Neben dem Linux-Kernel ersann Linus Torvalds noch ein weiteres Open-Source-Projekt, das heute zum festen Inventar in fast jedem größeren Programmierprojekt gehört: Die Quellcode- und Versionsverwaltung Git wurde vor kurzem 20 Jahre alt. Ein Versionsverwaltungssystem ist eines der wichtigsten Werkzeuge in der Softwareentwicklung – egal, ob es sich bei dem Projekt um eine Unternehmung mit großem Team oder nur um eine kleinere Bastelei handelt. Git ist selbst ein Open-Source-Programm und stammt aus der Linux-Kernel-Entwicklung und vom Kernel-Chefentwickler Linus Torvalds. 2005 war ein Ersatz für das kommerzielle Werkzeug „Bitkeeper“ notwendig, denn die Kooperation mit der Firma hinter diesem Versionsverwaltungssystem zerbrach wegen der der auferlegten Einschränkungen für die Arbeit am Kernel.
Aus der Not geboren
Es gab zwar andere freie Versionierungssysteme, aber deren Netzwerkfähigkeiten und Geschwindigkeit in umfangreichen Projekten ließen zu wünschen übrig. Linus Torvalds verschwand einige Wochen von der Bildfläche und entwickelte das Grundgerüst eines eigenen Systems. „Git“ war geboren. Die Namensgebung ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen, denn im Englischen ist „git“ abwertend und bezeichnet eine unangenehme, eher dümmliche Person. Git war aber kein fragwürdiger Schnellschuss, sondern konnte die hohen Erwartungen erfüllen. Es wuchs im Funktionsumfang mit der Entwicklergemeinde um den Linux-Kernel mit und wurde weit über die Kernel-Entwicklung hinaus zu einer festen Größe in der Softwareentwicklung.
Eine Besonderheit hebt Git und die Schnittstellen zu Github von anderen, älteren Werkzeugen zur Codeverwaltung ab: Es handelt sich um ein verteiltes Versionsverwaltungssystem. Das bedeutet, dass Git zur Arbeit eine lokale Kopie des Codeverzeichnisses ablegt, die gleichzeitig auch ein dezentrales Backup ist. Änderungen am Code werden dann zunächst lokal gespeichert und erst später, wenn gewünscht, zurück auf den Git-Server übertragen.
Alternativen zu Github
Der Onlinedienst Github ist eine komfortable Plattform für Git. Mit der Übernahme durch Microsoft im Jahr 2018 ist Github zum weltweit größten Verzeichnis von Quellcode geworden. Aktuell sind auf Github rund 30 Millionen öffentliche Codeverzeichnisse untergebracht. Nach der Übernahme durch Microsoft wurden aber kritische Stimmen in der Open-Source-Gemeinde laut, die Microsoft als ungeeigneten Betreiber des Dienstes sehen. Microsoft werde eigene Interessen durchsetzen und freie Projekte, die nicht zum Image passen, aus den Repositorys verbannen, so die Befürchtung. Konkret gab es aber wenig zu beanstanden: Im März 2021 wurden Codeteile entfernt, die Angriffe auf Exchange-Server über gepatchte Sicherheitslücken demonstrieren. Zuvor verschwand nach einer Unterlassungsaufforderung durch Anwälte der Musikindustrie das Downloadwerkzeug „Youtube-DL“ zeitweise von Github. Wer Microsoft trotzdem meiden will, muss seinen Git-Server nicht selbst hosten. Mit Gitlab (https://about.gitlab.com) gibt es eine gut etablierte Alternative.
Czkawka 9.0
Findet Datenhalden und Dateidubletten
https://github.com/qarmin/czkawka
Das in Rust geschriebene Programm für Linux, Windows und Mac-OS ermittelt Dateidubletten anhand von Checksummen. Es listet auch besonders große Dateien, ähnliche Bilder und MP3-Dateien sowie falsche Dateiendungen auf. Das Tool löscht nicht selbst, sondern speichert die Ergebnisse in einer Textdatei. Version 9.0 glänzt laut Entwickler mit einem bemerkenswerten Performanceschub und ist als Binary, Appimage und Snap-Paket verfügbar.

Deadbeef 1.10
Musikplayer mit Bibliothek
https://deadbeef.sourceforge.io
Für Rechner mit wenig Leistung eignet sich der schlichte Audioplayer Deadbeef. Die einfache Oberfläche kann um weitere Bedienelemente ergänzt werden. Die neue Version bietet hier auch eine Baumansicht für eine eingelesene Musikbibliothek. Deadbeef kann jede (Audio-)Datei abspielen, die auch Ffmpeg 7 lesen kann, das im Hintergrund arbeitet. Auch ein Tag-Editor ist vorhanden. Das Programm liegt als DEB-Paket und als universelle Binary vor.

Inkscape 1.4.1
Vektororientiertes Grafikprogramm
https://inkscape.org/de
Das Illustrationsprogramm für SVG-Grafiken hat eine bessere Importfunktion für PDF-Dateien erhalten und kann nun Grafiken im Format von Affinity Designer öffnen. Auf kleineren Bildschirmen kann man das Fenster durch einklappbare Symbolleisten kompakter halten. Zum Glätten von Pfaden gibt es eine neue Erweiterung, die überflüssige Knoten entfernt. Die Seite https://inkscape.org/release/all/gnulinux/appimage bietet ein universelles Appimage.

