalten. Installationshinweise für viele Distributionen liefert https://kodi.tv/download.

Languagetool 5.2
Multilinguale Rechtschreib- und Grammatikprüfung
https://languagetool.org/de
Der unentbehrliche Helfer zur Rechtschreibkontrolle hat in der neuen Version zwei Neuigkeiten an Bord. Version 5.2 schärft in der Offlineversion für Libre Office die Fehlererkennung für deutschsprachige Texte nach. Außerdem gibt es eine neue Webseite für die Onlineversion auf https://languagetool.org, die nun den Text schon während des Tippens überprüft und einen Thesaurus erhalten hat. Die Installation des Tools gelingt über die Projektwebseite.
Mediapurge 7.12
Findet Dubletten von Audiodateien
http://www.peter-ebe.de
In umfangreichen Mediensammlungen gibt es zwangsläufig Dubletten. Mediapurge findet anhand der Metadaten und eines errechneten Fingerabdrucks mehrfach vorhandene Songs und Videos. Es gibt auch einen Bildvergleich für Grafikdateien. In der neuen Version reduziert Mediapurge die Speichernutzung und verbessert den Bildvergleich. Die Freeware liegt auf der Webseite als DEB-Paket für Debian/Ubuntu sowie als Binary für andere Distributionen.

Openproject 11
Projektverwaltung, die im Browser läuft
https://www.openproject.org
Das Programm konkurriert mit Atlassian Jira und hat traditionelle Elemente, aber auch Tools für die Softwareentwicklung nach dem „Agile“-Prinzip. Letztere fehlen allerdings in der kostenlosen Communitye-Edition. Version 11 erlaubt die manuelle Anpassung aller Parameter eines angelegten Projekts und analysiert dabei Konflikte. Den Ruby-Quellcode für den eigenen Server gibt es unter www.openproject.org/download-and-installation für Ubuntu-Distributionen.

Paperwork 2.0.1
Document-Management-System (DMS) für den Desktop
www.https://openpaper.work
Dieses DMS für den Linux-Desktop umfasst Scanvorgang, Texterkennung und Archivierung und bietet eine Volltextsuche. Ordnung entsteht nicht durch eine Ordnerstruktur, sondern durch Tags und Etikettierung. Paperwork 2.0 hat ein Plug-in-System bekommen, über das sich einzelne Funktionen ein- und ausschalten lassen. Dies soll ab sofort auch Erweiterungen ermöglichen. Installationsanleitungen für alle wichtigen Distributionen bietet die Projektseite.

Veusz 3.3
Visualisiert Daten und mathematische Funktionen
https://veusz.github.io
Dieser Funktionsplotter und Visualisierer ist für die Darstellung von Daten gemacht und bietet dafür eine grafische Oberfläche sowie die Kommandozeile. Veusz kann auch in Python-Scripts integriert werden. Ein Assistent hilft, 2D- oder 3D-Funktionen zu platzieren und zu gestalten. Die Daten kann Veusz per CSV-Datei importieren und den Plot als Grafik exportieren (EPS, PDF, PNG, SVG, EMF). Die Webseite bietet Pakete für alle prominenten Linux-Systeme.

Zotero 5.0
Literatur- und Notizverwaltung
www.zotero.org
Zotero begann als Firefox-Erweiterung, ist aber seit 2017 eigenständig, nachdem Firefox das XUL-Rahmenwerk aufgab, welches Zotero weiterhin verwendet. Zotero dient zur Verwaltung von bibliografischen Quellen und Inhalten und beherrscht auch Scrapingmethoden, um Texte direkt aus dem Browser zu übernehmen. Die Installation gelingt über eine universelle Binary oder per Repository für Debian/Ubuntu (https://github.com/retorquere/zotero-deb).


