Software | Team LinuxWelt | 4/2023 | 26. Mai 2023

Metadaten und Datenschutz

Metadaten sind Informationen, die neben dem eigentlichen Inhalt einer Datei mehr über deren Eigenschaften verraten. Was einerseits eine Fundgrube an zusätzlichen Infos ist, bedeutet andererseits ein beträchtliches Datenschutzrisiko.

Von Claudius Grieger

Metadaten sind Informationen, die neben dem eigentlichen Inhalt einer Datei mehr über deren Eigenschaften verraten. Was einerseits eine Fundgrube an zusätzlichen Infos ist, bedeutet andererseits ein beträchtliches Datenschutzrisiko.

Die meisten Nutzer wissen vermutlich gar nicht, dass ein Foto vom Handy neben dem eigentlichen Bild noch andere Daten enthält. Prinzipiell besitzt jede Datei Metadaten. Es handelt sich dabei um Informationen, die zusätzlich zum eigentlichen Inhalt gespeichert werden. Ein Foto beispielsweise kann Informationen zur DSLR-Kamera, Brennweite, ISO-Wert oder Geodaten enthalten, eine Musikdatei die Samplerate, Bittiefe, Genre oder Künstler, eine Softwarebinary den verwendeten Compiler. Es sind Daten, die die Nutzung und Sortierung mit manchen Programmen einfacher gestalten.

Es gibt unterschiedliche Metadatenstandards wie Exif, IPTC sowie XMP. In der Praxis sind alle bei unterschiedlichen Dateiformaten anzutreffen. Die gängigen Metadatenprogramme können mit allen Standards umgehen.

Gute und schlechte Metadaten?

Der Vorteil von Metadaten ist offensichtlich: Sie bieten Informationen, nach denen Software sortieren oder filtern kann. Fotografen erkennen so auf einen Blick, welche Technik für das Foto eines anderen verwendet wurde, welches Programm zur Nachbearbeitung zum Einsatz kam. Allerdings haben Metadaten auch Nachteile: Cyberkriminelle, Behörden und Digitalkonzerne können darüber Daten über Personen sammeln. Während interne Tags für die MP3-Sammlung vielleicht sogar förderlich sind, können Infos über das verwendete Smartphone, Name des Urhebers oder die Geolocation eines Fotos ein Sicherheitsrisiko darstellen. Auf https://netzpolitik.org finden Sie erschreckende Beispiele, was Metadaten über persönliche Interessen, Bewegungsdaten, Details zur Lohnarbeit, Schlafzeiten oder persönliche Beziehungen verraten. Big-Data-Riesen können damit noch mehr Informationen über einzelne Menschen sammeln und zu Geld machen. Prinzipiell lassen sich Menschen sogar damit leicht überwachen.

Zum Glück gibt es Programme, mit denen Sie Metadaten mit wenigen Klicks oder Befehlen bearbeiten oder mit einem Klick komplett entfernen können. Insbesondere vor dem Teilen von Daten im Internet sollte man überdenken, ob die Metadaten in der Datei verbleiben sollen.

Metadaten entfernen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Metadaten zu entfernen – entweder komplett oder einzeln. Wer es einfach und mit grafischer Oberfläche mag, nutzt dafür das Programm Metadata Cleaner, auch „Metadaten-Reiniger“, das als Flatpak angeboten wird. Wenn – wie unter Linux Mint – ein Softwarecenter inklusive Flatpaks vorliegt, können Sie es dort suchen und installieren. Andernfalls hilft dieser Befehl:

sudo flatpak install flathub fr.romainvigier.MetadataCleaner

Dateien oder ganze Ordner zieht man aus dem Dateiexplorer per Drag & Drop in das Programmfenster und das Tool entfernt alle erkannten Metadaten in einem Rutsch. Wer eine mobile Lösung für Android sucht, sollte Scrambled Exif im F-Droid Store nutzen (https://fdroid.org/packages/com.jarsilio.android.scrambledeggsif/). Beide Lösungen bearbeiten die Dateien direkt – Metadaten sind dann unwiderruflich entfernt.

Auch der Standardbildbetrachter gthumb unter Gnome & Co. kann Metadaten über das Schraubenschlüsselsymbol löschen. Allerdings bleiben hier immer ein paar Reste mit Infos über die Datei übrig – minimal mehr als beim Metadata Cleaner.

