Linux Mint 22.3 Cinnamon
Nachdem die Vorgängerversion länger auf sich warten ließ, schickt das Mint-Entwicklerteam zum neuen Jahr Linux Mint 22.3 mit einem überarbeiteten Cinnamon-Desktop und neuen Systemtools hinterher.
Linux Mint 22.3, das in der Hauptausgabe mit Cinnamon-Desktop auf DVD liegt, war nur als kleines Update geplant. Es handelt sich dabei um die letzte Ausgabe der 22er-Versionsserie, denn im kommenden Sommer geht es mit Linux Mint 23 und Ubuntu 26.04 als Systembasis weiter. Für diesen nächsten großen Schritt, der Cinnamon fit für Wayland machen soll, nimmt die jetzige Ausgabe schon mal Anlauf. Viel Arbeit ging deshalb in den Cinnamon-Compositor „Muffin“, auch wenn diese Fortschritte Wayland derzeit noch nicht zu einer Option für den täglichen Einsatz machen.
Neues in Cinnamon 6.6
Sichtbarer sind neue Mint-Tools und die Kosmetik für den Desktop. Dort zeigt sich das ausklappende Anwendungsmenü in einem geänderten, dreigeteilten Layout, das von KDE Plasma inspiriert ist. Für das Panel gibt es nun ein leicht zu aktivierendes Applet zum Nachtlicht, das zu definierten Zeiten eine Farbverschiebung in ein rotes Farbspektrum vornimmt, um die Augen zu schonen. Die Taskleiste zeigt mit kleinen Symbolen an, wenn eine Anwendung auf Eingaben wartet oder eine Benachrichtigung per Dbus an den Desktop geschickt hat. Von der ursprünglichen Basis Gnome 3.x verabschiedet sich Cinnamon mit einer eigenen Symbolsammlung wieder ein Stück weiter – mit komfortabler Umschaltung zwischen einem hellen und dunklen Gewand. Im Hintergrund hat Cinnamon 6.6 die Eingabemethoden per Tastatur und Maus Wayland-konform gemacht, um Linux Mint 23 für das neuere Displayprotokoll vorzubereiten.
Warpinator und Systeminformationen
Unter den Mint-eigenen Werkzeugen gibt es mit einem grafischen Programm zur Anzeige von Systeminformationen und Softwareversionen einen Neuzugang. Dieses Tool ist vor allem für eine Auflistung der Systemeigenschaften für Nachfragen und Lösungssuche im Mint-Forum (https://forums.linuxmint.com) gemacht. Zur Bearbeitung von Booteinträgen gibt es das Administrationswerkzeug „mintadm“, welches direkt in die Grub-2-Konfiguration schreibt, um beispielsweise Bootoptionen zu ergänzen. Für die Verbindung von Geräten über Thunderbolt (USB 4.x) haben die Systemeinstellungen eine Rechteverwaltung erhalten, wie sie Gnome und KDE Plasma schon länger besitzen. Das grafische Menü arbeitet dabei als Frontend für das Kommandozeilenprogramm boltctl. Ein wichtiges Update erhält der Warpinator – ein Programm zum Austausch von Dateien in heterogenen Netzwerken, das auch unter Windows kein CIFS-SMB voraussetzt, sondern auf Peer-to-Peer-Basis arbeitet. Das verwendete Protokoll Multicast DNS kann nun auch mit IPv6 umgehen.
Zum Anlegen von System-Momentaufnahmen für eine Wiederherstellung hat Linux Mint schon seit Version 19 das Programm Timeshift übernommen. In der jetzt vorliegenden Version kann Timeshift begonnene Abbilder vorübergehend pausieren, um vordringliche Arbeiten nicht durch diesen Hintergrundprozess zu bremsen.
Installation: Besser von USB-Stick
Wer Linux Mint bereits installiert hat, erhält die Updates nochmal über die Aktualisierungsverwaltung. Die neuen Systeminformationen sind über das Paket „mintreport“ verfügbar und die Einstellungen zu Grub 2 über „mintadm“. Linux Mint 22.3 auf Heft-DVD ist eine späte Vorabversion, die aber aus dem Livesystem heraus automatisch die finale Version einrichtet. Es empfiehlt sich, aus der mitgelieferten ISO-Datei im Ordner „Image-Dateien“ einen bootfähigen USB-Stick zu erzeugen und diesen zu verwenden, denn die Installationsmedien von Linux Mint starten von DVD relativ langsam.
