Software | David Wolski | 02/2026 | 9. Juni 2026

Neue freie Software im Februar 2026

In der kalten Jahreszeit saßen die Köpfe hinter vielen Open-Source-Programmen an neuen Versionen. Unsere Vorstellungen werfen einen Blick auf neue Ausgaben bekannter Software und auf kleine, nützliche und neue Linux-Tools.

Das Jahr 2026 beginnt mit dem Ende einer irrationalen Begeisterung über die Programmiersprache Rust. An deren Stelle tritt eine nüchterne Betrachtung der nicht mehr ganz so jungen Sprache, die in diesem Jahr bereits zwanzig Jahre alt wird. 2006 ersann der Mozilla-Entwickler Graydon Hoare in seiner Freizeit Rust als bewusst altmodische Alternative zu modernen Hochsprachen. Dabei nannte er neben Erlang so exotische Dialekte wie Newsqueak, CLU und Limbo als Inspiration. Mit Unterstützung der Mozilla Foundation wurde Rust zu einem größeren Projekt mit mehr als 200 Teilnehmern und erschien 2015 in der viel beachteten Version 1.0. Die C-ähnliche Syntax macht es vergleichsweise schnell erlernbar und der Verzicht auf eine eigene Runtime macht es möglich, kompilierte Bibliotheken in bestehenden C-Programmen zu verwenden.

Rust und Frust

Das strikte Typensystem für Variablen und ein Besitzmodell für Werte unterbinden Anfängerfehler und die typischen Stolperfallen von C/C++. Die Genauigkeit bei der Zuweisung von Werten zu Variablen und deren statische Typisierung ist lästig, aber gut geeignet, um Fehler bei der Adressierung von Arbeitsspeicher zu unterbinden. Diese potenziellen Vorzüge führten in den letzten Jahren in der Open-Source-Szene um Linux zu Bestrebungen, bewährte Standardtools in Rust neu zu schreiben. 

Die Motivation dahinter: Besser gleich eine neue Version mit sicherer Speicherverwaltung bauen, als auf Sicherheitslücken in den hergebrachten C-Programmen zu warten. Diese Neuschöpfungen in Rust umfassen die GNU Coreutils und das Administrationswerkzeug sudo, ein neuralgischer Punkt in jeder Linux-Distribution. 

Ubuntu wagte sich in Version 25.10 besonders weit voraus und lieferte diese Zwischenversion mit neuen Rust-Alternativen der GNU Coreutils und von sudo aus. Und ausgerechnet darin fanden sich bald Fehler und Sicherheitslücken: sudo gibt bei Timeouts teilweise eingetippte Passwörter im Terminal aus und erlaubt unprivilegierten Usern wegen einer Verwechslung von Benutzerrechten schlimmstenfalls root-Zugriff. In den neuen Coreutils lauerte ein Fehler, der Aufgrund einer Datumsverwechslung die automatischen Systemupdates von Ubuntu 25.10 außer Betrieb setzte.

Neue Sprache – neue Fallen

Das sind keine Kleinigkeiten, sondern kritische Fehler im Rust-Code, die auf nachlässiges Debugging schließen lassen. Auch in anderen, nicht mit Linux verwandten Rust-Projekten sorgten Stolperfallen und Lücken in der Dokumentation und fehlendes Detailwissen für Frust. So legte Cloudflare im November 2025 seinen globalen Lastverteiler einige Stunden lahm – wegen einer fehlerhaft verwendeten Funktion im Rust-Code. 

Exemplarisch zeigen diese illustren Bugs, dass Rust alleine noch kein Garant für fehlerfreien Code ist. Programmierer werden es immer schaffen, neue Bugs zu schreiben. Das Prinzip hinter Open Source, nach welchem die prüfenden Blicke möglichst vieler Entwickler alle Bugs entlarven, ist also nicht obsolet. Eric Raymond formulierte dazu 1999 den Satz „Bei genügend Augenpaaren werden alle Bugs offensichtlich“ („Given enough eyeballs, all bugs are shallow“), der auch als „Linus-Gesetz“ bekannt ist. 

Armbian Imager 1.2

Übertragungstool für Systemimages
https://github.com/armbian/imager

Alternative zum Raspberry Pi Imager: Der Transfer von Imagedateien für Ein-Platinen-Rechner auf SD-Karten/USB-Sticks gelingt mit diesem Tool der Armbian-Entwickler ohne Terminal. Die Debian-Variante Armbian, die es für viele Platinen gibt, steht hier im Mittelpunkt. Der Imager ist ein Rust-Programm, das  passende Images für eine Platine auflistet, herunterlädt und überträgt. Das Tool steht als DEB-Paket und als Appimage zum Download bereit. 

