Livesysteme und uneingeschränkte Mobilität sind ein Alleinstellungsmerkmal von Linux. Für Linux-Kenner ist diese Tatsache selbstverständlich, für Einsteiger vielleicht nicht: Alle Linux-Livesysteme, so etwa die Live- und Installationsmedien von Linux Mint oder Fedora der aktuellen Heft-DVD, können auf die Datenträger eines havarierten Linux, Windows oder Mac-OS zugreifen. Das erlaubt die Rettung von Dateien durch Kopie auf unabhängige Laufwerke, das Editieren fehlerhafter Konfigurationsdateien von außen oder das Verkleinern der Systempartition mit Gparted. Da Livesysteme auch die temporäre Installation weiterer Programme erlauben, wird im Prinzip jedes Livesystem zum Reparatursystem.
Mit diesen Standards als Nothelfer sind aber die Fähigkeiten eines Live-Linux nicht annähernd ausgeschöpft, wie folgende Optionen knapp andeuten sollen:
- Auf Datenrettung spezialisierte Livesysteme wie das „LinuxWelt-Rettungssystem“ oder System Rescue bringen alle bewährten Reparaturwerkzeuge bereits mit.
- Multiboot-Tools wie Ventoy können ganze Sammlungen von Livesystemen anlegen. Das geht einfach vonstatten und erlaubt auch den unkomplizierten Austausch veralteter Versionen gegen neue. Solche Sammlungen sind ebenso so nachhaltig wie sinnvoll, weil wichtige Hilfsprogramme wie etwa Super Grub Disk nur als bootfähiges Spezialsysteme verfügbar sind.
- Tools wie Cubic oder Debian Live-Builder beherrschen den Zusammenbau ganz individueller Livesysteme mit genau der Software, die der Benutzer haben will.
- Livesysteme und Sammlungen lassen sich ohne großen Aufwand mit einem geschützten Datentresor kombinieren, der den Transport sensibler persönlicher Daten auf einem mobilen Datenträger erlaubt.
- Viele Livesysteme bieten Persistenz-optionen, die in begrenztem Umfang Anpassungen und Installationen ermöglichen. Damit werden an sich unveränderliche Livesysteme zu flexiblen Zweitsystemen für Büroaufgaben oder Webzugang.
- Nicht zuletzt: Natürlich kann ein Linux auf größeren USB-Sticks oder USB-Festplatten auch ganz regulär installiert werden – auch mehrere Distributionen im Multiboot.
Der Heftschwerpunkt „Mega-Sticks mit Linux“ ab Seite 26 erklärt die technischen Details der hier skizzierten Möglichkeiten. Dabei bleiben wir aber pragmatisch und realistisch: Livesysteme und mobiler USB-Betrieb sind technisch großartig und inhaltlich vielseitig, aber nicht der Linux-Alltag: Es handelt sich um Installationsmedien und um Zweitsysteme und Rückversicherungen, wenn der Alltag knirscht.
Paketquellen: Update & Upgrade
Ein zweiter Heftschwerpunkt ab Seite 38 bespricht mit Paketquellen und Fremdquellen ein fundamentales Kernthema jeder Linux-Installation: Woher bezieht eine Distribution die Software und die Sicherheitsupdates und woran liegt es, wenn sie dies nicht fehlerfrei tut? Besondere Beachtung erhält die Aktion von Upgrades auf die nächsthöhere Version, die nicht in allen Distributionen aktiv vorgesehen und einfach per Mausklick zu erledigen ist. Im Fokus stehen Debian/Ubuntu/Mint-Systeme.
Weitere Themen im Heft
Von zahlreichen spannenden Netzwerk-, Software- und Serverthemen können wir hier nur zwei herausheben:
Die Linux-Desktops erhalten mit dem benutzerfreundlichen „Cosmic“-Nachwuchs (siehe Steckbrief ab Seite 50), der unter Fedora 43 auch auf Heft-DVD zu besichtigen ist.
Die Einführung in Docker und Docker-Compose ab Seite 84 ist eine Empfehlung für Einsteiger, die sich bislang von dieser komplexen Server- und Containerlösung überfordert sahen.
Heft-DVD mit Linux Mint 22.3
Die DVD startet die drei rechts gezeigten Distributionen. Prominentester Kandidat ist das aktualisierte Linux Mint 22.3. Fedora 43 eröffnet mit seinem neuen Spin die Möglichkeit, den neuen „Cosmic“-Desktop zu erproben, und Peppermint-OS 13 aktualisiert sich auf den Stand von Debian 13.
Die Benutzung der DVD ist einfach: Inhalte wie Software, das XXL-PDF sowie Distributionsbeschreibungen erreichen Sie mit jedem System nach Einlegen der DVD im Dateimanager. Um hingegen Livesysteme oder ein Tool wie Super Grub zu starten, müssen Sie den Rechner mit der DVD booten. Standardmäßig geschieht dies bei eingelegter DVD automatisch. Falls nicht, rufen Sie beim Start per Tastendruck (F2, F8, F12, Esc?) das Bios-Bootmenü auf und wählen hier das DVD-Laufwerk. Bei der Nutzung eines Livesystems bleibt das bisher installierte System unberührt. Das ändert sich erst, wenn Sie im Livesystem den dort enthaltenen Installer starten. Bei Dualboot-Installation müssen Sie Klarheit haben, in welchem Modus (Bios/Uefi) das primäre System installiert ist, und dann im selben Modus installieren. Die Heft-DVD beherrscht den Start im Bios- wie im Uefi-Modus und zeigt diesen an.

Downloadservice: Auf https://www.linuxwelt.de/dvd0226/ erhalten Sie alle ISO-Abbilder, Tools und DVD-Inhalte der Heft-DVD auch als Download. Zusätzlich gibt es ein Multiboot-Image mit folgenden Livesystemen, die einen Platz in jeder Multibootsammlung verdienen: Das LinuxWelt-Rettungssystem 11.2.0.1 ist der bekannt gut gefüllte Werkzeugkasten zur Datenrettung mit deutschsprachigem XFCE-Desktop.
Das Servicesystem Dr. Parted Live 25.12 liefert den bewährten Partitionierer auf einem unabhängigen und sehr anspruchslosen Livesystem. Als drittes System ist das Reparatursystem System Rescue 12.02 vertreten, das einen optionalen XFCE-Desktop mitbringt, aber überwiegend Terminalwerkzeuge enthält.
Weitere Infos zu den Distributionen und Livesysteme lesen Sie auf Seite 8 und 13, dort auch die Anmeldedaten für die Seite https://www.linuxwelt.de/dvd0226/.
Auf DVD
Desktopdistributionen
Linux Mint 22.3
Aktualisierung auf das dritte Point Release plus kleinere Cinnamon-Optimierungen
Fedora 43 „Cosmic“
Neuer Fedora-Spin mit Wayland-Desktop „Cosmic“ und sehr aktuellen Paketen (Kernel 6.17)
Peppermint-OS 13
Web- und browserfokussiertes Live- oder Desktopsystem auf dem Stand von Debian 13
Bootfähige Helfer
Supergrub, Memtest, Hardware Detection Tool, Plop-Bootmanager, Shred-OS, Netboot.xyz u.a.
Software und Scripts
Imagingtools, SSH-Werkzeuge, Packer, Bittorrent-Client Tixati, Ventoy für USB-Multiboot u. a.
LinuxWelt Digital XXL 2/2026
369 aktualisierte Seiten mit Grundlagen, Desktop- & Umstiegs-Special, Terminal-Guide, Distributionsratgeber