Mehr Infos zu Linux Mint
Website: www.linuxmint.com
Dokumentation: www.linuxmint.com/documentation.php
Fedora Linux 43 Cosmic
Diese Distribution für Fortgeschrittene war traditionell ein Aushängeschild für Gnome. Fedora 43 hat nun aber schon den neuen Cosmic-Desktop in seinen Standardquellen und liegt in einer komplett eingedeutschten Version auf Heft-DVD.
Der Cosmic-Desktop stammt vom US-Hardwaredistributor System 76, der seit 20 Jahren Linux-Notebooks vertreibt. System 76 liefert dazu auch die eigene Ubuntu-Variante Pop-OS, die in der gerade veröffentlichten Version 24.04 die neue Arbeitsumgebung in Version 1.0 präsentiert. An diesem Desktop sind auch andere Distributionen sehr interessiert, aber Fedora war eine der ersten Distributionen, die Cosmic in die Standard-Paketquellen aufnahm. Unsere Wahl, den Cosmic-Desktop in einem Livesystem mit Installer zu präsentieren, fiel deshalb auf Fedora. Diese Distribution erlaubt es, für die Heft-DVD eine modifizierte Variante zu bauen, die bereits die deutschen Sprachpakete und ein deutsches Tastaturlayout mitliefert. Damit lässt sich Cosmic direkt von DVD ohne Installation ausprobieren. Zudem sind die Basispakete in Fedora 43 deutlich neuer als jene von Pop-OS, welches noch auf einem älteren Ubuntu 24.04 aufsetzt. Fedora liefert den frischen Kernel 6.17 mit. Im Laufe des Unterstützungszeitraums bis Dezember 2026 werden die Entwickler den Kernel 6.18 nachreichen. Mit Softwareversionen wie Libre Office 25.8, Gimp 3.0.4 sowie Inkscape 1.4.2 ist Fedora auf einem ähnlichen Stand wie die jüngste Ubuntu-Zwischenversion 25.10.
Web UI: Ein neuer Installer
Der Cosmic-Desktop erhält in dieser Ausgabe einen eigenen Artikel (ab Seite 50). Diese Vorstellung fokussiert sich daher auf andere Neuheiten: Der Installer Anaconda missfiel in der Vergangenheit mit eigenwilliger Benutzerführung und scheinbar willkürlich platzierten Untermenüs zur Partitionierung, Benutzerkonto und Netzwerkkonfiguration. Die neue Installer Web UI poliert die Mängel der Anaconda-Oberfläche. Sein Debüt hatte dieser Installer schon in der vorherigen Ausgabe mit Gnome. Nun kümmert sich Web UI auch in der Cosmic-Ausgabe um die Einrichtung. Wie im Ubuntu-Installer kommen Webtechnologien zum Einsatz und die neue Oberfläche lotst Anwender auch bei Fedora linear durch die Installation.
Partitionierung und Verschlüsselung
Zur Partitionierung gibt es die einfache Option, einen kompletten Datenträger zu verwenden. Dann richtet Fedora die Partitionen automatisch ein. Standardmäßig bevorzugt Fedora das Dateisystem BTRFS mit dem Home-Verzeichnis als Subvolumen, dies mit aktivierter Komprimierung, aber sehr niedriger Kompressionsstufe. Das Verfahren soll keinen Speicherplatz sparen, sondern die Schreibvorgänge auf Flash-Datenträger reduzieren. Auf Wunsch kann Anaconda mit Luks-Cryptsetup verschlüsseln und fragt hier vorausschauend auch nach dem gewünschten Tastaturlayout, das vor dem eigentlichen Start in der Konsole zur Passworteingabe aktiv sein soll.
Wer Fedora bereits seit einigen Versionen mit dem Paketmanager DNF auf neue Ausgaben aktualisiert, kennt oft die frustrierende Fehlermeldung, die auf eine zu kleine Bootpartition beim Entpacken neuer Kernel-Pakete hinweist. Um dieses Problem zu beheben, erweitert Fedora die Bootpartition bei Neuinstallationen auf 2 GB. Dies bietet ausreichend Platz für größere initiale RAM-Disks und zusätzliche Firmware.
