Linux Mint Debian Edition 7
Das Linux Mint auf Heft-DVD ist dieses Mal die Debian-basierte Variante, welche die Mint-Entwickler auf das Fundament von Debian 13 gehievt haben. Das System eignet sich mit langem Unterstützungszeitraum vor allem als Dauerläufer.
Ganz ohne Ubuntu: Diese Variante von Linux Mint baut auf dem neuen Debian 13 auf, unterscheidet sich aber oberflächlich kaum von der regulären, weiterhin auf Ubuntu 24.04 LTS basierenden Ausgabe der Distribution. Mit dem Konzept, Ubuntu mit einem klassischen Desktop in Form von Cinnamon und eigenen grafischen Hilfsprogrammen auszustatten, erleichtert Linux Mint vielen Umsteigern die ersten Schritte mit Linux auf dem Desktop.
Stabilität vor Aktualität
Das Mint-Team steht mit manchen Ubuntu-Entwicklungen auf Kriegsfuß und hat nicht zuletzt die Befürchtung, Ubuntu könne als Basis einmal komplett wegfallen. Schon 2010 dehnte das kleine Entwicklerteam deshalb das Mint-Konzept auch auf Debian aus und gibt seitdem in unregelmäßigen Abständen eine Linux Mint Debian Edition heraus (LMDE). In den ersten Ausgaben schöpfte diese ihre Pakete aus dem Testing-Zweig Debians und war als Rolling Release gedacht. Das Modell bewährte sich jedoch nicht, da die Pflege für das Mint-Team zu viel Aufwand bedeutete. Seit Ausgabe 2 setzt die Linux Mint Debian Edition deshalb auf den Stable-Zweig Debians. Dessen Pakete sind älter, aber gut getestet. Beim aktuell veröffentlichten Debian 13 fallen die älteren Versionen des Kernels und der Standardpakete weniger ins Gewicht und können mit jener der Ubuntu-Ausgabe fast gleichziehen.
Unterschiede zur Ubuntu-Version
Linux Mint beschränkt sich im Unterschied zu Debian nicht strikt auf Open-Source-Komponenten, sondern liefert wichtige Codecs und Player von deb-multimedia.org zum Nachrüsten mit. Auch die Mint-Tools und Pakete aus eigener Entwicklung sind vertreten. Für diese gibt es auch hier laufende Updates. Der wichtige Cinnamon-Desktop ist hier, zumindest derzeit, gleichauf mit der Version in Linux Mint 22.2.
Die deutlichen Unterschiede beginnen unterhalb der beinahe identischen Oberfläche: Der Kernel ist mit 6.12 zwei Zwischenschritte älter als jener in Linux Mint 22.2. Das hat Auswirkungen auf die verfügbaren Treiber für besonders neue Hardware, etwa WLAN-Chips und GPUs. Wie auch Debian macht die Distribution deshalb die beste Figur auf schon etwas älterer Hardware der letzten fünf Jahre. Insgesamt ist die Softwareauswahl in den Standard-Repositorys der Linux Mint Debian Edition merklich kleiner. Außerdem fehlt hier die Möglichkeit, PPAs als externe Quellen einzubinden. Dafür ist die Distribution aber vorbereitet, weitere Programme als Flatpak nachzurüsten. Dieses App-Containerformat kann hier viele Lücken schließen, verlangt aber bekanntlich deutlich mehr Platz auf dem Datenträger als Programme im nativen DEB-Format.
Auch zu anderen Debian-Varianten zeigen sich deutliche Unterschiede, nicht nur des Desktops und der enthaltenen Mint-Anwendungen wegen: Der Installer ist ebenfalls eine Eigenentwicklung und richtet das System nach der Auswahl von gewünschter Sprache und Tastaturlayout in wenigen Schritten ein. Dabei ist es möglich, ein vollverschlüsseltes System mit Cryptsetup und LVM (Logical Volume Manager) wie in Ubuntu aufzusetzen. Die Option, nur das Home-Verzeichnis mittels Ecrypt FS zu verschlüsseln, fehlt aber. In einem der letzten Schritte verlangt der Installer außerdem wie in Debian, die Bootpartition zur Einrichtung des Grub-Bootmanagers aus einer Liste manuell auszuwählen. Hier ist dann doch mehr Aufmerksamkeit und Sachverständnis gefragt. In den meisten Fällen wird es sich um die Partition „/dev/sda“ handeln, doch sollte bei Unsicherheit zuerst noch der mitgelieferte Partitionierer Gparted befragt werden.
