Handlich, leistungsstark, lange Laufzeit: Notebooks sind für viele Anwender attraktiver als Desktop-PCs. Das Augsburger Systemhaus Tuxedo Computers hat eines seiner Businessnotebooks neu aufgelegt und zum Test bereitgestellt.
Es sind nicht mehr nur unerschrockene Bastler und ausdauernde Linux-Aficionados, die Linux auf dem Notebook wollen. Für Softwareentwickler und Admins ist das freie Betriebssystem heute die erste Wahl. Notebooks, die mit einer vorinstalliertem Linux-Distribution ausgeliefert werden, sind kein Nischenmarkt mehr. Dell und System 76 liefern für den US-Markt schon länger Geräte mit vorinstalliertem Linux aus. In Deutschland hat sich Tuxedo Computers seit 2006 als Ausrüster zunächst mit Linux-PCs und dann mit Linux-Notebooks einen Namen gemacht. Die Fertigung der Grundsysteme erfolgt von Herstellern wie Clevo in Taiwan, während die Endmontage der weiteren Linux-kompatiblen Komponenten Tuxedo in Augsburg erledigt. Der Problematik, dass der Linux-Kernel nicht immer die optimalen Treiber für die gesamte Hardware bietet, begegnet Tuxedo durch eigene Kernel-Module, die im vorinstallierten Linux-System Tuxedo-OS, einer Abwandlung Kubuntus, schon enthalten sind.
Tuxedo Infinity Book Pro 14 Gen9
| Name | Beschreibung |
|---|---|
| Grösse | 14 Zoll (37,36 cm) |
| Gewicht: | 1,5 kg |
| CPU | Intel Core Ultra 7 155H (4,80 GHz) |
| RAM | 16 GB |
| Laufwerk | Samsung SSD 990 PRO 2TB |
| Bildschirm | 120 Hz, 400 cd/m2 Helligkeit |
| Auflösung | 2880 × 1800 (3K) |
| Akku | 80 Wh |
| Akkulaufzeiten | 8:00 h (Herstellerangabe, ohne Last) |
| Ethernet | ausklappbarer Port, Rückseite |
| WLAN | Intel Wifi 6E AX211 (802.11ax) |
| Ports | 3× USB 3.0, 2× USB-C (Thunderbolt 4) |
| HDMI-Port | HDMI 2.0b |
| Preis* | 1444 € (inkl. MwSt.) |
| Produkseite | www.tuxedocomputers.com/de |
Flache Sache in neunter Auflage
Für einen Langzeittest hat uns Tuxedo das aktuelle Infinity Book Pro 14 der neunten Generation zur Verfügung gestellt, in typischer Ausstattung für Businessnotebooks mit leistungsstarker Intel-CPU (Intel Core Ultra 7), 16 GB RAM und NVME von Samsung mit 2 TB. Das Modell ist in einer anderen, um 90 Euro günstigeren Konfiguration auch mit AMD Ryzen 7 8845HS erhältlich – ein Prozessor mit ähnlicher Leistungsaufnahme wie das Intel-Pendant, aber mit weniger Kernen und Threads und damit etwas geringerer Rechenleistung. Gegenüber dem Vorgängermodell, dem Gen8, fällt ein komplett anderes Chassis auf, das nun in einer etwas schwereren Aluminiumausführung vorliegt.

Das Gehäuse ist solide und verwindungssteif, macht durch das höhere Gewicht einen wertigen Eindruck im Stil eines Dell XPS. Die Fertigungsweise und Positionierung der internen Antenne hat Auswirkung auf die WLAN-Leistung und Bluetooth-Reichweite, die nicht das Optimum des verwendeten Chipsatzes erreichen. Ein Blick auf den Akku zeigt zudem gegenüber dem des Vorgängers eine reduzierte Kapazität von 80 Wh statt 99 Wh, wobei Tuxedo Computers im sehr sparsamen Betrieb eine maximale Laufzeit von acht Stunden angibt. Im Test konnten wir diese Zeit nicht erreichen, wohl aber sechs Stunden bei normalen Büroarbeiten und gedimmter Bildschirmhelligkeit. Ein Blick auf den Hersteller des Chassis des Testgeräts mittels „sudo dmidecode“ zeigt zwar durchgehend Tuxedo an, unter „Serial Number“ aber auch die interne Produktnummer GX4MRXL2242700411. Diese verweist nicht mehr auf den taiwanesischen Ausrüster Clevo, sondern auf den chinesischen Hersteller Tong Fang, der das Chassis des Infinity Book Pro 14 im Auftrag Tuxedos herstellt. Die Produktstrategie Tuxedos ist offenbar, Inflation und steigenden Preisen für Lieferungen mit einer kleinen Anpassung der Spezifikationen und des Herstellers entgegenzuwirken, um den Preis für ein hochwertiges Businessnotebook in einem attraktiven Rahmen zu halten.
