Allgemein | Arne Arnold | 6/2025 | 26. September 2025

LinuxWelt 06/2025: Brauchen wir Ubuntu?

Linux ist mehr als Ubuntu: Nach 20 Jahren Ubuntu-Desktop scheint die Zeit reif für ein Umdenken. Die Ubuntu-Firma Canonical hat ihr Engagement für Desktopsysteme minimiert und viele Nutzer orientieren sich um. Alternativen gibt es genug.

Die Vorzüge von Ubuntu sind die zuverlässige Erscheinungsweise, automatisch eingespielte Point Releases und in aller Regel problemlose Ugrades auf nachfolgende LTS-Versionen. Das ist zweifellos viel wert, aber darüber hinaus werden die Argumente für Ubuntu am Desktop dünn. Wer die letzten Jahre die Entwicklung verfolgt hat, muss erkennen, dass die Ubuntu-Firma kaum noch Engagement für den PC-Desktop zeigt. Nach dem Scheitern von Unity, Ubuntu Touch, Mir, Upstart hat sich Canonical seit zehn Jahren zunehmend vom Desktop entfernt. Gegen Windows, Android und iOS/Aqua war der Desktop nicht zu gewinnen. Die Fokussierung auf Server und Cloud etwa ab 2017 erwies sich als umso erfolgreicher: Heute ist Ubuntu das meistgenutzte Linux-Betriebssystem in Cloudumgebungen wie AWS (Amazon), Azure (Microsoft) und Google Cloud. Der Desktop wird als Nebenprodukt weiter brav mitlaufen, aber mehr als Kernel-Pflege und Aktualisierung von Gnome & Co. ist von Canonical kaum noch zu erwarten. 

Die Anwender reagieren längst: Wer das Klickinteresse an Linux-Distributionen auf Distrowatch analysiert, wird heute unter den ersten hundert Systemen noch vier offizielle Ubuntus finden, die in Summe (!) weniger Klicks erzielen als ein Linux Mint, ein Debian oder MX Linux. Der aktuelle Hype um das Arch-basierte Cachy OS passt zum Trend, der auch mit Endeavour-OS und Manjaro ein Comeback von Arch Linux anzeigt. 

Auslöser solcher Ubuntu-Abkehr sind sicher nicht nur die ambitionslosen Pflichtupgrades von Ubuntu. Die Nutzer sind zunehmend genervt vom Snap-Zwang und zunehmenden Zwangs-Snaps, die seit 2016 die Systemkomplexität steigern, Ressourcen fressen und Rechteprobleme verursachen (beziehungsweise daran scheitern). Die Flucht zu Snap-freien Alternativen wie Arch, Debian, Linux Mint, Fedora ist nachvollziehbar.  Die vorliegende LinuxWelt nimmt diese Situation zum Anlass, in einem Heftschwerpunkt prominente Desktopalternativen mit Ubuntu zu vergleichen (ab Seite 26). Was ist bei Arch, Debian oder Fedora anders? Mit welchen Eigenheiten muss sich ein bisheriger Ubuntu-Anwender arrangieren? Das summarische Fazit vorab: Wir sind auf Ubuntu nicht angewiesen!

Profituning für Hardware & Netz

Jüngste Erfahrungen und Recherchen der Redaktionsmitarbeiter haben wieder einige Tuningmethoden und Tools ans Licht befördert, die in der LinuxWelt bislang nicht oder nicht ausführlich erklärt wurden. Das zweite Special (ab Seite 38) bündelt diese Erkenntnisse unter „Hardware- & Netzwerktuning“. Die Beiträge erklären  unter anderem dynamische Datenträgerverwaltung mit LVM, Leistungs- und Sicherheitsvorteile durch alternative DNS-Server sowie ein neues Werkzeug zum direkten Datenaustausch zwischen Android-Mobilgeräten und dem Linux-Rechner. 

Weitere Themen im Heft

Software wird zunehmend KI-gestützt, wie  die jetzt in „Software & KI“ umbenannte LinuxWelt-Rubrik belegt: Vier der acht Softwarebeiträge handeln direkt oder indirekt von KI-Methoden – besonders anspruchsvoll im Beitrag zur Zusammenfassung von Texten mit lokalen KI-Modellen. 