Mit einer neuen Option zur Reinstallation kann Web UI dasselbe Fedora-System über ein bestehendes installieren und die vorhandenen Daten in den Home-Verzeichnissen erhalten. Dies kann als Reparaturinstallation nach Missgeschicken bei der Administration nützlich sein. Den Bootvorgang absolviert Fedora 43 einige Sekunden schneller, weil es für initiale RAM-Disks die effizientere Zstandard-Kompression verwendet.
Mehr Infos zu Fedora
Website: https://getfedora.org
Dokumentation: http://docs.fedoraproject.org
Peppermint-OS 13 Trixie
Nach der Veröffentlichung von Debian 13 im letzten Jahr ziehen jetzt auch die inoffiziellen Debian-Varianten wie Peppermint-OS (auf Heft-DVD) nach und bringen Desktop und Softwareauswahl auf den neueren Stand.
Peppermint-OS ist eine charmante Debian-Variante, die nun den Sprung auf Debian 13 „Trixie“ absolviert hat: Die Distribution erschien erstmals 2010 und war ursprünglich ein Mix aus Lubuntu und Eigenentwicklungen. Seit Ausgabe 11 nutzt Peppermint Debian als Basis, um die Distribution einfach und schlank zu halten. Peppermint benötigt weder Snap-Pakete noch deren Runtime-Umgebung und verzichtet auch auf Ubuntu-Eigenheiten wie Netplan.io. Peppermint-OS liegt als installierbares Livesystem vor, eignet sich aber auch als reines Live- und Surfsystem. Bei Gefallen richtet das Installationsprogramm Calamares Peppermint-OS in wenigen Schritten auf dem Datenträger ein. Danach gibt es einen kleinen Willkommensbildschirm für die ersten Schritte.

Neues in Peppermint-OS
Alles, was Debian 13 in seinen Paketquellen zu bieten hat, ist nun auch in Peppermint-OS angekommen: Der Desktop ist ein sparsames, aber ansehnliches XFCE 4.20. Darunter arbeitet ein Kernel 6.12. Außer dem Firefox-Derivat Librewolf ist wenig vorinstalliert – auf die üblichen vorinstallierten Programme verzichtet Peppermint und überlässt die weitere Einrichtung den Anwendern. Es ist mit Peppermint also möglich, ein sehr schlankes Debian 13 mit keinem Paket zu viel zu installieren. Als regulärer grafischer Paketmanager steht das bekannte Synaptic als Frontend für apt in der Kommandozeile bereit. In den Quellen warten Pakete wie Libre Office 25.2, Gimp 3.0.3 und Inkscape 1.4.6 für Büroarbeiten. Dies sind willkommene Updates gegenüber den veralteten Versionen der vorherigen Debian-Ausgabe. Zudem gibt es im Willkommensbildschirm unter „Suggested Packages“ die Option, das System für Flatpak- und Snap-Pakete zu öffnen, also deren Runtimes einzurichten. Damit stehen dann weitere Browser zur Installation per Klick bereit. Wer den Firefox-Browser bevorzugt, installiert diesen auf eigene Faust über die Pakete „firefox-esr“ und „firefox-esr-l10n-de“ mit dem Paketmanager Synaptic.

Frische Quelle: Debian-Backports
Seit Debian 13 hat die Paketbasis aktuellere Versionen von Kernel und Firmware zu bieten: In den offiziellen oder optionalen „Backports“ finden sich frischere Pakete für die Betriebssystembasis. Hier warten bereits Kernel 6.17 und neuere Firmware auf die Installation. Diese zusätzliche Quelle ist in Peppermint-OS schon eingerichtet, und die beiden Terminalbefehle
sudo apt update
sudo apt upgrade -t
trixie-backports
installieren alle ausstehenden Updates und Backports mit. Die Debian-Entwickler weisen darauf hin, dass Backports-Pakete nicht die akribischen Tests wie regulären Updates aus den Stable-Repositorys durchlaufen, für Server also nicht geeignet sind. Für Desktopanwender versprechen Kernel- und Firmwareaktualisierungen aber oft signifikante Verbesserungen bei Stromsparfunktionen und Geräteunterstützung.