Mehr Infos zu LMDE:
Website: https://linuxmint.com
Dokumentation: www.debian.org/doc/user-manuals
Garuda Linux 251002
Arch Linux hat sich mit zahlreichen Varianten wie Garuda Linux, das mit KDE Plasma 6.5 auf DVD vertreten ist, zu einer Distribution für anspruchsvolle Anwender etabliert. Garuda punktet mit einem spezialisierten Kernel für den Desktop.

Ursprünglich entstand Garuda Linux als auffällig bunt gestaltetes Arch-Linux-System für Gamer, die in diesem Rolling Release immer die neuesten Grafiktreiber und einen aktuellen Kernel vorfinden – letzterer angepasst mit Leistungs-Tweaks. Garuda richtet sich an fortgeschrittene Anwender, die aber nicht jede Optimierung selbst vornehmen möchten. Zudem geht diese deutsch-indische Distribution, die 2020 erstmals erschien, nicht den traditionellen Arch-Weg der Installation, sondern bietet mit Calamares einen bewährten grafischen Installer aus dem Livesystem heraus. In seiner schlanken, schlichteren Version mit einem aktuellen KDE Plasma als Oberfläche ist Garuda nicht mehr nur für Linux-Gamer interessant, sondern punktet auch als Desktopsystem. Neu ist ein englischsprachiger Willkommensdialog, welcher die ersten Schritte nach der erfolgten Installation erleichtert und bei der Administration durch das Angebot wiederkehrender Aufgaben hilft.
Zen-Kernel: Kurze Latenzen
Was Garuda auszeichnet, sind etliche Ergänzungen und Tweaks, die vor allem Desktopanwendern und Linux-Gamern entgegenkommen wollen. Dies beginnt beim mitgelieferten Zen-Kernel, der für kürzere Latenzen auf Desktopsystemen sorgen soll. Ein wichtiger Patch ist das „Multigenerational LRU Framework“ von Google-Entwicklern, dass eine schnellere Freigabe von geleertem RAM für neu gestartete Prozesse erlaubt. Für Systeme mit eher wenig Arbeitsspeicher ist ZRAM bereits aktiviert, das die Hälfte des Speichers als komprimierten Swap-Bereich reserviert. Komprimiert ist auch das BTRFS-Dateisystem, das Garuda standardmäßig bei der Installation erstellt: Der Kompressionsalgorithmus Zstandard (Zstd) reduziert Schreibvorgänge, was NVME- und SSD-Medien eine längere Lebensdauer beschert.
Snapper: Snapshots inklusive
Wie auch in Open Suse „Leap“ sind aktuelle Schnappschüsse der Systempartition über den Dienst „Snapper“ möglich und standardmäßig aktiviert. Snapper arbeitet in Garuda nahtlos mit BTRFS zusammen, denn die Momentaufnahmen werden jeweils als BTRFS-Subvolumes gespeichert. Momentaufnahmen halten bei einem Update des Systems den letzten Zustand als Differenz fest und stellen diesen als Bootoption im Grub-Bootloader zur Auswahl. Es ist somit möglich, nach Updates mit unerwünschten Nebenwirkungen (die es bei Arch Linux durchaus geben kann) zu einem vorherigen Zustand zurückzukehren. Snapshots belegen etwa 6 bis 9 GB auf einer typischen Garuda-Installation und werden automatisch nach jedem Einsatz des Paketmanagers pacman erstellt. Enthalten sind nur Systemordner wie „/usr“, „/var/lib“ und auch „/etc“, das Home-Verzeichnis bleibt außen vor, sonst wäre der Platzbedarf zu hoch. Dennoch verlangt Garuda vergleichsweise viel Speicherplatz und füllte eine 240-GB-SSD schon nach wenigen Wochen. Regelmäßiges manuelles Aufräumen oder Abschalten der automatisch generierten Snapshots im grafischen Tool „Snapper Tools“ reduziert den Platzbedarf wieder auf ein normales Maß.
