Tech-Unternehmen galten einst als Gönner und Beschützer der Open-Source-Szene. Die Kritik am Vorgehen namhafter Softwareunternehmen wird aber heute lauter, denn ein Teil der Open-Source-Branche fühlt sich von Amazon, IBM oder Microsoft ausgenutzt. Doch an anderer Stelle geht es weiter wie bisher: In diesem Jahr fand zum zwanzigsten Mal der Google Summer of Code statt (https://m6u.de/gsoc). Diese weltweite Initiative von Google gibt seit 2005 bekannten Projekten aus dem Open-Source-Bereich immer wieder einen Schub in ihrer Entwicklung. In einem Stipendiatenprogramm stehen jährlich einige Millionen US-Dollar für interessierte Studenten bereit, die bezahlte Arbeitszeit in ausgewählte Open-Source-Projekte investieren wollen.
Eng gefasste Ziele
Damit es am Ende auch immer vorzeigbare Erfolge gibt, geht es um eng gefasste Entwicklungsziele und klar formulierte Funktionen oder Erweiterungen, die im vorgegebenen Zeitrahmen von einigen Wochen zu realisieren sind. Zur Vorbereitung und Betreuung müssen die Softwareprojekte eigene Mentoren stellen, damit die Studenten mit der übernommenen Aufgabe nicht alleinstehen. Oft geht es bei den Ideen und Features um clevere und gut vorzeigbare Ergänzungen, die dem Software-Zeitgeist entsprechen.
So ist nicht verwunderlich, dass Themen wie Deep Learning, KI und Large Language Models (LLMs) dieses Mal besonders oft vertreten sind. Mit ganz praktischen Ansätzen: Der freie Build-Server Jenkins zum Automatisieren von Aufgaben rund um Kompilierung und Debugging erhält einen internen KI-Chatbot. Dieser hilft Anwendern und Admins bei Fragen zur Einrichtung und zur Konfiguration neuer Entwicklungsprojekte und senkt die Einstiegshürden. Für umfangreiche Jenkins-Installationen mit mehreren Programmiersprachen und Compilern trainiert ein anderes Projekt im Summer of Code ein LLM, um statistische Daten per KI abzufragen und zu visualisieren. Eine sehr komplexe Anwendung wie Jenkins soll durch den KI-Einsatz auch für Entwickler interessant werden, die den Einsatz von Automatisierung bisher scheuten. Wenn sich der KI-Einsatz zur Konfigurationshilfe und als interaktives Handbuch bewährt, dann werden auch andere Softwareprojekte dem Beispiel von Jenkins folgen.
Jubiläum mit Rekordzahlen
Die Teilnehmerzahl im Google Summer of Code ist in diesem Jahr besonders groß: Rund 100 000 interessierte Studenten hatten sich als Stipendiaten registriert. Rund 15 000 haben dann insgesamt 24 000 Entwicklungsvorschläge eingebracht, und 1272 Stipendiaten hat Google schließlich angenommen. Diese Zahl ist gegenüber den Vorjahren ähnlich geblieben. Aber Google verlängerte die finanzierten Entwicklungszeiträume von 12 Wochen auf 22 Wochen, um den gestiegenen Ansprüchen gerecht zu werden und um die Erfolgsquote zu erhöhen. Diese liegt bei den akzeptierten Projekten stets deutlich über 80 Prozent.
Copyparty 1.8.9
Dateiserver in einer einzigen Datei
https://github.com/9001/copyparty
Copyparty wird als eine Python-Datei mit weniger als 1 MB ausgeliefert, bietet aber als LAN-Dateiserver etliche Protokolle: HTTP(S) gibt es über eine HTML-Oberfläche für alle Browserclients. Die Demo unter https://a.ocv.me/pub/demo zeigt die Oberfläche. Aber auch FTP, FTPS, Webdav, MDNS sowie SSDP werden unterstützt und für das Terminal gibt es ein Python-Tool. Copyparty macht jedes Linux zum Dateiserver, selbst alte Raspberry-Modelle genügen.

Focuswriter 1.8.12
Textverarbeitung mit minimalistischer Oberfläche
http://gottcode.org/focuswriter
Wer eine minimalistische, mit Libre Office kompatible Textverarbeitung sucht, bekommt mit dem Focuswriter ein Open-Source-Programm, das den Text in den Mittelpunkt stellt. Ein Klick blendet alle Menüelemente aus oder ein und bietet einen frei gestaltbaren Vollbildmodus mit Hintergrundgrafik. Die neue Version hat die Unicode- und die RTF-Unterstützung aktualisiert. Pakete für Debian, Ubuntu, Fedora und Open Suse liefert die Projektwebseite.

Freefilesync 14.4
Dateisynchronisation lokal und per Netzwerk
https://freefilesync.org
Wer das mächtige Rsync scheut, bekommt mit Freefilesync ein grafisches Tool zum Abgleich von Dateien. Dies kann lokal oder über das Netzwerk per SSH/SFTP und FTPS erfolgen. Android-Geräte kann das Tool nun mit MTP ansprechen. Freefilesync bietet visuelle Kontrolle, welche Dateien wohin abgeglichen werden. Es integriert sich am besten in das Menü von KDE Plasma und bietet nun einen dunklen Modus. Das Tool liegt als ausführbare Binary vor.

