Hardware | Netzwerk | Andreas Th. Fischer | 4/2025 | 30. Mai 2025

Linux jetzt auch für Snapdragon X Elite

Bereits seit einem Jahr kann man schnelle und gleichzeitig genügsame Notebooks mit Snapdragon-X-Elite-CPUs kaufen – aber nur mit Windows. Nun kommt der Durchbruch für Linux – zumindest bei Ubuntu.

Mit dem „Concept Image“ gelang Canonical der Durchbruch. Es lief bereits auf zahlreichen Snapdragon-X-Notebooks, richtete sich aber vor allem noch an Entwickler.

Im Sommer 2024 erschienen neue Notebooks mit Snapdragon-X-Elite-Prozessoren von Qualcomm. Viele Anwender waren von den Geräten begeistert, da sie nicht nur schnell, sondern auch effizient sind, lange Akkulaufzeiten bieten und nahezu ohne Lüfter auskommen. Dank der integrierten NPU (Neural Processing Unit) haben sie außerdem einen flotten Beschleuniger für lokale KI mit an Bord. 

Es gab nur ein Problem: Lange Zeit lief auf diesen Notebooks im Prinzip nur Windows. Kein Linux-Hersteller und keine Distribution konnten sie aufgrund zahlreicher technischer Probleme zufriedenstellend unterstützen. Dabei gibt es ARM-Editionen von Linux seit langem und Qualcomm kündigte ursprünglich auch an, Linux auf der neuen Plattform tatkräftig unterstützen zu wollen. 

Im Sommer 2024 präsentierte Tuxedo bereits diesen Prototypen, kann aber bis heute kein fertiges Betriebssystem zeigen.

Einer der ersten Linux-Anbieter, der sich bereits früh aus der Deckung wagte, war das Augsburger Unternehmen Tuxedo. Schon im Juni 2024 zeigte der Hersteller auf der Computex in Taiwan einen Prototypen mit Snapdragon-X-Elite-Prozessor. Als Betriebssystem kündigte Tuxedo eine eigene Linux-Umsetzung an. Im Juli 2024 räumte eine Sprecherin des Unternehmens jedoch ein, dass die Hardware zwar schon fertig sei, aber man softwareseitig „noch viel zu tun“ habe. Danach wurde es still um das Projekt.

Durchbruch bei Canonical

Bei Ubuntu ist man bereits einen großen Schritt weiter. Ende März 2025 meldete Canonical den Durchbruch. Nach ersten Versuchen mit der ARM64-Architektur, die schon 2023 starteten, und einem im vergangenen Jahr veröffentlichten Concept Image für Entwickler, werde noch im April mit Ubuntu 25.04 (Plucky Puffin) die erste Standarddistribution erscheinen, die „Out-of-the-Box“ Snapdragon-X-Elite-Laptops unterstützen soll. Damit hat das Unternehmen einen weiten Weg zurückgelegt. Vom frühen ARM64-Support für ein einziges Gerät, das Lenovo ThinkPad X13s, über das Concept Image mit Unterstützung für mehr Notebooks, bis zum aktuellen Release.

Der erste Erfolg stellte sich mit dem Concept Image für Snapdragon-X-Elite-Notebooks ein. Es basiert auf Ubuntu 24.10 und lief nach Angaben von Canonical bereits auf einer größeren Zahl von Snapdragon-X-Elite-Notebooks. Das Unternehmen nannte unter anderem die Modelle Acer Swift 14 AI, Asus Vivobook S 15, Dell XPS 13 9345, HP Omnibook X 14, Lenovo Thinkpad T14s Gen6 und Yoga Slim 7x sowie Microsoft Surface Laptop 7. Trotzdem richtete sich das Concept Image erstmal nur an Entwickler und mutige Endanwender, die Linux auf ihren Snapdragon-X-Elite-Rechnern unbedingt ausprobieren wollten. Für einen produktiven Einsatz war es noch nicht vorgesehen.

Das Lenovo Yoga Slim 7x ist eines der Notebooks, auf dem Canonical erste Erfolge mit seinem Concept Image verzeichnen konnte.