Mehr Infos zu Garuda Linux:
Website: https://garudalinux.org
Dokumentation: https://wiki.garudalinux.org/en/home
Open Suse „Leap“ 16
Diese Distribution, mit deren Vorläufern einst viele Linux-Anwender ihre ersten Schritte mit Linux unternahmen, ist einer radikalen Umbauphase: Version 16 (als Installer auf Heft-DVD) schickt das Traditionswerkzeug Yast in Rente und setzt voll auf Wayland.

Ein Sprung in der Versionsserie, aber doch noch kein Absprung vom traditionellen RPM-Paketsystem: Open Suse Leap 16 bleibt trotz einiger anderslautenden Ankündigungen nochmal bei einem gewohnten Aufbau. Kernkomponenten wie der Kernel, die Desktopumgebungen KDE, Gnome und der Installer Pipewire legen zwar größere Sprünge hin, der Umbau hin zu einem „unveränderlichen“ System (immutable), auf dem App-Container wie Flatpaks sitzen sollen, ist damit aufgeschoben. Dafür teilt sich die Distribution für Endanwender nun die Paketquellen mit Suse Linux Enterprise (SLES) und gemeinschaftlich entwickelten Paketen für den Desktop.
Dabei schneidet Suse jetzt alte Zöpfe ab: Das schon länger nicht mehr weiterentwickelte Administrationstool Yast und das dazugehörige Suse-Config sind nicht mehr dabei. An dessen Stelle werden Konfigurationshilfen von Red Hat Cockpit treten, die aber erst in den Folgeversionen nach und nach erscheinen sollen. Das macht die aktuell vorliegende Ausgabe zu einer etwas unfertigen Vorschau, was aber bei dieser Distribution bei neuen Versionsserien nicht ungewöhnlich ist. Die Paketquellen liefern mit KDE Plasma 6.4 und Gnome 48 solide Desktops mit.
Agama: Neuer Installer
Der neue Weg, Open Suse „Leap“ einzurichten, führt ab jetzt über einen Webbrowser. Der Installer auf Heft-DVD bootet zunächst ein minimales Linux-System, das über den enthaltenen Firefox den neuen Installer Agama startet. Die Menüs sind vergleichsweise gesprächig und ausführlich, doch zunächst erst mal alle in Englisch, bis die Sprache rechts oben auf Deutsch umgestellt wird. Der Installer bietet an, entweder das hier vorgestellte Open Suse „Leap“ zu installieren oder die Variante Leap Micro, das nicht für den Desktop gemacht ist, sondern als Host-Betriebssystem für Servercontainer. Es handelt sich um einen Onlineinstaller, der alles Benötigte aus den Repositorys herunterlädt. Dafür ist eine Internetverbindung vorzugsweise per Ethernet Voraussetzung.

Pakete und Container
Weiter geht es dann mit der Partitionierung, wobei BTRFS mit Subvolumen der vorgeschlagene Standard ist. Wichtig ist es, unter „Lokalisierung“ Deutsch als gewünschte Sprache für das installierte System festzulegen sowie das passendes Tastaturlayout.
Auch noch nicht geschmeidig: Unter „Software“ ist es notwendig, mit Klick auf „Ändern“ die vorgegebene Softwareauswahl zu ergänzen und KDE Plasma 6.4, Gnome 48 oder XFCE 4.20 als Desktopumgebung zu markieren. Ohne diesen Schritt installiert sich Open Suse „Leap“ als Serversystem ohne grafische Oberfläche. Auch Büroprogramme (Libre Office) und einige Player stehen hier zur Auswahl, die aber derzeit noch recht schmal ausfällt. Das geschrumpfte Paketangebot wird auch im Betrieb und bei der weiteren Ausstattung deutlich: Es gibt ein Drittel weniger Pakete im neuen Repository. Zwar ist alles für den Alltag dabei, etwa Libre Office 25.2, Inkscape 1.4, Gimp 3.0 und VLC 3.0.21. Wer Spezielleres braucht, wird häufiger auf Flatpaks zurückgreifen müssen.