Matter V 0.7
Alternative zu Vmware Workstation
https://matterv.com
Während sich Vmware unter Linux langsam für die KVM (Kernel Virtual Machine) erwärmt, sprintet das freie Matter V schon mal voraus. Dieser Hypervisor setzt auf der KVM auf und kann Vmware-Gäste inklusive Vmware-Tools ausführen. Zielgruppe sind Anwender oder Firmen, welchen die Abopreise für Vmware über den Kopf wachsen. Zur Installation dient ein Bash-Script und die Webseite https://demo.matterv.com zeigt eine Demonstration.

MT Player 20
Lädt Sendungen aus Onlinemediatheken
www.p2tools.de/mtplayer
Vom Entwickler der Mediathekview stammt der MT Player, der als dessen Nachfolger gilt. Das Java-Programm durchsucht die Onlinemediatheken verschiedener Sender (ARD, ZDF, Arte, RBB, ORF) und listet die Sendungen auf. Gegenüber Mediathekview gibt es mehr Sucheinstellungen. Der MT Player kann Abos anlegen und neue Serienfolgen automatisch laden. Zur Wiedergabe dient ein VLC oder MPV. Die bereitstehende Binary verlangt eine Java-Runtime.

N8n 1.91
KI-Automatisierungsplaner für eigene Server
https://n8n.io
Das Tool zur Automatisierung ist Node Red ähnlich: In einem visuellen Editor können Abläufe auf Servern und angeschlossenen Diensten erstellt und verknüpft werden. N8n ist für Geschäftsprozesse gemacht und verbindet etwa Mailserver mit Webservern, Slack, AWS oder Github, um vordefinierte Aktionen auszulösen. Insgesamt gibt es 400 Erweiterungen, um Dienste per API anzubinden. Die Installation erfordert Node.JS oder Docker.
Normcap 0.6
OCR-Tool für Screenshots
https://dynobo.github.io/normcap
Das Programm zur Texterkennung arbeitet mit dem OCR-Tool Tesseract und dient dazu, Text aus Screenshots zu extrahieren. Wenn Dokumente nur als Grafik vorliegen oder Fehlermeldungen keine Textauswahl zulassen, dann erspart Normcap das Abtippen. Die Erkennung erfolgt lokal und ohne Cloud. Das freie Programm liegt als Appimage und als Flatpak vor. Mehrere Sprachmodelle wie Englisch, Deutsch, Französisch und Spanisch werden mitinstalliert.

PDF Arranger 1.11
PDF-Dateien neu zusammenfügen
https://github.com/pdfarranger/pdfarranger
Der PDF Arranger ist eines der komfortabelsten Programme für den Linux-Desktop zur Bearbeitung von PDF-Seiten. Das Programm ist eine Abspaltung des älteren PDF Shuffler, der schon lange keine Updates mehr erhalten hat. Es zeigt die Seiten eines PDFs nebeneinander aufgereiht an und kann die Seiten drehen, zuschneiden, entfernen und exportieren. Der PDF Arranger findet sich in den Paketquellen der meisten Linux-Distributionen.

Portmaster 1.6.10
Desktop-Firewall mit Überwachung von Ports
https://safing.io/about
Unter Mac-OS kann „Little Snitch“ die Netzverbindungen überwachen. Der Portmaster überträgt das Konzept auf Linux und kontrolliert, was Programme ins Netzwerk senden und von dort empfangen, und verwendet dazu Extended Berkeley Packet Filter sowie einen Systemd-Dienst, um Verbindungen zuzuordnen. Auf Wunsch können Adressen mit einer Mailware-Datenbank abgeglichen werden. Zur Installation gibt es ein Appimage und Snap-Paket.

Readeck 0.18
Archiviert Webseiten in kompakter Form
https://tellico-project.org
Firefox & Co. können komplette Webseiten speichern, um diese später offline zu lesen. Auch externe Dienste wie Wallabag sind dafür nützlich, doch scheitern diese Tools oft an komplexeren Seiten. Eine Alternative, die Webseiten komplett offline speichert, ist das freie Go-Programm Readeck, das alle Elemente als Epub-Datei sichert. Es kann zum Speichern Lesezeichen aus Browsern und von Wallabag importieren. Readeck liegt als fertige Binary vor.

Systemd Pilot 3.0
Grafische Konfiguration für Systemd-Dienste
https://github.com/mfat/systemd-pilot
Auf Linux-Systemen ist die Zahl der Hintergrundprozesse und Systemd-Dienste reichlich unübersichtlich für Einsteiger. Eine Übersicht liefert der Systemd Pilot, der als grafisches Werkzeug alle Aktionen von systemctl abbildet und auch die Servicedateien zum Editieren anzeigen kann. Das Python-Programm kann sich per SSH auch zu anderen Linux-Systemen verbinden. Zur Installation gibt es DEB- und RPM-Pakete für verschiedene Linux-Distributionen.

Zellij
Terminal-Multiplexer mit hübscher Aufmachung
https://zed.dev
Tools wie Screen und Tmux verlegen eine laufende Shell bei Bedarf in den Hintergrund, damit diese bei einer Abmeldung geöffnet bleibt und die Programme dort weiterlaufen. Zellij bietet solche Dienste mit einfacherer Bedienung. Zudem kann Zellij mehrere Terminals über SSH öffnen und gekachelt anzeigen. Für Ergänzungen wie Statusleiste mit Systemmonitor gibt es Plug-ins. Zellij liegt in den Paketquellen der meisten Linux-Distributionen.