Geany 2.1
Texteditor für Scripts und Programmierprojekte
www.geany.org
Komfortable Entwicklungsumgebungen für Bash, Python und sogar C/C++ müssen nicht umfangreich sein, wie Geany seit mittlerweile 20 Jahren beweist. Die neue Version nutzt die nativen Dateidialoge der jeweils verwendeten Desktopumgebung und ergänzt die erkannten Programmier- und Script-Sprachen um zahlreiche neue Dateitypen wie Dockerfile, Terraform, Powershell und Nix. Fertige Pakete zeigt die Seite www.geany.org/Download/ThirdPartyPackages.

Jan 0.6.8
Verwaltet LLMs auf dem Desktop
https://github.com/menloresearch/jan
Jan vereinfacht die Verwaltung von Large Language Models (LLMs). Das Tool bietet eine multilinguale Benutzeroberfläche, um freie KI-Modelle einfach auszuwählen. Ein Chatfenster kann dann mit dem LLM per Prompt interagieren. Assistenten automatisieren Aufgaben wie Übersetzung oder Codegenerierung. Es gibt zuschaltbare GPU-Unterstützung und Anbindung von Cloud-KIs per API-Schlüssel. Die Installation gelingt per DEB-Paket oder Appimage.

Open HAB 5.0
Schaltzentrale für Smart-Home
www.openhab.org
Diese Open-Source-Software ist das tonangebende Programm unter den freien Tools zur Steuerung von Smart Home, Prozessautomatisierung und Logging. Open HAB 5.0 gibt sich dabei möglichst herstellerneutral, spricht viele Protokolle und bindet nun auch Matter ein. Plug-ins erweitern den Umfang um proprietäre Protokolle für Ikea- und Sonos-Geräte. Für den Raspberry Pi (Modelle 4/5) gibt es fertige Images, für Linux DEB- und RPM-Pakete.

Rio 0.2.28
Terminal mit GPU-Beschleunigung
https://rioterm.com
Das in Rust geschriebene Rio ist ein Terminal mit hardwarebeschleunigter Grafikdarstellung per Vulkan. Terminals mit solcher GPU-Unterstützung verarbeiten die Textausgabe von laufenden Prozessen schneller, was sich etwa beim Kompilieren auszahlt. Rio bietet grafische Nettigkeiten wie Terminaltransparenz, Mehr-Fenster-Ansicht, eingebettete Bildvorschauen, Emojis und Sonderzeichen. Rio liegt als Flatpak und als DEB-Paket für Ubuntu vor.

Scrcpy 3.3.1
Fernsteuerung von Android-Geräten auf dem Desktop
https://github.com/Genymobile/scrcpy
Scrcpy bringt Android-Geräte in einem Fenster per ADB auf den Linux-Desktop und ist damit nicht nur eine Hilfe für Android-Entwickler. Ein altes Smartphone kann es etwa als Überwachungskamera einsetzen. Mittels Desktopautomatisierung über „xdotool“ lassen sich Android-Autoclicker und Bots bauen. Auf dem verwendeten Gerät muss nur USB-Debugging in den Entwickleroptionen eingeschaltet sein. Seit Version 3.3 gibt es fertige Binarys für Linux.

Super Tux Cart 1.5
Gokart-Rennen mit Mehrspielermodus
https://supertuxkart.net
Das Kultspiel geht aller Wahrscheinlichkeit nach in die letzte Runde – nicht, um sich zu verabschieden, sondern um künftig als „Super Tux Cart Evolution“ mit Vulkan-Grafik und neuen Mehrspieler-Servern weiterzumachen. Version 1.5 ist nochmal ein Update der bisherigen Codebasis mit neuen Strecken und Supersampling-Anti-Aliasing für Hi-DPI-Bildschirme. Die Github-Seite https://github.com/supertuxkart/stk-code bietet fertige Linux-Binarys.

Syncthing 2.0
Verzeichnisabgleich über das Internet
https://syncthing.net
Die Synchronisation von umfangreichen Verzeichnissen kommt mit Syncthing ohne zentralen Server aus. Das offengelegte, an Bittorrent angelehnte Block-Exchange-Protocol funktioniert per Peer-to-Peer vom eigenen Rechner aus. Syncthing 2.0 ändert das interne Datenbankformat zu Sqlite und verschärft die Verschlüsselung. Peers können sich nun gleichzeitig mit mehreren Instanzen verbinden. Der Entwickler liefert DEB-Pakete über ein eigenes Repository.

Ultimate Media Downloader 5.3
Downloadwerkzeug für Mediendateien
https://github.com/keshavbhatt/ultimate-media-downloader-linux
Social-Media-Seiten wie Instagramm, Facebook oder X machen es nicht leicht, Bilder oder Videoclips herunterzuladen. Der Ultimate Media Downloader versteht sich darauf, von nahezu 1500 Sites Medien zu extrahieren und auf dem lokalen System zu speichern. Es handelt sich um ein eigenständiges Programm, das außerhalb des Browsers läuft und die manuelle Eingabe einer URL erwartet. Es gibt zur Installation ein Flatpak und ein Snap für Ubuntu.

Videomass 6.1.13
Grafisches Frontend für Ffmpeg
https://jeanslack.github.io/Videomass
Ffmpeg – gerade erst in Version 8.0 erschienen – liefert die essenzielle Codecsammlung zur Aufnahme, Änderung und Konvertierung von Audio- und Videodaten. Im Terminal ist die Arbeit mit Ffmpeg aber komplex bis umständlich. Leichter macht es das grafische Frontend Videomass. Für typische Aufgaben wie Schneiden, Konvertieren, Extrahieren und Videofilter bietet es einfache Menüpunkte. Es gibt ein PPA für Ubuntu und ein Python-Paket für „pipx“.


