Aktive Ecken neben wichtigen Klickzielen wie dem Hauptmenü oder Fenstertitelleisten sind kontraproduktiv. Da Titelleisten standardmäßig oben sind, die Systemleisten meistens unten, gibt es eigentlich keinen störungsfreien Platz für aktive Ecken. Wer die Funktion nutzen will, sollte die Systemleiste nach oben oder an die Seite verlegen: So werden unten zwei Positionen frei – oder bei vertikaler Leiste zumindest eine (gegenüber unten). Angesichts dieser Situation verzichten einige Linux-Desktops auf solche Mausaktionen komplett oder bieten sie mittlerweile deutlich reduziert.
Gnome hat nur die eine „Funktionale Ecke“ links oben, und diese kann nur und ausschließlich die Aktivitätenübersicht starten. Diese Standard-Mausaktion kann man unter „Einstellungen –› Multitasking“ auf Wunsch abschalten, aber weitere Optionen gibt es nicht.
Cinnamon: Der Mint-Desktop hat sein Angebot unter „Systemeinstellungen –› Aktive Ecken“ auf die vier Ecken reduziert (früher acht Ziele). Das Angebot der möglichen Aktionen ist eingeschränkt, aber sinnvoll: Neben dem benutzerdefinierten Start eines beliebigen Programms gibt es die typischen Fensteraktionen wie „Alle Fenster anzeigen“ oder „Alle Arbeitsflächen anzeigen“. Letzteres ist die beste Wahl für Anwender, die virtuelle Arbeitsflächen nutzen, „Alle Fenster anzeigen“ die beste Multitasking-Aktion für Anwender, die meistens ohne virtuelle Desktops arbeiten.
Budgie: Der Gnome-basierte Budgie-Desktop bietet für „Hotcorners“ (aktive Ecken) ein separates Tool im Hauptmenü und dort theoretisch acht Positionen, um Mausaktionen festzulegen. Anders als bei anderen Desktops handelt es sich hier hauptsächlich um Fensteraktionen, etwa um das aktive Fenster in ein bestimmtes Areal zu positionieren oder alle aktiven Fenster sichtbar zu arrangieren.
KDE Plasma nennt die Funktion unter „Systemeinstellungen –› Verhalten des Arbeitsbereichs“ ungewöhnlich, nämlich „Bildschirmränder“. Genau wie Budgie übergibt KDE mit acht Zielen dem Nutzer die volle Verantwortung, diese Funktion sinnvoll zu definieren. Beim Klick auf eines der acht Ziele erscheint eine opulente Auswahl typischer Multitasking-Funktionen – besonders zu empfehlen „Fenster zeigen – Alle Arbeitsflächen“ und „Übersicht“. Abgesehen davon, dass KDE für diese Aktionen keine benutzerdefinierten Programme vorsieht, sind die „Bildschirmränder“ in KDE die eindeutig elaborierteste Realisierung von „aktiven Ecken“.