Mit Intels Core Ultra 7 unterwegs
Die Intel-Ausführung des Infinity Book Pro 14 ist mit einer CPU der Mikroarchitectur Meteorlake-P ausgestattet. Genauer mit dem Intel Core Ultra 7 155H, der im zweiten Quartal 2024 auf den Markt kam. Der Prozessor liefert 16 physische Cores mit insgesamt 22 Threads. Es bedient bei dieser Prozessorfamilie also nicht mehr jeder Kern per Hyperthreading zwei Threads. Stattdessen sind diese Prozessoren modular aufgebaut und aus unterschiedlichen Chips zusammengesetzt, den sogenannten „Tiles“ (Kacheln). Diese bieten sowohl leistungsfähige als auch sparsamen Kerne, die abhängig von der benötigten Rechenkraft zum Einsatz kommen. Die hier verfügbaren 16 Kerne setzen sich aus sechs Performance-Cores mit Hyperthreading mit maximal 4,8 GHz Taktfrequenz und aus zehn sparsamen Kernen zusammen. Dazu gesellen sich noch besonders energiesparende Low-Power-Kerne, die nur bis maximal 3,8 GHz takten und den Akku bei niedriger Systemlast schonen. Die integrierte Grafikeinheit basiert auf Intel Xe-Architektur mit acht GPU-Kernen, was für viele Spiele im 1080p-Modus ausreicht.
Aufgrund der Fertigung im 7-Nanometer-Verfahren kann der Chip mit einem Thermal Design Power (TDP) zwischen 28 Watt (Mittelwert) und kurzzeitigen 118 Watt sehr heiß werden: Intel gibt die maximal noch sichere Betriebstemperatur mit 110 Grad Celsius an. Die hohen Temperaturen zeigen sich schnell bei der Arbeit mit dem Infinity Book Pro 14 Gen9. Das Aluminiumgehäuse dient auch zur Wärmeemission und heizt sich auch bei geringer Systemauslastung spürbar auf.
Neues in Tuxedo-OS 4
Einer der Vorzüge der Tuxedo-Notebooks ist das vorinstallierte Tuxedo-OS, ein Linux-System mit Optimierungen für die jeweilige Hardware. Es handelt sich um ein modifiziertes Ubuntu LTS (24.04.1), das Kernel-Module und Treiber für den verwenden Chipsatz bereits mitliefert. Tuxedo entwickelte die eigene Ubuntu-Variante ursprünglich auf der Basis Xubuntus, ist aber Ende 2023 bei KDE Plasma 6 angekommen. Dieser Desktop eignet sich nach Ansicht Tuxedos für Poweruser durch seine Konfigurierbarkeit für die Zielgruppe am besten. Sicherlich ist das auch eine Frage des Geschmacks – doch hat KDE gerade in Deutschland viele Linux-Fans.

Mit dem jetzt ausgelieferten Tuxedo-OS 4 gibt es einige Änderungen im Distributionsmodell und in Zukunft wird Tuxedo auf eine feste Versionierung verzichten. Tuxedo-OS ist nahezu ein „Rolling Release“, das Aktualisierungen von Kernkomponenten mit großen Versionssprüngen über den Paketmanager liefert. Tuxedo unterhält dafür eigene Repositorys, um neuere Kernel, Kernel-Module (Treiber), aber auch frische Versionen von KDE Plasma 6.x mit Wayland- und Hi-DPI-Unterstützung liefern zu können. Doch auch im aktuellen KDE Plasma zeigt sich, das selbst damit die hohe 3K-Auflösung des Tuxedo-Notebooks eine Herausforderung bleibt. Zwar skaliert KDE seine Elemente sauber und glasklar auf das gewünschte Format, doch andere Toolkits neben Qt und GTK machen weiterhin Probleme und ziehen nicht mit. Das betrifft auch Java-Programme, Wine oder den Desktop virtueller Maschinen. Hier muss man sich auf Nacharbeiten einstellen oder zur Bildschirmlupe greifen.
