Software | David Wolski | 1/2026 | 28. November 2025

Neue freie Software im Januar 2026

Bekannte Open-Source-Programme in neuen Versionen und neu gefundene Perlen: Die folgenden Vorstellungen präsentieren neben kleinen Tools für Linux bemerkenswerte Entwicklungen bei größeren Softwareprojekten.

Viele Talente begannen ihre Karriere als Programmierer mit Shell-Scripts und der Erstellung von Webseiten und sammelten Erfahrung bei der Erstellung von Software in kleineren Open-Source-Projekten. Mittlerweile senken KI-Hilfen beim Programmieren (etwa Copilot von Microsoft und Claude von Anthro­pic) die Einstiegshürden und liefern auf Anfrage umfangreiche Codebeispiele zur weiteren Anpassung. Diese Hilfen ziehen nicht nur Anfänger zu Rate: Guido van Rossum, der Erfinder von Python, gestand schon 2022 in einem Interview, dass er Python nicht mehr für jede Aufgabe selbst bändigt, sondern sich von Copilot schnell mal Beispiele liefern lässt. Nach seinem Empfinden ist der Mensch vor dem Bildschirm der eigentliche Ko-Pilot bei dieser Arbeit, während die KI das Ruder übernimmt. Der Entwickler muss lediglich die Codebeispiele anpassen und verknüpfen, am Ende noch debuggen – auch dies möglichst mit viel KI-Unterstützung, um obskure Fehler bei der Verarbeitung von Daten zu finden.

Programmieren mit Bauchgefühl

Diese Art des Programmierens, die kein Schreiben von Quellcode mehr ist, hat mittlerweile die Bezeichnung „Vibe-Coding“ erhalten. „Vibe“ steht hier für ein Bauchgefühl oder für ein ungefähres Verständnis, wie Programme und Programmiersprachen  aufgebaut sind. Der Vibe-Coder gibt dem KI-Assistenten Anweisungen über den Eingabeprompt. Das Ergebnis ist dann Programmcode, der idealerweise kompiliert, das Gewünschte erledigt und hoffentlich wenig Bugs enthält. Beim Vibe-Coding geht es also um den maximalen Einsatz von KI bei der Erstellung von Software bei minimalem Fachwissen zu den verwendeten Techniken. So wie generative KI Bilder im Stil eines bestimmten Künstlers erstellen kann, ohne dass der KI-Anwender irgendetwas von Malerei und Kunstgeschichte versteht, so erstellen auf Programmierung getrimmte KIs Webseiten oder ganze Programmteile einfach durch die Beschreibung des gewünschten Ergebnisses in natürlicher Sprache. 

Dieser Ansatz findet derzeit viele Freunde, auch unter altgedienten Entwicklern, vor allem für schnell erstellte Demos von Apps, GUIs und Webseiten: Das sind ungeliebte Arbeiten, die viel Zeit verschlingen und von KI passabel erledigt werden.

Flott erstellt, langes Debugging

Mittlerweile gibt es mit der Visual-Studio-Abspaltung Cursor, mit Replit und Loveable einige Editoren, die wenig Programmier­erfahrung voraussetzen und stattdessen den KI-Eingabeprompt präsentieren, um Programme oder Apps zu erstellen. Die Praxis zeigt aber, dass hier die Zeitersparnis minimal ist. Hinterher folgt immer langwieriges Debugging. Linus Torvalds sieht das Potenzial von KI deshalb vornehmlich bei der Bugsuche in bestehendem Code. Es ist aber absehbar, dass mit den Fortschritten von Sprachmodellen für Programmiertechniken auch mehr Software im Open-Source-Bereich mittels Vibe-Coding entsteht. Ein Stück weit macht Fedora Linux schon die Tür für diese Art von Code auf, sofern die Resultate eindeutig Open-Source-konform sind. Wer AI-generierten Code bei Fedora einreicht, muss diesen allerdings eindeutig kennzeichnen.

Amarok 3.3

Audioplayer und Musikbibliothek für KDE
http://amarok.kde.org

Gut ein Jahr stagnierte der Musikplayer für KDE Plasma. Das Grafiktoolkit Qt6 verlangte von Amarok Anpassung auf die neue Version, um optisch zum aktuellen KDE zu passen. Das Audio-Backend ist nicht mehr das veraltete KDE-Phonon, sondern der Gstreamer mit Pipewire als Hardwareschnittstelle. Traditionell stark ist Amarok bei der Verwaltung großer Musiksammlungen. Version 3.3 ist schon in Fedora 43 und Arch Linux vertreten, demnächst in KDE Neon. 