Mehr Infos zu Open Suse
Website: www.opensuse.org
Dokumentation: https://doc.opensuse.org
Das Extra-Image
Die Heft-DVD beherbergt diesmal extra viel Lesestoff in Form des gesamten LinuxWelt-Heftarchivs und weiteren freien Handbüchern. Außerdem gibt es zwei Extra-Images für USB-Sticks mit weiteren Linux-Systemen in einem Multibootmenü zum Download.
Die ISO-Dateien stehen unter www.linuxwelt.de/dvd0126 zum Download bereit. Zur Übertragung der angebotenen ISO-Datei auf einen USB-Stick (ab 8 GB Kapazität) eignet sich wie immer der USB Imager 1.0.10, (auf Heft-DVD, Download aller Versionen unter https://gitlab.com/bztsrc/usbimager). Die beiden Images haben jeweils ein eigenes Thema: Das erste Image enthält Desktopsysteme, das zweite einen portablen Werkzeugkasten, unter anderem mit dem LinuxWelt-Rettungssystem.
Systeme im ersten Image
Ubuntu 25.10: Die neue Hauptausgabe Ubuntus mit neun Monaten Unterstützung liefert Gnome in der Version 49 mit vorinstallierten Shell-Erweiterungen. Ubuntu macht in dieser Zwischenversion vor Experimenten nicht halt und ersetzt die Standardtools (Coreutils) sowie „sudo“ mit neuen, in Rust programmierten Varianten.
Sparky Linux 8.0.1: Debian leicht gemacht! Sparky ist als installierbares Livesystem auf dem ISO-Image, das der komfortable Calamares-Installer auf dem Datenträger einrichtet. Auch die weitere Ausstattung dieses Debian 13 wird durch eigene Tools einfacher. Die Sparky-Variante im Image verwendet als Desktop XFCE 4.20.
Gparted Live 1.7.0-8: Dieses immer nützliche Livesystem mit dem mächtigen Partitionierer Gparted 1.7 ergänzt das Multiboot-Image.
Werkzeuge im zweiten Image
LinuxWelt-Rettungssystem 11.1: Mit kleinen Aktualisierungen haben wir unser eigenes Livesystem ausgestattet. Es tritt wieder mit dem Anspruch an, einen gut gefüllten Werkzeugkasten für Notfälle aller Art auf deutschsprachiger Oberfläche zu präsentieren. Es eignet sich für Linux- wie Windows-Systeme zur Datenrettung, selbst wenn unter Windows die Verschlüsselung von Bitlocker zum Einsatz kommt: Dafür ist das Tool Dislocker mit von der Partie. Aktualisiert sind die Browser Firefox und Chromium sowie der freie Virenscanner Clamav 1.5.1 von Cisco.
Ufficio Zero Duplica 1.4: Das Livesystem für die Erstellung und Wiederherstellung von Datenträgerimages hat schnell neue Versionen nachgelegt. Ufficio Zero Duplica ähnelt dem Livesystem Rescuezilla und bietet eine grafische Oberfläche zum Backup von Partitionen und ganzer Datenträger in Abbildern. Diese Backupsets sind vollständig kompatibel mit jenen von Clonezilla. Zum Speichern der Backups kann das Livesystem ein internes Laufwerk, angeschlossene oder externe Datenträger und Speicherorte im Netzwerk nutzen. Ufficio Zero Duplica unterstützt dabei Windows-Freigaben und SSH (SFTP). Unter den Anwendungen ist auch noch Boot-Repair zur Wiederherstellung eines defekten Grub-Bootloaders vertreten.
GRML 2025-08: Das Livesystem auf der Basis von Debian 13 ist auf die Bedürfnisse von Administratoren zugeschnitten, die damit eine umfangreiche Toolsammlung ähnlich des Schweizer Taschenmessers bekommen, um Systeme wieder auf Vordermann zu bringen. Wie üblich bietet auch die aktuelle Version hauptsächlich Tools für die Kommandozeile, die hier mit der Shell ZSH laufen. Generell ist GRML aber für alle Anwender nützlich, die den Partitionierer Gparted in einem Livesystem benötigen.
Heft-DVD: Alles auch im Web
Alle Inhalte der Heft-DVD, die Extra-Images sowie die umfangreiche PDF-Sammlung finden Sie online unter www.linuxwelt.de/dvd0126. Die Seite verlangt beim Aufruf folgende Eingaben:
Benutzername: dvd126, Passwort: gHertz4