Unter den selbst entwickelten Programmen ist das Tuxedo Control Center ein wichtiger Begleiter für Tuxedo-Anwender, besonders bei der Arbeit unterwegs: Über eine grafische Oberfläche und ein Symbol im Panel ist ein gewünschtes Leistungsprofil vom Performance-Standard bis zu „Powersave extreme“ wählbar, um mehr Laufzeit aus einer Akkuladung herauszuholen. Auch kann das Control Center über selbst erstellte Profile weitere CPU-Cores abschalten und die maximale Taktfrequenz weiter limitieren, wenn gewünscht. Die Leistungsaufnahme des Intel Core Ultra 7 155H ließ sich so auf rund 11,5 Watt drücken.

Fazit: Gereiftes Linux-Notebook
Dem Infinity Book Pro 14 ist anzumerken, dass sich Tuxedo nicht erst seit gestern mit Linux-Notebooks beschäftigt und in Taiwan (beziehungsweise beim vorliegenden Modell in China) seine ODMs mit Bedacht und Erfahrung wählt. So war das Touchpad in früheren Generationen zu empfindlich und ließ beim flotten Tippen auf der Tastatur den Mauscursor zu leicht springen. Hier war stets längeres Feintuning über die Desktopeinstellungen gefragt. Dieses Problem hat Tuxedo nun im Griff, obwohl das Touchpad ungewöhnlich viel Platz unterhalb der Tastatur einnimmt. Die Tastatur ist beleuchtet, was sich im Test erst später zeigte, da KDE Plasma 6.x im Symbol der Energieverwaltung kein Symbol anzeigt. Die Beleuchtung in drei Helligkeitsstufen schaltet die Kombination von FN- und Leertaste ein. Statt der Windows-Taste gibt es als Markenzeichen Tuxedos eine Taste mit Pinguin-Logo. Die einzelnen Tasten sind normal groß und der Abstand nicht zu kein gewählt. Dennoch ist das Schreibgefühl bei langen, intensiven Arbeitsstunden nicht optimal. Denn die kurz gefederten Druckschalter liefern nur ein minimales haptisches Feedback. Einzelne Tasten haben gefühlt etwas zu viel Spiel, was bei Notebook-Chassis des Herstellers Tong Fang typisch ist. Wer eine solide, schwere Tastatur bevorzugt, sollte bei der stationären Arbeit eine Bluetooth- oder USB-Tastatur anschließen.

Das Infinity Book Pro 14 Gen9 ist eine empfehlenswerte Alternative zu den deutlich teureren Ultrabooks von Dell mit Linux, wie dem Dell XPS von 2024. Denn mit der Basisausstattung ist das Notebook ab 1299 Euro im Onlineshop Tuxedos zu haben, mit AMD-CPU ab 1209 Euro. Schon die Standardausstattung überzeugt mit Details wie einem echten Ethernet-Port und Thunderbolt 4. Der Konfigurator im Onlineshop erlaubt einige Anpassungen der Ausstattung zu RAM, Laufwerken, Tastaturbelegung und zum gewünschten Supportzeitraum mit Garantie. Das Testgerät kam in der uns vorliegenden Ausstattung auf 1444 Euro. Tuxedo Computers gibt an, dass die Lieferung mit Anpassungen derzeit etwa drei Wochen ab Bestellung dauern kann.

Tuxedo-OS oder andere Distribution?
Tuxedo-OS erinnert in seinem Aufbau mit Ubuntu-Basis und frischen Paketen für KDE-Plasma an KDE Neon. Wem das nicht behagt, kann auf dem Infinity Book Pro 14 Gen9 auch andere Linux-Distributionen mit wenig Aufwand und Nacharbeiten installieren. Die Unterstützung seitens aktueller Distributionen wie Ubuntu und Arch Linux für die gebotene Hardware sind gut. Zum Test haben wir statt Tuxedo-OS ein Ubuntu 24.04.1 LTS mit Gnome-Desktop und Kernel 6.8, ferner ein Arch Linux mit KDE Plasma 6.2 und Kernel 6.12 installiert. In keinem System gab es Ausfälle bei der verbauten Hardware wegen fehlender Treiber oder Inkompatibilitäten. Deutlich wurde aber, dass Arch Linux mit neuestem Kernel die Grafikeinheit des Intel Core Ultra 7 am besten unterstützt, was sich beim Anschluss externer Bildschirme über HDMI oder USB-C zeigt. Während die Distributionen mit älterem Linux-Kernel und auch Tuxedo-OS hier immer wieder eine hängende Oberfläche auf dem weiteren Monitor präsentierten, klappte das mit Kernel 6.12 weitgehend problemlos: ein Zeichen dafür, dass einige Distributionen immer noch aufholen müssen, obwohl die Hardware von 2024 stammt.
