Hardware | Thorsten Eggeling | 2/2025 | 31. Januar 2025

Hardwareinfos und Checks

Linux-Systeme erkennen Hardware in der Regel automatisch. Sollte ein Gerät nicht funktionieren, helfen Tools bei der Identifizierung einer Komponente. Danach sucht man gezielt nach einer Lösung des Problems.

Die Linux-Installation bereitet auf den meisten PCs und Notebooks kaum Probleme. Zusätzliche Treiber sind oft nicht erforderlich, weil alles Nötige bei Linux bereits dabei ist. Peripheriegeräte, zumindest von bekannten Herstellern, werden von Linux ebenfalls gut unterstützt. Es gibt jedoch keine Garantie dafür, dass ein bestimmtes Gerät von einem Linux-System erkannt und auch optimal eingebunden wird. Gegenwärtige und zukünftige Linux-Nutzer sollten daher vor dem Kauf neuer Hardware genau hinsehen und detaillierte Informationen einholen. Wenn Hardware nicht standardmäßig unterstützt wird, gibt es aber auch dafür Lösungen. In der Rubrik „Hardware-Infos und Checks“ der LinuxWelt-Toolbox lesen Sie, wie Sie Informationen zur Hardware finden und welche Distributionen neue oder besonders alte Geräte besser unterstützen. Beachten Sie in diesem Kontext auch das Heft-Special ab Seite 42.

Hardware für Linux

Ein Computer besteht aus zahlreichen Hardwarekomponenten und für alle ist ein eigener Treiber erforderlich. Unter Linux sind Treiber (hier als Kernel-Module bezeichnet) im Betriebssystemkern (Kernel) enthalten oder werden von diesem bei Bedarf geladen. Neue Kernel erscheinen alle zwei bis drei Monate und enthalten neben Fehlerkorrekturen und Verbesserungen auch neue Module für aktuelle Hardware.

LTS-Distributionen (Long Term Support) wie Ubuntu 22.04/24.04 oder Linux Mint 21/22 sind auf lange Laufzeiten von fünf Jahren ausgelegt. Um die Stabilität des Systems sicherzustellen, beseitigen Updates nur Fehler und Sicherheitslücken. Die Hauptversionsnummer des Kernels bleibt über einen längeren Zeitraum gleich. Das hat zur Folge, dass Hardware nicht unterstützt wird, die nach Erscheinen des Kernels auf den Markt kam oder für die zu diesem Zeitpunkt noch kein Linux-Treiber verfügbar war.

Im ungünstigsten Fall ist eine LTS-Version bei der Neuinstallation knapp zwei Jahre alt, der Kernel sogar noch etwas älter. Damit das auf neuer Hardware nicht zu Problemen führt, erscheint etwa alle sechs Monate ein Point Release von Ubuntu (24.04.1, 22.04.2 und so weiter). Die Version enthält alle bisherigen Updates und meist auch einen neueren Kernel. Das letzte Point Release einer Version wird mit dem Kernel des Nachfolgers ausgeliefert. Für Linux Mint, das auf Ubuntu basiert, gibt es ebenfalls Point Releases, wenn auch mit zeitlicher Verzögerung.

Wer nicht so lange warten will, bis der Kernel der Distribution die neue Hardware unterstützt, hat zwei Möglichkeiten. Sie können manuell einen neueren Kernel einrichten, als die Distribution anbietet. Oder Sie steigen auf eine Distribution mit kürzeren Updatezyklen um. Der Beitrag „1. Hardware für Linux“ zeigt, welche Distributionen geeignet sind und wie Sie unter Ubuntu oder Linux Mint einen neueren Kernel einrichten.

System- und Hardwareinfos ermitteln

Linux-Distributionen bieten Werkzeuge, um das System zu untersuchen und zu überwachen. Über Informationen zur CPU- oder Speicherauslastung lässt sich beispielsweise die Ursache herausfinden, warum ein System nicht flüssig läuft. Infos zur Hardware sind bei Ubuntu und Linux Mint rar (siehe „Einstellungen –› System –› Info“ oder Linux Mint „Einstellungen –› Systeminformationen“). Mehr als die Typenbezeichnungen von Prozessor und Grafikchip, verfügbarer Arbeitsspeicher und die Kapazität der Festplatte sind hier nicht zu ermitteln. Deutlich mehr Daten liefert das Tool Hardinfo („System Profiler und Benchmark“), das sich mit

sudo apt install hardinfo

installieren lässt. Hardinfo ist übersichtlich, klickfreundlich und zeigt wesentliche Infos zu Prozessor, Hauptspeicher und USB-Geräten. Unter „Sensoren“ wird die CPU-Temperatur angezeigt, sofern die Hauptplatine die Daten dafür liefert. Der Toolbox-Punkt „2. Hardwareinfos“ stellt weitere Tools zur Analyse der Hardware im PC vor, außerdem finden Sie hier Tools und Tipps zur Untersuchung von Laufwerken und Grafikchips.

