Neben Neuvorstellungen wie die Animationssoftware Pencil 2D und Llamafile, das KI plus Modell plus Webserver in eine einzige Datei packt, gibt es hier wieder Hinweise auf bemerkenswerte Ausgaben bekannter Open-Source-Programme.
Open Source hat gewonnen: Dem Konzept komplett freier Software war in den letzten 20 Jahren enormer Erfolg beschieden. Von Smartphones bis zu Superrechnern – die unter diesen Lizenzen entwickelten und freigegebenen Programme, Bibliotheken und Betriebssysteme sind heute überall anzutreffen. Das Konzept von frei verfügbarer, über den Quellcode anpassungsfähiger Software hat sich als Gegenentwurf zu proprietären Produkten etabliert.
Teure Freiheit
Damit sind Freiheiten aus einem ursprünglich akademischen Umfeld der Softwareentwicklung erhalten geblieben. Nur stellt sich inzwischen heraus: Diese Freiheiten sind teuer. So gerät die Gnome Foundation immer wieder in finanzielle Schieflagen, Mozilla musste sich ein Sparprogramm verordnen und Google reduzierte in vielen Open-Source-Projekten die Entwicklerzahl. Andere Unternehmen wie Hashicorp gaben auf und wechselten die Lizenz. IBM fällt mit einer eigenwilligen Auslegung der GNU General Public License (GPL) auf, die Außenstehenden die Weiterverwendung des eigentlich freien Quellcodes von Red Hat Enterprise Linux verwehrt. Einer der einflussreichsten Vertreter der Open-Source-Szene und Mitgründer der „Open Source Initiative“, Bruce Perens, weist darauf hin, dass eine Lizenz nach der GPL gefragt ist, um ein weiteres Kapern von freier Software zu verhindern.
Nach Open Source
Es ist nicht das erste Mal, dass freie Software wegen wirtschaftlicher Interessen aus der IT-Industrie unter Druck gerät. Es sind nicht die vielen kleinen Projekte, wie sie nachfolgend zur Sprache kommen, sondern die großen Vorzeigeprojekte, die den Lebensunterhalt ihrer Entwickler decken sollen. Seit einigen Jahren zeigt sich bei diesen Projekten ein Muster feindlicher Übernahmen durch IT-Riesen: Erst erfolgt willkommene Unterstützung von Open-Source-Projekten wie der Datenbank Redis, dann aber die Übernahme der gesamten Software als Dienstleistung in die Cloud. Kunden müssen sich dann kaum noch um den Aufbau einer eigenen IT-Infrastruktur kümmern und den ursprünglichen Entwicklern entgeht der Großteil des Geschäfts. Für solche Fälle steht als modifizierte Variante der GPL schon seit 2007 die GNU Affero General Public License (AGLP) bereit. Diese legt auch Cloudanbietern die freizügigen Klauseln der GPL auf, selbst wenn Softwarenutzung als Service angeboten wird.
Das reiche aber nicht, argumentiert Bruce Perens. Nach seiner Ansicht sollten freie Lizenzen Vertragsklauseln erhalten, die eine kommerzielle Nutzung klar erlauben oder eben verbieten. Dem ursprünglichen Gedanken der GPL läuft dies klar zuwider, denn dieser Lizenz geht es um maximale Freiheit. Deshalb sollen sich diese modifizierten Nutzungsbedingungen nach Bruce Perens von echten Open-Source-Lizenzen abheben. Die aktuelle Fassung seiner neuen Lizenz hat deshalb den Arbeitstitel „Post-Open Zero Cost License“ bekommen und ist unter https://m6u.de/zero einsehbar. Einer privaten Nutzung gewährt diese Vereinbarung weiter alle Freiheiten, sie knüpft aber Bedingungen an die kommerzielle Weiterverwendung von Software.
Darktable 4.8
Leuchttisch für die Umwandlung von Rohbildern
www.darktable.org
Aus den Rohdateien von Kameras vieler Hersteller macht Darktable fertige Bilddateien. Es bietet einen Leuchttisch zur Einstellung von Bildparametern und Filter zur perfekten Belichtung. Neu ist ein Farb-equalizer zur Feinabstimmung von Farbton, Helligkeit, Sättigung. Eine schnellere Methode zum Auslesen von Geotags soll das Programm beim Einlesen großer Bildsammlungen nicht mehr ausbremsen. Die Projektseite liefert fertige Pakete und ein Appimage.

Datacrow 4.11
Katalogisiert Sammlungen und Medienbibliotheken
www.datacrow.net
Datacrow ist ein Organisationstalent zur Verwaltung von Medienarchiven aller Art: Bücher, LPs, Filme – alles, was man sammeln kann. Das Datenbankschema liefert für die Medienkategorien passende Felder, um detaillierte Kataloge zu erstellen. Der Zugriff auf Infos von Amazon, IMDB, Freedb, Musicbrainz erspart viel Tipparbeit und bindet etwa Cover ein. Es gibt Inventur- und Berichtfunktionen zur Übersicht. Datacrow läuft ohne Installation, braucht aber Java.

Floorp 11.14
Neuer Browser auf Firefox-Basis
https://floorp.app/en
Dieser Browser aus Japan verpasst Firefox ESR eine gut konfigurierbare Oberfläche und verbesserten Trackingschutz. Pocket wurde hingegen entfernt. Wie im Browser Vivaldi gibt es mehr als nur eine Seitenleiste zur Anzeige von URLs im Stil eines mobilen Browsers. Für die Oberfläche liefert Floorp drei Stile, von minimalistisch bis voll ausgebaut. Alle Firefox-Add-ons sind auch in Floorp installierbar. Der Browser ist als fertiges Binärpaket verfügbar.