Bei Leistungstests über die bewährte Phoronix Test Suite (www.phoronix-test-suite.com) traten die drei getesteten Linux-Distributionen auf dem gleichen Gerät in einem Grafik-Benchmark mit Unigine Heaven 4.0 gegeneinander an sowie in einem CPU-Leistungstest, für den es Ffmpeg zu kompilieren galt. Die Ergebnisse überraschen, denn trotz des eigenen Kernels in Tuxedo-OS liefert dieser in der Version 6.10 zumindest noch keine bessere Leistung als der Standard-Kernel 6.8 Ubuntus. Der Einbruch bei Arch Linux mit Kernel 6.12 dürfte auf Regressionen in dieser Version in Kombination mit dem Intel Core Ultra 7 zurückzuführen sein, die in den nachfolgenden Kernel-Versionen auf ihre Behebung warten. Eine attraktive Alternative ist Arch Linux auf dem Gerät dennoch, denn diese Distribution hat die Grafikeinheit Intel Arc besser im Griff. Zudem sind die speziellen Kernel-Module und Control Center Tuxedos in Arch und Co. über ein AUR (externes Repository) über die Pakete „tuxedo-control-center-bin“ sowie „tuxedo-drivers-dkms“ einfach nachrüstbar. Für andere Distributionen wie Debian/Ubuntu liefert Tuxedo auf https://m6u.de/tuxedodrv den Quellcode und eine Anleitung zum manuellen Kompilieren der Treiber.

Zusätzliche Info:
Prozessor: AMD oder Intel?
Tuxedo liefert das Infinity Book Pro 14 Gen9 wahlweise mit Intel Core Ultra 7 155H oder mit dem rund 90 Euro günstigeren AMD Ryzen 7 8845HS aus.
Leistung ist aber nicht der einzige Unterschied, denn auch die Unterstützung durch den Linux-Kerne für die Fähigkeiten von CPU/GPU sowie für die Stromsparmodi (P-States) muss in Betracht gezogen werden. Generell sind die tonangebenden Chiphersteller stets darauf bedacht, möglichst früh Unterstützung für CPU-Modelle in die Kernel-Entwicklung einzubringen. Probleme gibt es dann, wenn die neueste Chipgeneration zum Einsatz kommt, und diese zeigen sich dann im Powermanagement und bei den eingebetteten Grafikeinheiten und KI-Coprozessoren. Intel ist bei seiner Linux-Unterstützung immer einen Schritt weiter gewesen als AMD: Während Intels Meteorlake-P ab dem Linux-Kernel 6.8 stabil läuft, zieht AMD erst jetzt mit dem Kernel 6.13 gleichauf, nachdem die Kernel-Entwickler recht spät die Optimierungen AMDs aufgenommen haben. Dies liegt an der Arbeitsweise AMDs, die zur CPU- und GPU-Unterstützung immer sehr umfangreiche Patches liefert, deren Durchsicht und Test entsprechend länger dauert. Anwender von CPUs der Generation Zen 4/5 berichten in Bugtrackern von Stabilitätsproblemen, die erst jetzt gelöst sind. Wer sich für die AMD-Variante des Tuxedo-Notebooks entscheidet, sollte also immer einen möglichst aktuellen Kernel einsetzen, wie ihn Tuxedo-OS in den nächsten Updates liefern wird. Weder bei Intel noch bei AMD sind die KI-Fähigkeiten der NPU (Neural Processing Unit) als Beschleuniger von KI-Aufgaben unter Linux einfach nutzbar – hier fehlen schlicht noch die Schnittstellen im Kernel und die Unterstützung von KI-Programmen.

