Rund vier Monate nach Digikam 8.6.0 haben die Entwickler bereits die Folgeversion 8.7.0 freigegeben. Eine Veränderung unter der Oberfläche ist die Portierung auf das grafische Toolkit Qt6. Die Software bleibt allerdings weiterhin mit der Qt-5-API kompatibel.
Digikam in wenigen Minuten ausprobieren
Wenn Sie Digikam 8.7.0 schnell testen wollen, ist die einfachste Methode der Download des Appimages (https://www.digikam.org/download). Bis die neue Version in den Paketquellen der Distributionen ankommt und freigegeben wird, wird noch einige Zeit vergehen. Nach dem Download müssen Sie die Datei wie üblich ausführbar machen, dies entweder im Dateimanager über „Eigenschaften“ oder im Terminal:
chmod +x digiKam-8.7.0-Qt6-x86-64.appimage
Anwender, die eine native Installation bevorzugen, können natürlich auch den Quelltext kompilieren. Mit dem Release sind auch neue Installationsdateien für Windows und den Mac veröffentlicht worden. Lediglich in der Mac-Version fehlt nach wie vor die Gatekeeper-Signatur des Programms, was die Installation für Einsteiger unnötig erschwert.
KI-Module: Wählen Sie, was Sie benötigen
Beim ersten Start der App kann der Anwender entscheiden, welche Zusatzprogramme heruntergeladen und eingebunden werden. Insgesamt betrifft dies elf Dateien mit 1,2 GB aus dem Bereich KI-Tools. Die verfügbaren Module umfassen die Gesichtserkennung für automatische Personenerkennung, die ästhetische Bewertung von Bildern, die automatische Vergabe von Stichwörtern basierend auf Bildinhalten sowie verschiedene Bildanalysewerkzeuge. Falls Sie diese Features nicht nutzen werden, sollten Sie diese beim Setup deaktivieren. Digikam funktioniert auch ohne diese KI-Erweiterungen. Alle KI-Verarbeitungsprozesse laufen ausschließlich auf Ihrem lokalen System. Sie behalten dadurch die volle Kontrolle über Ihre Daten und bleiben unabhängig von Internetverbindungen oder externen Diensten.

Automatische Bildrotation
Die herausragende neue Funktion von Digikam 8.7.0 ist das neue Plug-in zur automatischen Bildrotation. Es wurde entwickelt, um die Erkennung der korrekten Ausrichtung von Fotos durch Inhaltsanalyse mit Hilfe einer Deep-Learning-Engine zu automatisieren. Die neue Funktion untersucht den Bildinhalt und dreht jedes Foto in die korrekte Position. Sie finden das neue Tool im Stapelverarbeitungsmanager unter „Extras –› Stapelverarbeitung“. Im nachfolgenden Dialog wählen Sie dann in der rechten Seitenleiste das Register „Basis-Werkzeuge“. Unter „Umformen“ wählen Sie dann das Plug-in „Auto-Rotate“, das Sie dann in die zugewiesenen Werkzeuge ziehen können, um es im Rahmen eines Batchprozesses zu benutzen. Da das System mittels der KI automatisch die Orientierung des Materials erkennt und selbständig dreht, gibt es keine weiteren Optionen, die Sie anpassen müssen.

Ein neuer GPU-Test
Eine weitere Neuerung ist der GPU-Test für KI-Verarbeitung. Diese Funktion erreichen Sie über „Einstellungen –› DigiKam einrichten –› Verschiedenes“. Wechseln Sie dort in das Register „System“. Aktivieren Sie hier „Hardware-Beschleunigung OpenCL verwenden“, damit die nächsten Optionsfelder wählbar sind. Mit einem Klick auf „Test GPU AI compatibility“ erreichen Sie dann den gewünschten Test. Dieser überprüft, ob Ihr System die GPU zur Ausführung der KI-Modelle verwenden kann. Dazu werden die benötigten Bibliotheken und Treiber kontrolliert. Für optimale Leistung sollten Sie eine Grafikkarte mit Open-CL-Unterstützung verwenden, idealerweise eine Nvidia-Karte mit Cuda-Unterstützung.
Zudem benötigen Sie ausreichend Systemressourcen, denn Digikam braucht mindestens 4 GB RAM für die Standard-Fotobearbeitung, 8 GB für große Fotos oder Panoramaverarbeitung und 16 GB für KI-Funktionen. Bei der CPU sollten Sie für KI-Anwendungen wie Gesichtserkennung, Auto-Tags oder ästhetische Erkennung mindestens acht CPU-Kerne einplanen.
Gesichtserkennung und intelligente Verwaltung
Die Gesichtserkennung, die schon in Version 8.6.0 grundlegend überarbeitet wurde, hat weitere Verfeinerungen erhalten. In der neuen Version ist es möglich, die Suche nach Gesichtern automatisch neu zu starten, sobald neue Gesichter bestätigt und markiert werden. Das vereinfacht die Organisation erheblich. Digikam arbeitet damit so, wie Sie es von Onlinediensten gewohnt sind. Die Funktion aktivieren Sie ebenfalls über „Einstellungen –› Verschiedenes“. Da die Suche auch Ressourcen verbraucht, können Sie den Hintergrundscan auch deaktivieren.

Die Arbeit mit dem Modul erscheint jetzt praktischer. Lehnen Sie einen Gesichtsvorschlag ab, präsentiert Digikam automatisch den nächstbesten Treffer. Das System lernt aus abgelehnten Gesichtsübereinstimmungen und verbessert damit die Treffergenauigkeit. Sofern Sie mit der Gesichtserkennung einer früheren Version gearbeitet haben und diese als zu langsam empfunden haben, geben Sie der neuen Version eine Chance: Es geht jetzt wirklich deutlich schneller!
Weitere Neuerungen und Updates
Neben den KI-Verbesserungen hat Digikam auch einige technische Updates erhalten. Die neue Version erhielt ein Update des internen RAW-Decoders Libraw und das Exiftool zur Metadatenverwaltung wurde auf die neueste Version 13.29 aktualisiert. Praktisch ist zudem, dass die Appimage-Version sowie die Varianten für Mac-OS und Windows direkt aus dem Hilfemenü heraus nach aktualisierten Versionen suchen können.
Die Entwickler haben auch schon einen Ausblick auf kommende Versionen gegeben. Noch in diesem Jahr wird es eine Wartungsversion mit den üblichen Fehlerkorrekturen geben. Ideen für größere Releases gibt es bereits genug. Nicht überraschend sollen die KI-Funktionen noch weiter ausgebaut werden. In Aussicht gestellt wurde der Einsatz neuronaler Netze für Funktionen wie die Rauschminderung oder Farbkorrekturen. In umfangreichen Fotosammlungen könnte zudem eine KI-gestützte Suche weiteren Komfort bieten. Statt sich allein auf Schlagwörter oder Alben zu verlassen, wäre dann auch eine Abfrage wie „Sonnenuntergang Strand“, „Kinder im Garten“ oder „Alle Sehenswürdigkeiten“ möglich. Gerade vor dem Hintergrund, dass das Fotomaterial und die KI das eigene System nicht verlassen, dürften solche Funktionen viele Anwender interessieren.