Für das Terminal gibt es eine Reihe von bewährten Tools, an erster Stelle zu nennen sind exiftool, exiv2 und mat2. Alle drei Werkzeuge befinden sich mit gleichnamigen Paketnamen in den Standard-Paketquellen und sind somit etwa mit

sudo apt install exiftool

schnell nachinstalliert. Im Umfang unterscheiden sich die ersten beiden kaum: Exif­tool ist in Perl geschrieben, exiv2 in C++ und damit theoretisch etwas performanter. In der Praxis ist bei einzelnen Dateien kein Geschwindigkeitsunterschied bemerkbar, daher beziehen sich die Beispiele hier auf das etwas umfangreichere exiftool, das nicht nur Löschen, sondern auch Editieren beherrscht. Das dritte Tool mat2 kann nur löschen – das allerdings vollständig und zuverlässig. Alle drei Programme unterstützen alle gängigen Dateitypen. Die nachfolgenden Beispiele beziehen sich auf Fotos und Bilder, sind aber auf andere Dateitypen übertragbar.

Die Anzeige der verfügbaren Metadaten erfolgt über

exiftool bild.jpg

Um alle Metadaten in einem Rutsch zu entfernen, reicht

exiftool -all= bild.jpg

Mit Stellvertretern wie „*.jpg“ lassen sich alle Dateien eines Ordners verarbeiten. Und im Falle des Falles erweitert find die Reichweite:

find /[Pfad] -iname "*.jpg" -type f -exec exiftool -all= {} \

Das exiftool legt standardmäßig neue, blitzsaubere Dateien an und speichert die Originale mit „_original“ im Dateinamen.

Mat2 kann nur anzeigen und entfernen. Die Befehle

mat2 -s bild.jpg

mat2 bild.jpg

zeigen alle lesbaren Metadaten und entfernen alle Metadaten. Dabei entsteht die neue Datei „bild.cleaned.jpg“ an.

Im Terminal helfen Werkzeuge wie exiftool oder mat2 zum Auflisten und Entfernen der Metadaten.

Metadaten bearbeiten und ändern

Zur Metadatenbearbeitung werden beim exiftool die nötigen Parameter vor der Dateiangabe mitgegeben, beispielsweise der ISO-Wert eines Bildes mit Parameter „-ISO=[Wert]“. Wird kein Wert angegeben (also ein Leerzeichen), wird diese Info gelöscht, andernfalls wird der neue Wert eingetragen. Das Beispiel

exiftool -ISO=200 bild.jpg

setzt folglich den ISO-Wert auf 200. Auch relative Änderungen mit

exiftool -ISO+=50 bild.jpg

sind möglich. Alle internen Datumsangaben lassen sich mit

exiftool -AllDates='JJJJ:MM:TT HH:MM:SS' bild.jpg

ändern, wobei die Stellvertreter durch die gewünschten Zahlenangaben ersetzt werden müssen.

Der folgende Befehl versieht ein Bild mit der CC-BY-SA Lizenz und fügt die Urheber-Homepage hinzu:

exiftool -overwrite_original -XMP-cc:license="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" -XMP-cc:AttributionName="urhebername" -XMP-cc:AttributionURL="http://urheberhomepage.de" bild.jpg

Das exiftool ermöglicht auch die Arbeit mit CSV- und Json-Quellen. Damit lassen sich Metadatenänderungen auf einen gesamten Ordner anwenden:

exiftool -csv="/[Pfad]/datei.csv" "/[Pfad]"

Wirklich bequem gerät das im Terminal nicht immer, daher empfiehlt sich ein GUI-Tool wie jExifToolGUI (https://hvdwolf.github.io/jExifToolGUI/), das als grafisches Front-End auf exiftool aufbaut. Darüber lassen sich die Metadaten anzeigen, zwischen mehreren Bildern vergleichen, von einem Bild zum anderen kopieren.

Weniger spezialisiert, aber umso komfortabler sind der Bildbetrachter gthumb unter Gnome-affinen Desktops, ferner Digikam unter KDE. Darktable und Gimp eignen sich nur bedingt, weil sie Metadaten zwar anlegen, vorhandene Infos allerdings gar nicht oder nur teilweise bearbeiten können. Für Musiksammlungen eignet sich Easytag (in allen Paketquellen verfügbar) mit vorgefertigten Feldern speziell für die internen Audiometadaten.

Easytag korrigiert die Metadaten für einzelne oder viele Audiodateien. Das Programm ist weniger ein Datenschutzwerkzeug als vielmehr ein Korrekturtool bei fehlenden oder falschen Audiotags, um für die korrekte Einordnung der Titel im Audioplayer oder Mediencenter zu sorgen.