Welche Hardware steckt im PC? Das Tool „System Profiler und Benchmark“ (Hardinfo) zeigt alle wichtigen Daten rund um CPU, Mainboard, RAM und Grafikchip an.

Grafikkarten und Monitore optimal nutzen

Die Anzahl der Anbieter von Grafikchips ist überschaubar. Die Basisausstattung steckt meist bereits im Hauptprozessor, der von Intel oder AMD stammt. Die Leistung genügt für Desktopanwendungen, Videowiedergabe in HD-Qualität und einfache Spiele. Wer mehr benötigt, greift zu Geräten mit einem zusätzlichen Grafikchip von Nvidia oder AMD. Der sitzt bei Notebooks auf der Hauptplatine, PCs lassen sich mit einer separaten Grafikkarte ausstatten.

Aktuelle Linux-Systeme unterstützen alle genannten Grafikchips. Lediglich bei sehr neuen Modellen kann es zu Problemen bei der Linux-Installation kommen, was sich aber meist beheben lässt. Die standardmäßig installierten Open-Source-Grafiktreiber reichen für die meisten Anwender aus. Für optimale Leistung empfiehlt sich die Installation eines Herstellertreibers, den Ubuntu und Linux Mint anbieten. Der Weg führt unter Ubuntu über „Aktivitäten“, die Suche nach „Treiber“ und Klick auf „Zusätzliche Treiber“, bei Linux Mint über „Systemverwaltung –› Treiberverwaltung“. Das funktioniert allerdings nur, wenn nicht schon das Livesystem beim Wechsel in den Grafikmodus einen schwarzen Bildschirm zeigt. In diesem Fall kann man bei der Installation den sicheren Grafikmodus aktivieren oder an den Kernel spezielle Optionen übergeben. Was dabei zu beachten ist, lesen Sie im Toolbox-Beitrag „3. Grafikkarte/Monitor“.

Hardwaresensoren im Blick

Die Temperaturen der PC-Komponenten sollte man nicht nur an heißen Sommertagen im Blick behalten. Ab 85 bis 95 Grad Celsius setzt jeweils bei CPU, GPU und auch bei NVME-Laufwerken ein Selbstschutz ein: Die Taktfrequenz der heiß gelaufenen Komponente wird durch die Firmware herunterreguliert. Das betrifft auch Raspberry-Pi-Platinen ab Modell 4 bei unzureichender Kühlung und hoher Systemlast. Um ausreichend frischen Wind anzumahnen, geben Hardwaresensoren Auskunft über die Temperaturen. Für Linux gibt es in der Kommandozeile und für den Desktop eine Reihe Tools, unerwünschte Hitzewallungen zu erkennen. Wie diese sich installieren und nutzen lassen, erfahren Sie im Beitrag „7. Sensoren“.

Temperatur messen: Psensor zeichnet einen grafischen Verlauf der Temperaturdaten erkannter Sensoren von CPU, GPU, Chipsatz, Festplatten und Hauptplatine.

Linux für ältere Hardware

Alte Hardware kann oft weitergenutzt werden, wenn man anspruchslosere Rollen festlegt und/oder Systemleichtgewichte installiert. Mit diesem kreativen Akt retten Sie alte Hardware in ein neues Leben und beheben eventuelle Defizite im Homeoffice. Linux leistet dabei den entscheidenden Beitrag, weil es praktisch für jede Hardware und für jede Spezialrolle Systeme und Serverkomponenten bereitstellt.

Eine Desktopnutzung bedeutet immer deutlich höhere Ansprüche an CPU, RAM und Grafik als ein Servereinsatz. Nicht allzu betagte Rechner können aber die Desktoprolle übernehmen, wenn Sie eine geeignete Linux-Distribution verwenden. Oft handelt es sich um Rechner, die zwar kein Windows oder Ubuntu Gnome mehr stemmen, aber mit einem schlanken Öko-Linux mühelos klarkommen. Bis zu 15 Jahre alte Geräte mit 64-Bit-CPU lassen sich oft problemlos mit Linux betreiben. Ist der Rechner nur mit einer 32-Bit-CPU ausgestattet, ist die Auswahl bei den Distributionen inzwischen gering. Aber auch für diese Nische gibt es noch Angebote. Was beim Hardware-Recycling zu beachten ist, erfahren Sie im Beitrag „8. Linux für Altgeräte“.