Desktoptipps | David Wolski | 3-2024 | 28. März 2024

Farben umkehren: Desktopinvertieren

Die dunklen Wintermonate sind vorbei und die Sonne scheint auf das Notebookdisplay. Die Arbeit unterwegs bei Sonnenlicht ist mit Notebooks nicht immer einfach, weil der Monitor wenig Kontrast und Helligkeit liefert.

Ein invertiertes Farbschema, also heller Text auf dunklem Hintergrund ist bei schwierigen Lichtbedingungen oft besser zu lesen. Ein komplettes Desktoptheme dafür zu finden, unter dem wirklich alle Anwendungen passabel aussehen, scheint aber vergebens. Mal sieht Libre Office nicht mehr gut in dunklen Gewändern aus, mal tanzen Qt-Anwendungen in Gnome aus der Reihe, mal GTK-Programme in KDE. Und Java-Programme sind nochmal eine eigene Spezies. Eine Invertierung der Desktopfarben bei Bedarf sorgt für eine bessere Lesbarkeit. Die Vorgehensweise ist je nach Desktopumgebung und Fensterprotokoll (Xorg oder Wayland) unterschiedlich.

KDE Plasma kann mit seinen Effekten die Farben einzelner Fenster oder des gesamten Desktops umkehren, ohne dazu das Farbschema ändern zu müssen. Dazu wartet zunächst der Effekt zur Invertierung darauf, eingeschaltet zu werden. Die passende Einstellung der Fensterverwaltung Kwin findet sich in den KDE-Systemeinstellungen unter „Fensterverwaltung –› Arbeitsflächen-Effekte“. Dort schaltet ein Klick auf die Checkbox neben „Invertieren“ diesen Effekt ein und erlaubt die Vergabe von eigenen Tastenkombinationen dafür. Der Standard-Hotkey zum Umkehren der Farben ist die Windows-Taste plus Strg-I. Das aktuelle Fenster lässt sich mittels Win-Umschalt-U umkehren. Ein erneuter Druck auf die Tasten stellt wieder auf die gewöhnlichen Farben zurück.

Gnome: Bei dieser Desktopumgebung mit Wayland gibt es bis Gnome 43 (also auch noch für Ubuntu 22.04 LTS) die Erweiterung https://extensions.gnome.org/extension/5829/true-color-invert/, welche die Farben des aktuellen Fensters per Tastenkombination invertiert. Dank einem Update der Snap-Runtime funktioniert die Installation von Erweiterungen selbst dann wieder in Ubuntu 22.04 über Firefox, wenn der Browser als Snap-Paket installiert ist.  Man muss in Ubuntu zuvor nur mit dem Befehl 

sudo apt install chrome-gnome-shell

eine Gnome-Bibliothek nachrüsten und dann in Firefox die Erweiterung https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/gnome-shell-integration installieren. Ebenfalls nützlich zur Verwaltung der Shell-Erweiterungen ist das Paket „gnome-shell-extension-prefs“. Nach der Einrichtung der Erweiterung kehrt die Tastenkombination Win-I das aktuelle Fenster um. Eine vergleichbare Erweiterung gibt es auch für Cinnamon (https://cinnamon-spices.linuxmint.com/extensions/view/78). 

Andere Desktops: Zur Kalibrierung der Farben auf Monitoren und Notebookbildschirmen, die von sich aus keine Möglichkeiten der Farbanpassung bieten, gibt es das Programm xcalib, das Anzeigeeinstellungen über Xorg setzt. Neben kleinen Anpassungen an Farbtemperatur, Helligkeit und Gammawerten gibt es auch die Funktion, alle Farben komplett zu invertieren. Das Tool xcalib liegt in allen verbreiteten Distributionen in den Standard-Paketquellen zur Installation bereit. In Debian und Ubuntu ist es mit

sudo apt install xcalib

schnell installiert. Zum Invertieren des Bildschirms ist nur ein Befehl nötig, der etwa einfach in den Ausführen-Dialog (Alt-F2) der Desktopumgebung eingetippt wird:

xcalib -a -i

Um die Farben wieder auf ihre normalen Werte zurückzusetzen, führt man den gleichen Befehl nochmals aus. Es empfiehlt sich, zum schnellen Umschalten für diesen Befehl eine eigene Tastenkombination unter der verwendeten Desktop­umgebung anzulegen. Die Einstellungen zu selbst definierten Kombis finden sich beispielsweise in Gnome unter „Einstellungen –› Tastatur –› Tastenkombinationen“.