Armbian für alle: Das Tool für Abbilder zeigt zu einem gewählten Platinencomputer alle verfügbaren Armbian-Varianten zur Übertragung an.

Bforartists 5.0

Derivat von Blender mit einfacherem Interface
https://www.bforartists.de

Blender 5 ist Ende letzten Jahres erschienen und schon steht die Abspaltung Bforartists des 3D-Modellers bereit. Die Oberfläche unterscheidet sich erheblich vom Original, um Einsteigern einen einfacheren Einstieg zu bieten. Die Bedienung ist durchgehend Maus- und menüorientiert, statt auf Tastaturkürzel zu setzen. Ansonsten ist Bforartists vollständig kompatibel. Auf der Projektwebseite gibt es ein DEB-Paket und ein universelles Appimage. 

Menüs im Mittelpunkt: Bforartists erlaubt mit seiner vereinfachten GUI eine intuitivere Arbeitsweise als der tastaturorientierte Blender.

Calibre 8.16

Bibliothek für E-Books mit KI-Anbindung
http://calibre-ebook.com

Die E-Book-Verwaltung Calibre hat nun (optionale) KI-Funktionalität erhalten: Eine Anbindung per API oder an lokale LLMs wie Ollama oder LM Studio erlaubt die Abfrage von Metadaten, Inhalten und Zusammenfassungen von E-Books, sofern das Modell diese kennt. Der Konverter kann nun PDFs und Epubs auch in Kepub-Dateien umwandeln. Das Python-Programm öffnet Epubs nun deutlich schneller. Installer für Linux liefert die Projektwebseite. 

Bibliothekar mit Künstlicher Intelligenz: Die KI-Anbindung in Calibre war unter Anwendern umstritten und ist deshalb strikt optional.

Darktable 5.4

Leuchttisch und Konverter für Rohdatenbilder
http://www.darktable.org

Das Programm zur Entwicklung von Fotos in Rohdatenformaten hat alle Funktionen inklusive Farbverwaltung nach Wayland portiert. Zudem erhält Darktable eine nachträgliche Aufnahmeschärfung und den von Blender übernommenen Tonwertmapper Agx, um ein breiteres Farbspektrum aus Bildern zu holen. Die Startzeit von Darktable hat sich laut Entwicklern um 20 Prozent reduziert. Auf der Webseite liegen ein Appimage und Pakete für diverse Systeme. 

Formidable Fotos: Das neue Bearbeitungsmodul Agx kann auch bei schwierigen Lichtverhältnissen naturgetreue Farben rekonstruieren.

Fish-Shell 4.3

Einsteigerfreundlicher Kommandointerpreter
https://fishshell.com

Bash ist die tonangebende Linux-Shell. Speziell für ambitionierte Einsteiger hat sich daneben die didaktische Fish-Shell etabliert: Sie gibt genauere Erklärung bei der Eingabe, Dokumentation mit vielen praktischen Beispielen, Syntaxhervorhebungen und eine Autovervollständigung als Tipphilfe. Fish 4.3 nutzt nun stets UTF-8 und schaltet automatisch zwischen hellen oder dunklen Themes um. Fertige Pakete für alle wichtigen Systeme zeigt die Projektseite. 

Frische Fish-Shell: Beim ersten Start werden bestehende Konfigurationsdateien der Shell automatisch in ein neues Format konvertiert.

Friction 1.0

Software zur 2D-Animation mit flacher Lernkurve
https://friction.graphics

Wer die Zeit nicht hat, sich in Animationsprogramme wie Krita oder 3D-Modeller wie Blender einzuarbeiten, bekommt mit Friction eine einfachere Alternative für Vektor- und Rastergrafik-Animationen. Der Nachfolger des eingestellten Programms Enve bietet einen einfachen Einsteig in die 2D-Animation. Präsentationen, Videos oder Webseiten sind damit gut zu erstellen – auch für anspruchsvolle Projekte. Friction liegt als universelles Appimage vor. 

Reibungslos: Friction ist ein Animationswerkzeug in 2D mit flacher Lernkurve und vielen praktischen Beispielen in seiner Onlinedokumentation.