Gambas 3.19.3
Weiterführung von Visual Basic
http://gambas.sourceforge.net
Wer eine Programmiersprache samt IDE im Stil von Visual Basic sucht, erhält mit Gambas ein Gesamtpaket. Es ist für die Entwicklung von textbasierten und grafischen Programmen geeignet (Qt, GTK3). Gambas hat keinen Compiler, sondern verlangt eine Runtime auf den Zielsystemen. Die aktuelle Version behebt dieses Manko und kann die Programme samt Runtime in ein Appimage packen. Für Ubuntu gibt es ein PPA (https://launchpad.net/~gambas-team).

Lazygit 0.42
Visueller Git-Client für das Terminal
https://github.com/jesseduffield/lazygit
Das in Go geschriebene Lazygit vereinfacht die Arbeit in Git-Repositorys im Terminal enorm. Wen die komplexen Kommandos von Linus Torvalds’ Verwaltungssystem abschrecken, findet mit Lazygit den bequemeren Einstieg. Es teilt das Terminal in Abschnitte – mit Anzeige des aktuellen Repositorys, den Dateien im aktuellen Zweig (Branch), den vorgemerkten Änderungen und übernommenen Änderungen (Commits). Es gibt Binarys für x86- und ARM-Systeme.

Libre PCB 1.1
Entwicklungswerkzeug für Schaltungen und Platinen
https://librepcb.org
Zielgruppe sind Elektroniker, die einen Schaltplaneditor suchen, der kein Studium von Handbüchern verlangt. Libre PCB hat letztes Jahr die Version 1.0 erreicht und ist zu einem guten Ersatz für das eingestellte Eagle gereift. Die Bauelement-Bibliothek kann online überprüfen, ob und zu welchem Preis Bauelemente verfügbar sind. Fertige Designs kann Libre PCB in den Formaten Gerber und Excellon ausgeben. Die Webseite liefert Installer für alle Distributionen.

Llamafile 0.8
Chatbot und KI-Modell in einer Datei
https://llamafile.ai
Die Installation von KI-Programmen muss nicht schwer sein: Die Mozilla Foundation vereinfacht mit Llamafile den Zugang zu Chatbots und freien Large Language Models (LLMs). Llamafile kapselt alles in eine einzige ausführbare Datei, die je nach Modell ein paar Hundert MB oder etliche GB groß ist. Läuft Llamafile, so startet ein Webserver für die Bedienung eines Chatbots via Browser. Pakete für x86- und ARM-CPUs bietet die Projektseite zum Download.

Media Downloader 4.7
Speichert und konvertiert Clips von Youtube & Co.
https://github.com/mhogomchungu/media-downloader
Das grafische Qt-Programm ist ein Front-End für Terminal-Downloadtools, um Videos, Musik, E-Books aus dem Web zu laden. Der Media Downloader ist als eigenständiges Programm nicht mit dem gleichnamigen Chrome-Add-on zu verwechseln und unterstützt Youtube, Instagram, X, Vimeo, Tumblr und mehr (über Terminaltools im Hintergrund). Vom Entwickler gibt es DEB- und RPM-Pakete. Einige optionale Downloadtools müssen manuell installiert werden.

Pencil 2D 0.7
Zeichenprogramm für Animationen
www.pencil2d.org
Wer für Präsentationen oder Videoclips kleine Animationen benötigt, bekommt mit Pencil 2D ein einsteigerfreundliches Werkzeug. Es eignet sich zur schnellen Erstellung kleiner Clips, die kaum Einarbeitungszeit erfordern, aber auch für längere Comicstrips. Dafür bietet Pencil 2D klassische Animationswerkzeuge wie die „Zwiebelhaut“-Funktion, um Einzelbilder pixelgenau zu überlagern. Auf der Projektseite gibt es ein universelles Appimage.

Qdiskinfo 0.2
Datenträgeranalyse im Stil von Crystal Disk Info
https://github.com/edisionnano/QDiskInfo
Das noch ganz junge Qdiskinfo orientiert sich an der Freeware Crystal Disk Info von Windows und zeigt die internen SMART-Werte von SATA-Laufwerken. Auch einige NVME-Modelle werden unterstützt, wenn diese SMART-Daten liefern. Es gibt eine Ausgabe der Temperatur und zur Datenerhebung kann Qdiskinfo einen Selbsttest anstoßen. Das Qt-Programm liegt auf der Github-Seite als vorkompilierte x86-Binary – in separaten Varianten für Qt 5/6.

Qtractor 1.0
Anspruchsvoller Audio- und MIDI-Sequenzer
http://qtractor.org
Nach fast zehn Jahren Entwicklungszeit erreicht Qtractor die Versionsnummer 1.0. Es kombiniert MIDI-Sequenzer, Harddiskrecorder und Mehrspurmixer für Musikproduktion in Heimstudios. Hier hat Pipewire vieles vereinfacht, denn der Soundserver Jack ist nicht mehr zwingende Voraussetzung für kurze Latenzen bei der Signalverarbeitung. Qtractor unterstützt Plug-ins vom Typ LADSPA, DSSI, VSTi und LV2. Auf Sourceforge gibt es RPM-Pakete und ein Appimage.

Sigdigger 0.3.0
Oszilloskop für elektromagnetische Signale
https://batchdrake.github.io/SigDigger
Das Analysewerkzeug für Radiowellen aller Art eignet sich für CB-Funker, Hobbyastronomen und Anwender in Bildung und Wissenschaft. Für maximale Leistung auf Standardhardware hat der Entwickler eine Echtzeit-Signalanalyse-Bibliothek eingebaut, die Multicore-CPUs nutzt. Sigdigger unterstützt via Soapy SDR die meisten marktüblichen SDR-Empfänger (Software Definded Radio) für den USB-Port. Für Linux gibt es ein Appimage.


