Cachy-OS (https://cachyos.org) verspricht den Nutzern eine einfache Installation mit grafischem Setupprogramm sowie besonders hohe Geschwindigkeit. Im Kern verfolgt die Distribution den Ansatz, als Rolling Release einen wesentlichen Aktualitätsvorteil von Arch Linux zu nutzen, dabei aber Stolpersteine für Einsteiger zu vermeiden.
Vom Livesystem zur Installation
Wer die Projektseite von Cachy-OS besucht, wird im Downloadbereich überrascht. Denn neben einer Variante für den Desktopeinsatz gibt es auch eine „Handheld Edition“. Diese hat Gamer im Blick und bringt gleich Systemkomponenten für Spiele und Unterstützung für das Steam-Deck mit. Wie üblich wird die Distribution als Livesystem angeboten. Das ISO-Image kopieren Sie mit den üblichen Mitteln (etwa Etcher) auf einen USB-Stick, und schon kann es zum Ausprobieren gehen.
Ist der Systemstart erfolgt, meldet sich Cachy-OS mit einem KDE-Plasma-Desktop und einem Begrüßungsdialog. In der linken unteren Ecke stellen Sie die Sprache auf „deutsch“ um. Der Dialog bündelt Shortcuts zur Dokumentation und den Versionshinweisen. Im unteren Bereich lässt sich die Installation starten. Der bekannte Calamares-Assistent führt durch die einzelnen Schritte. Nachdem Sie sich für die Sprache, den Standort und die Tastenbelegung entschieden haben, geht es an die Partitionierung. Als Dateisystem bevorzugt Cachy-OS per Voreinstellung BTRFS. Sie können an dieser Stelle aber auch Ext4 wählen (oder XFS, F2FS, ZFS). In diesem Test sind wir von einer Installation über die gesamte Festplatte ausgegangen, haben also keine eigene Partition gewählt. Das ist auch die Voreinstellung.
In nächsten Schritt dürfen Sie einen Desktop aussuchen. Neben Plasma, was die Vorbelegung ist, stehen insgesamt 16 Varianten zur Auswahl – darunter Gnome, XFCE, LXDE und Mate. Um Neulinge bei dieser Entscheidung zu unterstützen, gibt es zu jedem Desktop in der Liste einen Screenshot, der die jeweilige Oberfläche in Aktion zeigt, sowie einen kurzen Erklärungstext. Haben Sie die Auswahl getroffen, gelangen Sie zur Auswahl der weiteren Softwarepakete. Basierend auf dem gewählten Desktop sind bereits einige Optionen angewählt. Absolute Einsteiger werden in diesem Bereich wohl keine weiteren Änderungen vornehmen. Fortgeschrittene haben aber hier die Gelegenheit, noch weitere Systemumgebungen auszuwählen.
Im Anschluss folgen noch die klassischen Schritte, einen Erstbenutzer mitsamt Passwortvergabe einzurichten und danach die Zusammenfassung aller getroffenen Entscheidungen zu bestätigen. Passt alles, beginnt die Installation. Der Einrichtungsassistent informiert über den Fortschritt und fordert am Ende dann zu einem Systemneustart auf.
Nach dem Neustart und der erfolgreichen Anmeldung am System begrüßt Sie Cachy-OS mit einer Einführung. Ich habe Cachy-OS auf zwei Systemen ausprobiert. Zum einen in einer virtuellen Maschine (Virtualbox) sowie auf einem zwei Jahre alten Notebook von Dell. Beide Installationen verliefen ohne Probleme. Die Hardware wurde zuverlässig erkannt und alle Funktionen standen zur Verfügung. In der Vergangenheit hatten in dieser Hinsicht wohl einige Cachy-Nutzer Pech, wie einige ältere Kommentare nahelegen.

Softwareauswahl und Paketmanager
Anfänger werden vermutlich zunächst überfordert sein, wenn es darum geht, weitere Software zu installieren. Insgesamt drei Systemprogramme scheinen die gleiche Aufgabe zu haben. Da ist zum einen das „CachyOS-Paket-Installationsprogramm“, das Zugriff auf die vom Entwicklerteam zusammengestellten Programme respektive Anpassungen umfasst. Zweitens gibt es das Softwarecenter, das der gewählte Desktop mitbringt. Und drittens ist da noch das grafische Frontend Octopi für die Arch-typische Pacman-Paketverwaltung.
Die Auswahl der Cachy-OS-Pakete, also aus den distributionseigenen Quellen, ist sehr reduziert, bietet aber die bekannten Klassiker. Ob Libre Office für Büroarbeiten, der VLC-Player als universelle Lösung für die Videowiedergabe oder auch Gimp und Inkscape im Bereich Grafik und Foto – diese Open-Source-Größen sind alle vertreten.
Über die anderen Softwareinstaller ist der Zugriff auf das Gesamtangebot der Arch-Pakete möglich. Die Installation aus diesem Pool ist einsteigerfreundlich gestaltet. Nach der Auswahl einer Anwendung wird direkt im Paketmanager über den Fortgang der Installation informiert und alle an die Nutzer gerichteten Anfragen erfolgen ebenfalls im Programmfenster. Wer sich scheut, ein Terminal zu nutzen oder noch keine Erfahrung mit Arch-Linux gesammelt hat, kann sich so schnell die Apps installieren, die für die tägliche Arbeit benötigt werden.
Für die Überwachung des Systems setzt Cachy-OS auf Btop++ und für das Default-Dateisystem ist mit dem BTRFS-Assistant ein Tool für Verwaltung und Wartungsarbeiten dabei. Etwas ungewöhnlich ist die Standardinstallation von Meld, da Softwareentwickler kaum die natürliche Zielgruppe von Cachy-OS sein dürften.
Besonderheiten und Tweaks
Es gibt eine Besonderheit, die nur Nutzern auffallen wird, die einen internen Domainnamen im Netzwerk aufrufen wollen. Cachy-OS wird nämlich mit voreingestellten DNS-Servern ausgeliefert (Cloudflare, Adguard, Google). Das lässt sich zwar auch ändern, aber nur mit einigem Aufwand. Als Webbrowser gibt es einen eigenen Firefox-Fork („Cachy Browser“), der besonders gehärtet sein soll und gleich den Werbeblocker „uBlock Origin“ integriert.
Zu den Besonderheiten von Cachy-OS gehört auch, dass der Willkommensbildschirm („CachyOS Hello“) einen Abschnitt „Apps/Tweak“ anbietet. Hier finden Sie einen Link zum Paketmanager und zum „Kernel Manager“, der einen schnellen Zugriff auf jüngere Kernel liefert. Im Abschnitt „Fixes“ sind Wartungsfunktionen versammelt. Hierunter fallen das Lösen einer Sperre der Paketdatenbank, die Aktualisierung des Systems oder auch die Änderung des DNS-Servers. Wer den DNS-Server seines Providers oder einen lokalen DNS verwenden will, findet im Wiki des Projekts eine Anleitung dazu.
Insgesamt hinterlässt Cachy-OS einen positiven Eindruck. Rein subjektiv arbeitet das System sehr zügig – gefühlt schneller als etwa Manjaro. Einen regulären Benchmark habe ich allerdings nicht durchgeführt. Einige Tests auf www.phoronix.com deuten aber ebenfalls in die Richtung, dass insbesondere Nutzer, die mit dem System auch spielen wollen, Cachy-OS eine Chance geben sollten.


