Hardwaretipps | David Wolski | 2/2019 | 6. September 2024

Gelöschte Dateien: Rettung vom Image

Aus dem Laufwerk eine Imagedatei machen: Programme wie Photorec sollten Sie besser auf einer Kopie des Dateisystems nutzen, die Sie mit dd anfertigen.

Es kommt in den besten Pinguin-Familien vor: Durch eine Nachlässigkeit oder ein Missverständnis putzt eine Löschaktion wichtige Dateien vom Datenträger. Nun ist zügiges, aber bedachtes Handeln gefragt, um den Verlust mit dem Programm Photorec rückgängig zu machen. Bei SSDs ist eine zusätzliche Sicherheitsvorkehrung Pflicht.

Photorec sucht den freien Platz eines Datenträgers nach Dateien anhand bekannter Datenstrukturen ab und arbeitet damit sehr zuverlässig, auch wenn Dateinamen und Endungen verloren gehen.

Falls es sich bei dem Datenträger um eine SSD, USB-Stick oder Speicherkarte handelt, sollte man nicht mit dem Laufwerk direkt arbeiten. Es könnte sonst passieren, dass der Nand-Controller die freien Speicherbereiche unwiederbringlich löscht oder bei einer Aufräumaktion (Trim) mit anderen Daten überschreibt. Sicherer ist es, mit einem Abbild des Laufwerks zu arbeiten.

1. Das Laufwerk, welches die gelöschten Dateien beherbergt, darf zum Auslesen nicht mehr eingehängt sein. Angenommen, es handelt sich um das Laufwerk „/dev/sdb“, so hängt der Befehl „umount“ alle Partitionen mittels

sudo /dev/sdb?

zuverlässig aus.
Die tatsächliche Laufwerkskennung zeigt die Ausgabe des Kommandos lsblk im Terminal an.

2. Falls es sich bei dem betroffenen Laufwerk um die Systempartition handelt, so kann man diese nicht einfach im Lesen-Modus neu einhängen. Stattdessen ist der Start eines geeigneten Livesystems nötig, beispielsweise der LinuxWelt-Rettungs-DVD 6.2.3 (auf Heft-DVD).

3. Zum Anlegen des Abbilds dient das bekannte Tool dd in der Kommandozeile, das den Inhalt einer Partition im Rohformat in eine Datei schreibt. Dazu muss das Ziellaufwerk, das diese Datei in der Größe der gesamten Partition aufnehmen soll, genügend Platz bieten. Der Befehl

sudo dd if=/dev/sdb1 of=sdb1.img status=progress

speichert die Partition „/dev/sdb1“ im aktuellen Verzeichnis in die „Datei sdb1.img“. Weil es sich dabei meist um Datenmengen von einigen GB handelt, ist die hier angeforderte Fortschrittsanzeige sehr hilfreich.

4. Die ausgelesene Datei übergibt man nun dem Programm Photorec zur Analyse: Ist es noch nicht installiert, so bietet es jede Linux-Distribution im Paket „Testdisk“, das beispielsweise in Debian und Ubuntu mit

sudo apt-get install testdisk

zu installieren ist.

In der LinuxWelt-Rettungs-DVD 6.2.3 ist es auch enthalten. Photorec akzeptiert Dateien einfach über die Eingabe

sudo photorec sdb1.img

und arbeitet damit, als wäre es ein physikalisches Laufwerk. Eine genauere Anleitung zu Photorec finden Sie unter www.pcwelt.de/1912252.

Datenrettung: Photorec kann anhand von bekannten Datenstrukturen gelöschte Dateien restaurieren und arbeitet auch mit Datenträgerimages.