Windows installiert sich auf NTFS, Mac-OS auf APFS. Punkt und Schluss. Unter Linux hingegen gibt es ein gutes Dutzend namhafter Dateisysteme, zum Teil einfach oder enger spezialisiert, zum Teil hoch elaboriert. Wie werden wir künftig formatieren?
Braucht Linux ein neues Standarddateisystem? Die Frage ist nicht neu, erhält aber durch aktuelle Plädoyers neue Brisanz. Open Suse schon etliche Jahre und neuerdings auch Fedora schlagen sich auf die Seite von BTRFS, während uns Canonical/Ubuntu das Dateisystem ZFS nahelegen will. Die Kernfunktionen eines Dateisystems stehen dabei nicht im Fokus: Der langjährige Linux-Standard Ext4 wird auch im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts auf keine ernsthaften Limits stoßen. Ext4 kann insgesamt eine Million Terabyte adressieren und 16 Terabyte für eine einzelne Datei. Die maximale Anzahl von vier Milliarden Dateien ist ebenfalls zukunftssicher. Die Dateitabellen von Ext4 bieten Dateirechte, Zeitstempel und ein Journal zur Fehlerkorrektur.
Es sind also nicht mangelnde Kernfunktionen und unmittelbar drohende quantitative Grenzen, die zwingend moderne Dateisysteme fordern würden. Die Motive für andere Dateisysteme liegen eindeutig beim erweiterten Funktionsumfang: Copy-on-Write-Dateisysteme wie BTRFS, ZFS, APFS, ReFS ermöglichen native Systemschnappschüsse – eine Sicherheitsfunktion, die unter einem üblichen Dateisystem durch zusätzliche Systemsoftware kompensiert werden muss (etwa Timeshift oder auch die Wiederherstellungspunkte unter Windows). Ähnlich steht es bei flexiblen Kapazitätserweiterungen und Raid-analogen Einheiten. Nicht zuletzt bieten die Standarddateisysteme von Apple und Microsoft transparente Verschlüsselung und Komprimierung – also auch am Desktop erwünschte Funktionen, die Ext4 nach wie vor vermissen lässt.
Früher oder später wird sich ein moderneres Dateisystem etablieren, vielleicht auch ein weiterentwickeltes Ext[x]. Die Frage ist aber nicht nur wann, sondern auch wo und auf welchen Geräten. Wie der erste Schwerpunkt „Dateisysteme“ ab Seite 24 zeigen wird, ist so mancher Kandidat zumindest für den Desktopeinsatz überdimensioniert und in der Verwaltung noch so anspruchsvoll, dass dies typische Desktopanwender überfordern dürfte. Der Schwerpunkt soll daher die zum Teil faszinierenden Funktionen moderner Dateisysteme aufzeigen, vor allem aber eine pragmatische Sicht schärfen. Was ein Dateisystem tatsächlich können muss, bestimmt der Einsatzzweck: Wenn dieser einfach ist, darf es das Dateisystem auch sein.
Datenschutz und weitere Themen
Im zweiten Heftschwerpunkt dreht sich alles um sichere Benutzerdaten. Wirklich komfortable Verschlüsselungstechniken schützen mobile Geräte und Clouddaten so bequem, dass der Datenschutz keinen nennenswerten Komfortverlust fordert. Besonderes Gewicht erhalten verschlüsselte Mails und Mailsicherheit durch clevere Backups. Weitere Ratgeber des Specials sorgen für kontrollierten Zugriff auf Netzfreigaben und eine sichere Öffnung des lokalen Netzwerks via Internetzugriff.
Linux Mint 20.1: Ab Seite 14 stellen wir das aktualisierte Mint vor. Der Desktop-Platzhirsch bleibt seiner Tradition treu, jedes Upgrade mit schmackhaften Bonbons aufzuwerten – dieses Mal mit „Webapps“, „Favoriten“ und Chromium als klassisches DEB-Paket.
Apropos Chromium: Ein Funktionsvergleich aller namhaften Linux-Browser (Seite 58) zeigt, dass es nicht unbedingt Chrome oder Firefox sein muss. Vivaldi und Opera halten gut mit, selbst Microsoft Edge bewirbt sich als Alternative.
Wenn–Dann–Bash: Den Auftakt im Praxisteil ab Seite 94 macht ein Grundlagenartikel zu Bash-Prozeduren. Die dort beschriebenen Entscheidungen und Schleifen genügen als Basis für erfolgreiches Bash-Scripting.
Die Heft-DVD: Linux Mint 20.1 Enso-OS und viel Lesestoff
Neben Linux Mint 20.1 bootet die Heft-DVD die Desktopsysteme Enso-OS und Endeavour-OS. Enso-OS ist als schlankes, aber attraktives System ein Tipp für nicht mehr taufrische Rechner. Endeavour-OS richtet sich an Arch-Fans, die einen sanften Einstieg in anspruchsvolles Arch Linux bevorzugen. Fedora 33 ist als ausschließlicher Installer vertreten und somit kein Livesystem zum Ausprobieren.

Alle Distributionen auf DVD können im Bios- oder Uefi-Modus starten. Früher war nur ein Bios-Boot möglich, was das Kopieren des originalen ISO-Images auf USB-Stick erforderte, sofern man eines der Linux-Systeme neben einer bereits bestehenden Uefi-Installation einrichten wollte. Die Heft-DVD bootet im gewünschten Modus, der über das Bios-Bootmenü gewählt werden kann. Zur Kontrolle zeigt das Bootmenü einen Hinweis mit Symbol zum aktuell gültigen Modus (siehe Abbildung oben).
Obendrein gibt es viel Lesestoff auf der DVD: Neben der aktualisierten Anthologie „LinuxWelt Digital XXL“ finden Sie den kompletten Jahrgang 2020 der LinuxWelt.