Hier spielt die Musik: Amarok liegt nach einem Jahr Entwicklung in neuer Version für KDE Plasma 6.x vor und hat den Weg zum Qt6-Toolkit vollzogen.

Deskreen CE 3.0.8

Erweitert den Monitor per LAN/WLAN
https://deskreen.com

Deskreen macht andere Rechner als virtuellen Bildschirm unter Linux verfügbar. Es kann den Bildschirm spiegeln oder den Desktop eines Linux-System mit Xorg und xrandr um einen zweiten Monitor erweitern. Dazu arbeitet Deskreen mit einem Webserver, der das Bild für den virtuellen Monitor als Videostream überträgt. Das Zweitgerät braucht nur einen Browser, kann also auch ein Android/Apple-Tablet sein. Deskreen liegt als DEB und Appimage vor.

Zweiter Bildschirm: Im Zusammenspiel mit xrandr (einem Xorg-Tool) kann Deskreen einen virtuellen Monitor ins Netzwerk streamen.

Drum Machine 1.5

Drumcomputer mit Audio-Exportfunktion
https://github.com/revisto/drum-machine

Die Software simuliert einen Drumcomputer, um intuitiv wie auf einem realen Gerät Percussionspuren zu erzeugen. Drum Machine liefert eigene Samples mit und zeigt die Sequenzerspuren in einem Raster an – zur einfachen Mauseingabe von Rhythmusmustern. Die Software eignet sich nicht zur Ausgabe von MIDI-Signalen, sondern spielt den Rhythmus direkt am Rechner ab oder exportiert eine WAV-Datei. Version 1.5 liegt auf https://flathub.org als Flatpak vor. 

Unkompliziert Rhythmen komponieren: Drum Machine ist für Musiker gemacht, die zu ihrem Instrument schnell eine Percussionspur benötigen.

Duplicati 2.2

Netzwerk- und cloudfähige Backupsoftware
https://github.com/duplicati/duplicati

Duplicati hat sich zu einem beliebten Tool für Backups entwickelt. Die neue Oberfläche wird im Browser dargestellt, läuft also auch von einem Linux-Server aus. Als Speicherorte unterstützt es lokale Ordner, Clouddienste und für Netzwerksicherung die Protokolle SMB (Samba), NFS, FTP, SSH und Webdav. Die Backupdaten kann Duplicati mit AES-256 oder mit einem eigenen GPG-Schlüssel schützen. Die Github-Webseite liefert zahlreiche Paketformate. 

Komfortable Backups: Duplicati hat zur Konfiguration von Backupaufgaben eine webbasierte Oberfläche, ab Version 2.2 nun mit neuem Design.

ISD 0.6.1

Terminal-Verwaltungstool für Systemd
https://kainctl.github.io/isd

Wer auf Servern die zahlreichen Kommandos des Init-Daemons Systemd nicht manuell eintippen will, erhält mit ISD einen Systemd-Manager mit textbasierter Oberfläche. ISD macht es einfacher, Dienste anzuzeigen, zu starten und zu stoppen. Ein Blick in die Meldungen eines Dienstes gelingt über das verknüpfte Journalctl. Dies funktioniert genauso mit Systemd-Benutzerprozessen. ISD ist ein Terminaltool und liegt als Appimage vor (auch für ARM64). 

Systemd im Griff: ISD bildet im textbasierten Menü die wichtigsten Befehle von systemctl und journalctl zur Diensteverwaltung ab.

Jellyfin 10.11

Videostreaming mit Weboberfläche
https://jellyfin.org

Jellyfin ist ein Streamingserver für Linux-Systeme im Heimnetz mit einer Oberfläche im Stil von Netflix. Jellyfin bekommt zum Generieren von Vorschaubildern beim Vor- und Zurückspulen eine schnellere Mediendatenbank. Das Update erfordert die Konvertierung der existierenden Jellyfin-Installation und kann deshalb sehr lange dauern. Die Fähigkeiten Jellyfins zeigt die Demo unter https://demo.jellyfin.org. Es gibt fertige DEB-Pakete für Debian/Ubuntu. 

Hungrig nach Ressourcen: Jellyfin verlangt einige Gigabyte RAM für seine Datenbank, die Vorschaubilder aber jetzt schneller anzeigt.

Karton 0.1

Grafische Oberfläche für KVM
https://invent.kde.org/sitter/karton

Zur Verwaltung virtueller Maschinen in der KVM bietet der grafische Virt-Manager eine Oberfläche im Stil von Virtualbox. Mit Karton entwickeln die Köpfe hinter KDE eine Alternative auf der Basis von Qt. Das Rad mussten sie nicht neu erfinden, denn im Hintergrund setzt Karton auf Libvirt auf (wie der Virt-Manager). Karton konnte im „Google Summer of Code“ große Fortschritte machen und liegt in Fedora 43 und Arch Linux bereits in den Standardquellen. 