Immich 2.4

Webbasierte Bildverwaltung für den eigenen Server
https://immich.app

Als Ersatz für iCloud und Google Photos hat sich Immich einen Namen gemacht. Seit der 2er-Version, die Zeichenerkennung für Bilder und eine schnellere Synchronisierungs-App für Smartphones brachte, erschienen Updates in schneller Folge. Ein Redis-Datenbankcache und die Postgre-SQL-Erweiterung Vectorchord fördern die flottere Ähnlichkeitssuche von Bildern. Aufgrund vieler Serverkomponenten verlangt die Installation Docker oder Podman. 

Gut gereift: Version 2 der Fotoverwaltung beendet offiziell die Betaphase und die Immich-App synchronisiert schneller von Smartphones.

Klevernotes 1.2.5

Markdown-Editor und Notizblock für KDE
https://apps.kde.org/klevernotes

Der Zettelkasten ist für KDE gemacht und seit Debian 13 und Ubuntu 25.10, ferner in Fedora und Arch in den Paketquellen zu finden. Der Markdown-Editor kann Notizen in Hierarchien organisieren, die dann einer Ordnerstruktur mit Markdown-Dateien im Home-Verzeichnis entsprechen. Es gibt zudem eine Freihandfunktion, um Handschriftliches auf einem Touchscreen aufzuzeichnen. Klevernotes steht als Flatpak oder als KDE-Paket bereit. 

Organisationstalent: Das Notizprogramm Klevernotes arbeitet mit Markdown, zeichnet aber auch Handschriftliches im SVG-Format auf.

Libre Office 26.2

Neue Ausgabe der freien Bürosuite
https://de.libreoffice.org

Den Zusatz „Community Edition“ hat Libre Office wieder gestrichen, da er mehr Verwirrung als Klarheit stiftete. Der Writer hat das Markdown-Format zur Formatierung dazugelernt, und zur Verschlüsselung gibt es eine neue, noch experimentelle Methode für ODF-Dateien. Calc kann Werte in JSON- sowie XML-Dateien visualisieren und Verbindungen zwischen Zellen grafisch darstellen. DEB- und RPM-Pakete finden sich auf der offiziellen Webseite. 

Daten darstellen: Aus JSON- und XML-Dateien zeigt Calc Datensätze tabellarisch an und erlaubt so eine visuelle Überprüfung der Inhalte.

Open Shot 3.4

Videoeditor mit leicht verständlicher Bedienung
http://www.openshot.org

Die Entwickler des Videoschnittprogramms bezeichnen Version 3.4 als bisher umfangreichstes Update. Die Refaktorierung des Quellcodes verspricht ordentlichen Leistungsschub. Es gibt zudem neue Nachtbearbeitungstools wie Linseneffekt, Fischaugenoptik, Farbübersetzungen nach vordefinierten Tabellen und Video-Nachschärfung. Open Shot 3.4 steht auf https://github.com/OpenShot/openshot-qt/releases als Appimage bereit, ferner als Snap und Flatpak. 

Schneller Schnitt: Open Shot ist einer der einfachsten Videoeditoren für Linux, kann dabei aber Dateien von Final Cut Pro importieren.

TLP 1.9

Stromsparmaßnahmen mit Feinabstimmung
https://linrunner.de/tlp

Bisher arbeitete TLP im Hintergrund, um bei Systemleerlauf und Akkubetrieb Stromsparfunktionen aufzurufen. Es bietet Optionen, PCI- und USB-Geräte abzuschalten und die CPU/GPU herunterzutakten. Version 1.9 bringt das Tool tlpctl zum Umschalten von Profilen sowie eine Anbindung an Gnome, Cinnamon und KDE: Ein Klick auf das Batteriesymbol kann ein Profil aktivieren. Für Ubuntu gibt es das PPA https://launchpad.net/~linrunner/+archive/ubuntu/tlp

Macht Laptops zu Dauerläufern: TLP aktiviert weitere Stromsparfunktionen und ersetzt in Desktops wie KDE den „Profiles-Power-Daemon“.

Xournal++ 1.3

PDF-Betrachter mit Editor
https://xournalpp.github.io

Xournal++ ist mehr als ein PDF-Betrachter: Es kann Dokumente bearbeiten und als PDF exportieren – um beispielsweise eine Unterschrift hinzuzufügen. Der Rückexport nach PDF erhält jetzt Elemente wie Kommentare und Hyperlinks, die früher oft nicht mehr funktionierten. Freiformwerkzeuge machen den PDF-Editor zu einem Notizblock. Neu ist eine Version für Android, die als APK-Datei vorliegt. Für Linux gibt es ein Appimage, Flatpak und DEB-Paket. 

Xournal++ leistet nicht nur zur nachträglichen Ergänzung von PDF-Dokumenten gute Dienste, sondern auch für Freihandnotizen.