Nach Angaben von Canonical ist die Unterstützung des ARM64-Ökosystems eine größere Herausforderung als bei der traditionellen x86-PC-Welt. Das liege unter anderem daran, dass sie weniger standardisiert sei. So verwenden laut Canonical verschiedene Geräte unterschiedliche Stufen der Uefi-Firmwareunterstützung oder nutzen andere gerätespezifische Treiber und benutzerdefinierte Power-Management-Merkmale. Das Ubuntu-Entwicklerteam musste daher viel Arbeit investieren, um diese Probleme zu beheben und Lücken zu schließen.

In Zukunft will Canonical die ARM64-Versionen genauso unterstützen wie seine x86-Releases. Beide Versionen sollen dieselbe Software und dieselben Funktionen enthalten. Außerdem kündigte der Hersteller an, offizielle Updates und Security-Patches jeweils zur selben Zeit veröffentlichen zu wollen. Damit will sich das Unternehmen von Community-Images für die ARM64-Plattform und Ablegern anderer Distributionen abheben, die „Security-Patches möglicherweise nicht zeitig genug“ bereitstellen könnten.

Noch Arbeiten bei Tuxedo

Im Frühjahr ging es auch bei Tuxedo wieder weiter. Anfang März berichtete ein Entwickler auf der Linux-Kernel-Mailingliste LKML über den aktuellen Stand auf dem Modell Elite 14 Gen1. Einiges wie Touchpad, Tastatur, der Embedded Display Port, NVMe sowie der USB-Typ-C-Port funktionierten demnach mittlerweile. Bei der Grafikkarte, dem USB-Typ-A-Port, dem Energiesparmodus sowie Audio, Kamera und dem Fingerabdrucksensor war das jedoch noch nicht der Fall.

Anfang März berichtete Tuxedo auf der LKML wieder über den aktuellen Entwicklungsstand seiner Linux-on-ARM-Umsetzung.

Kurz darauf ergänzte das Unternehmen in einem Blogpost, dass die Entwicklung in den vergangenen Monaten „etwas zäh“ vonstatten gegangen sei. Einerseits brauchte man die Entwickler an anderer Stelle. Andererseits lag es aber auch daran, dass die Vorarbeiten, auf die man angewiesen ist, nicht recht vorangekommen sind. Tuxedo hat nun aber nach eigenen Angaben eine erste Version des Device-Trees für das Gerät fertig. Diese Baumstruktur wird auf ARM64-Architekturen vom Kernel benötigt, um die Hardware zu verwalten und darauf zuzugreifen. Darüber erfährt auch die CPU, welche Geräte an welchem Port hängen und wie sie anzusteuern sind.

Momentan geht es laut Tuxedo vor allem darum, weitere Hardwarekomponenten in den Device-Tree einzubinden. Außerdem steht noch das Testen von Treibern auf dem Programm. Erschwerend ist nach Angaben des Anbieters hinzugekommen, dass die angestrebte Zusammenarbeit mit Qualcomm, dem Hersteller der Snapdragon-X-Elite-Prozessoren, nicht zustande gekommen ist. Stattdessen arbeitet man nun mit Linaro zusammen, einem Spezialisten für Linux-on-Arm. Wann die Marktreife für das erste Snapdragon-X-Elite-Notebook mit Tuxedo-OS an Bord erreicht ist, kann man derzeit aber noch nicht sagen.

Auf Rückfrage teilte Tuxedo zudem mit, dass man den größten Vorteil der Snapdragon-X-Elite-Notebooks in den „längeren Laufzeiten bei gleichzeitig hoher Leistung und sehr geringer Geräuschentwicklung“ sieht. Erste Benchmarks für Performance und Laufzeit hätten erfolgversprechend ausgesehen. Konkrete Zahlen will man derzeit aber noch keine veröffentlichen. Angesprochen auf die integrierte NPU teilte das Unternehmen mit, dass man derzeit dafür noch keine Pläne hat. „Dafür fehlt im Moment noch zu viel“, so Tuxedo. 

Grundsätzlich sieht man bei dem Unternehmen aber „ein großes Potenzial“ in den ARM-basierten Linux-Laptops, „sonst hätten wir nicht die Arbeiten daran aufgenommen“. Derzeit ließe sich aber noch nicht sagen, wie sich die Thematik letztendlich entwickeln werde. Wenn es nach Tuxedo geht, dann könnte man sich hier aber durchaus den künftigen Standard vorstellen. Letztendlich werde aber nur „die Zeit zeigen, was sich ergibt“.