Desktoptipps | David Wolski | 1/2025 | 29. November 2024

Fehlersuche: Grafische Oberfläche streikt

Der Wechsel zu Wayland und neue Treiberversionen bringen auf einigen Linux-PCs auch wieder ein Phänomen zurück, das an frühere Zeiten erinnert, als grafische Oberflächen als Luxus galten. Die Anmeldung am Desktop scheitert oder will sich schon gleich gar nicht zeigen – der Bildschirm bleibt schwarz.
Aktuell liegen Probleme dieser Art meist an unpassenden Treibern oder an Schwierigkeiten, die diese mit Wayland haben. Statt Rätselraten ist eine systematische Suche in Fehlermeldungen und Logdateien gefragt. Hier bleiben die virtuellen Konsolen, die hinter der grafische Anmeldung verfügbar sind, ein wichtiger Anker.

1. Tastenkombinationen wie Strg-Alt-F2, Strg-Alt-F3 oder Strg-Alt-F6 wechseln auf eine virtuelle Konsole. Die Verfügbarkeit virtueller TTYs unterscheidet sich bei Linux-Distributionen inzwischen. So ist etwa das frühere Strg-Alt-F1 heute oft für die grafische Oberfläche zuständig. Bleiben Sie bei Strg-Alt-F3 – das funktioniert immer.

2. In der Konsole gilt es, die grafische Anmeldung über den Displaymanager temporär abzuschalten und dann neu zu starten. Dieser Schritt erfolgt heute aber über die „Targets“ von Systemd. Das Kommando

sudo systemctl set-default multi-user.target

legt die Mehrbenutzerumgebung mit Anmeldung im Textmodus als Standard fest und

sudo reboot

startet das Linux-System danach neu.

3. Im Textmodus angekommen geht es dann an die Anmeldung mit dem gewohnten Log-in, um dann mit dem Befehl

startx

die voreinstellte Desktopoberfläche über Xorg/X11 testweise mit sichtbaren Fehlerhinweisen zu starten. Im Falle von Gnome mit Wayland dient zum Start der Oberfläche

dbus-run-session gnome-shell --display-server wayland

und KDE Plasma verlangt dafür diesen längeren Befehl:

/usr/lib/plasma-dbus-run-session-if-needed /usr/bin/startplasma-wayland

Die Ausgaben in der Konsole beim Absturz der grafischen Oberfläche geben wichtige Hinweise zur Fehlerursache – meistens unpassende Treiber, die dann der Paketmanager in der Kommandozeile deinstallieren kann. Ein Protokoll der Meldungen findet sich nach dem manuellen Start von Xorg auch in der Logdatei „~/.local/share/xorg/Xorg.0.log“. Sind die Probleme mit der grafischen Oberfläche behoben, so schaltet abschließend das Kommando

sudo systemctl set-default graphical.target

die grafische Anmeldung wieder ein.