Immer einen hilfreichen Tipp mehr als KI liefert die „Praxis“-Rubrik. Neben den Standards zu Terminal, Software und Desktop gibt es einen Ratgeber für Windows-Umsteiger zur Kompatibilität der Windows-Benutzerdaten unter Linux.

Heft-DVD mit fünf Distributionen

Die Heft-DVD startet die rechts oben im Bild und unten in der Liste angegebenen Distributionen. Prominentester Kandidat ist sicher  Linux Mint 22.2. Das weitere Desk­top­system Q4-OS liefert eine ziemlich aktuelle KDE-Oberfläche 6.3.6 auf Debian-Basis.  Das Ubuntu-Derivat Fun-OS unterbietet den Hardwareanspruch kleiner Ubuntus (Lubuntu, Xubuntu) durch einen federleichten JWM-Fenstermanager. Als Bonus ist auch noch das Servicesystem Gparted Live auf DVD – ein einfaches Livesystem, das den Partitionierer Gparted auf einem unabhängigen System anbietet.

Die Heft-DVD: Neben dem neuen Linux Mint 22.2 gibt es zwei weitere Desktopsysteme, die sich auch für ältere Hardware eignen. Gparted Live ist ein Dienstleister zur Partitionierung.

Die Benutzung der DVD ist einfach: Inhalte wie PDFs, Software und Distributionsbeschreibungen erreichen Sie mit jedem System nach Einlegen der DVD im Dateimanager. Um hingegen Livesysteme  oder ein Tool wie Super Grub zu starten, müssen Sie den Rechner mit der DVD booten. Standardmäßig geschieht dies bei eingelegter DVD automatisch. Falls nicht, rufen Sie beim Start per Tastendruck (F2, F8, F12, Esc?) das Bios-Bootmenü auf und wählen hier das DVD-Laufwerk. Bei der Nutzung eines Livesystems bleibt das bisher installierte System unberührt. Das ändert sich erst, wenn Sie aus einem Livesystem den dort enthaltenen Installer starten. Falls Sie Dualboot neben einem bestehenden System planen, müssen Sie Klarheit haben, in welchem Modus (Bios/Uefi) jenes installiert ist, und dann im selben Modus installieren. Die Heft-DVD beherrscht den Start im Bios- und Uefi-Modus und zeigt diesen an. 

Die Download-DVD: Auf https://www.linux welt.de/dvd0625/ erhalten Sie alle ISO-Abbilder, Tools und DVD-Inhalte der Heft-DVD auch als Download. Zusätzlich gibt es dort ein weiteres Multiboot-Image mit folgenden Livesystemen: Rescuezilla ist das einfachere, klickfreundliche Clonezilla zum Sichern ganzer Partitionen und Festplatten in Imagedateien. Ein weiterer Live-Klassiker ist das anonymisierende Surfsystem Tails,   das den Datenfluss im Web verschlüsselt über drei zufällige Stationen leitet und auch am lokalen System keinerlei Spuren hinterlässt. Das Livesystem Mini-OS hat keine enge Spezialisierung, sondern dient als schlankes Zweitsystem auf USB-Stick. Weitere Infos zur Download-DVD lesen Sie auf Seite 8 und 13, dort auch den Anmeldenamen und das Kennwort für den Zutritt auf https://www.linuxwelt.de/dvd0625/

Auf DVD

Distributionen

Linux Mint 22.2 (Cinnamon)
Aktuelles Point Release mit frischem Kernel 6.14 und Neuheiten beim X-Apps-Zubehör

Q4-OS 6.0
Aktuelles Debian 13 mit KDE Plasma als schlankere Alternative zu Kubuntu  

Fun-OS 24.0.4.3
Diät-Ubuntu mit einem sparsamen, aber ansehnlichen JWM-Desktop für ältere Hardware

Gparted Live 1.7
Ergänzendes, immer nützliches Livesystem mit dem aktuellen Gparted-Partitionierer

Bootfähige Helfer
Supergrub, Memtest, HDT, Plop-Bootmanager, Shred-OS, Netboot.xyz u.a.

Software und Scripts
Imagingtools, SSH-Werkzeuge, Bittorrent-Client, Packer und Scripts

LinuxWelt Digital XXL 6/2025
359 aktualisierte Seiten mit Grundlagen, Systemd-Special, Terminal-Guide, Desktop- und Distributionsratgeber