Steuerung virtueller Maschinen: Karton will sich als KDE-Gegenstück zum Virt-Manager und zu Gnome Boxes etablieren.

Kodi 21.3

TV-taugliches Mediencenter mit Plug-ins
https://kodi.tv

Das Mediencenter Kodi 21 erschien vor eineinhalb Jahren. Danach litten zahlreiche Kodi-Plug-ins unter etlichen Bugs. Version 21.3 behebt nun viele dieser Fehler und leitet auch schon den Übergang zu Kodi 22 ein, das bereits als Alphaversion vorliegt. Neu in Kodi ist die Wiedergabe von Blu-ray-Disks unter Linux. Der Aufbau der Medienbibliothek von lokalen Datenträgern wurde beschleunigt. Installationsanleitungen liefert die Seite https://kodi.tv/download

Kodi holt auf: Das beliebte Mediencenter spielt nun unter Linux Blu-ray-Disks ab und behebt viele Bugs im Zusammenhang mit Kodi-Plug-ins.

Lab Plot 2.12

Funktionsplotter und Programm zur Datenanalyse
https://labplot.kde.org

Libre Office Calc kann bei der Datenvisualisierung die Ansprüche in Studium und Wissenschaft oft nicht erfüllen. Dafür spezialisiert ist das KDE-Programm Lab Plot. Es stellt Funktionen, zwei- und dreidimensionale Diagramme, Polar- und Dreieck-Plots grafisch dar. Zum Import kann es Excel-Tabellen, VLEN- und BLF Dateien nutzen (dabei unterstützt jetzt eine Drag-&-Drop-Oberfläche). Zur Installation liefert die Webseite fertige Pakete sowie ein Appimage. 

Plotten wie Profis: Lab Plot ist ein mächtiges Analysewerkzeug und Funktionsplotter, will dabei aber auch einsteigerfreundlich sein.

Luanti 5.14

Open-Source-Spiel als Alternative zu Minecraft
www.luanti.org

Dieses Spiel (früher „Minetest“) mit Client- und Serverkomponente ist von Minecraft inspiriert. Vom Microsoft-Original hat sich Luanti aber weit entfernt. Modifikationen, Ergänzungen und neue Spielewelten machen es zu einem eigenständigen Spiel. Luanti folgt nun einem neuen Veröffentlichungsrhythmus von drei Monaten. Die neue Version beschleunigt das Nachladen von Texturen. Pakete für viele Distributionen gibt es unter www.minetest.net/downloads

Kein Minecraft-Klon mehr: Zahlreiche Erweiterungen verleihen Luanti, das auch eine Serverkomponente mitbringt, seinen eigenen Charakter.

Sniffnet 1.4.1

Netzwerkmonitor mit DNS-Auflösung
https://github.com/GyulyVGC/sniffnet

Sniffnet zeigt auf Desktop-PCs, welche Prozesse Netzwerkverkehr verursachen. Es kann den Traffic jetzt mit den BFE-Filtern des Linux-Kernels nach IPv4/IPv6, nach TCP/UDP und  Anwendungsprotokollen filtern. Neu ist die Erkennung von ARP-Datagrammen im LAN. Sniffnet stellt den Verkehr in einem Diagramm dar, ohne die Komplexität von Wireshark aufzuweisen. Das Programm verlangt root-Recht und liegt im Rust-Quellcode sowie als DEB-Paket vor. 

Was verursacht die Netzlast? Sniffnet kombiniert die Funktion der Netzwerkmonitore wie Nethogs und Iftop auf einer grafischen Oberfläche.

Tuifi Manager 5.1.5

Dateimanager mit Icons in der Shell
https://github.com/GiorgosXou/TUIFIManager

Auch im Terminal ist ein visueller Dateimanager angenehm. Der Tuifi Manager hat dabei ein ungewöhnliches Konzept: Das Python-Programm stellt Dateien nach Typ symbolisch dar, mit Text und Unicode-Zeichen. Die Bedienung gelingt flott per Tastatur, im grafischen Terminalfenster auch mit Maus und Kontextmenüs. Eine Installation gelingt nach Anleitung der Webseite als Python-Paket mit „pipx“. Für die Icons steht ein spezieller Zeichensatz bereit. 

Symbolische Darstellung im Terminal: Mit einem speziellen, separat installierbaren Font kann der Tuifi Manager Dateien und Ordner visuell darstellen.