Mehr Infos zu Peppermint-OS
Website: http://peppermintos.com
Dokumentation: http://peppermintos.com/guide
Das Extra-Image 2/26
Auf dem Extra-Image (Download über https://github.com/LinuxWelt) gibt es drei weitere Servicesysteme. Mit dem LinuxWelt-Rettungssystem 11.2 und Dr. Parted Live in deutscher Sprache stehen Eigenentwicklungen der Redaktion im Mittelpunkt.
Das zusätzliche ISO-Image mit drei weiteren Livesystemen steht wieder zum Download unter https://github.com/LinuxWelt bereit (3,8 GB). Weil sich für umfangreiche ISO-Dateien das Bittorrent-Protokoll gut eignet, gibt es auch wieder Torrent-Dateien und Magnet-Links für dieses Protokoll.
Das Image selbst ist als Multibootmedium für DVDs sowie für USB-Sticks ab 8 GB Kapazität gemacht. Zur Übertragung auf einen Stick oder Speicherkarte eignet sich unter anderem das Tool USB Imager 1.0.10 (auf Heft-DVD, Download aller Versionen unter https://gitlab.com/bztsrc/usbimager). Das deutschsprachige Open-Source-Tool gibt es für Linux, Windows und Mac-OS. Es zeigt eine unkomplizierte Oberfläche zur Auswahl von Quelldatei und dem angesteckten Ziellaufwerk.
Die Systeme im Steckbrief
Vertreten sind diesmal zwei Systeme aus der LinuxWelt-Redaktion und ein weiteres Servicesystem auf Arch-Linux-Basis. Damit verwandeln Sie einen USB-Stick über das Multibootmenü in einen gut gefüllten Werkzeugkasten – nicht nur für Linux, sondern auch für Windows-Systeme.
LinuxWelt-Rettungssystem 11.2: Das neue Jahr bringt auch gleich ein neues Rettungssystem mit neuerem Kernel 6.17 und mit frischer Firmware für WLAN-Chips. Natürlich sind auch wieder die enthaltenen Browser Firefox, Chromium und Opera aktualisiert. Wichtig für Windows 11 ist eine neue Version von Dislocker, der bei Bedarf Bitlocker-Partitionen per Passworteingabe oder mit einem Wiederherstellungsschlüssel im Rettungssystem öffnen kann. Als Desktop dient ein aufgeräumter XFCE 4.20 mit einem Anwendungsmenü, das Verknüpfungen zu allen wichtigen Reparaturprogrammen anbietet.
Dr. Parted Live 25.12: Dieses Livesystem ist ein Debian, welches Festplattentools in den Mittelpunkt stellt. Als Desktop arbeitet ein äußerst schlicht gehaltener Openbox-Fenstermanager. Der Rechtsklick auf den Desktophintergrund öffnet ein Menü mit weiteren Anwendungen wie Webbrowser, Dateimanager und Texteditor. Unter den „CLI Tools“ gibt es etliche Programme für das Terminal zur Datenrettung, unter anderem Photorec, Safecopy und Ddrescue. Mit an Bord ist auch Boot Repair zur Wiederherstellung eines Grub-2-Bootloaders, das in unserem Rettungssystem 11.2 (noch) nicht enthalten ist. Zur Laufzeit sind weitere Tools per apt nachinstallierbar. In dieser modifizierten Version haben wir den deutschsprachigen Firefox als Webbrowser vorinstalliert, per Standard ein deutsches Tastaturlayout aktiviert und auch die meisten anderen Programme und Menüpunkte eingedeutscht.
System Rescue 12.0.3: Dieses Livesystem ist ein Reparatur- und Notfall-Klassiker für liegengebliebene Linux-Systeme, aber auch für Windows-Systeme. Das Spezialsystem bevorzugt Terminaltools, startet aber jetzt immer in den grafischen Modus und liefert einen (englischsprachigen) XFCE-Desktop. Wer Festplatten bearbeiten muss, kann das grafische Partitionierungsprogramm Gparted 1.7 verwenden.
Heft-DVD: Alles auch im Web
Kein optisches Laufwerk? Kein Problem: Alle Inhalte der Heft-DVD, das Extra-Image sowie das XXL-PDF finden Sie auch online unter www.linuxwelt.de/dvd0226. Die Seite verlangt beim Aufruf folgende Zugangsdaten. Benutzername: dvd226, Passwort: bfg9000

