Software | Stephan Lamprecht | 5/2025 | 25. Juli 2025

Neu: KDE Plasma 6.4

Die neue Version der 6.4 der KDE-Arbeitsfläche ist erschienen und wird ab jetzt den Weg in die offiziellen Paketquellen finden. Wir stellen die interessantesten der neuen Funktionen vor.

Die neue Version der 6.4 der KDE-Arbeitsfläche ist erschienen und wird ab jetzt den Weg in die offiziellen Paketquellen finden. Wir stellen die interessantesten der neuen Funktionen vor.

Bei Desktops, die seit Jahrzehnten in der aktiven Entwicklung sind, ist von neuen Versionen selten eine Revolution zu erwarten. Auch KDE Plasma 6.4 bleibt sich treu, bietet aber zahlreiche kleinere Verbesserungen und Funktionen, die den Bedienkomfort erhöhen oder einfach nur gut aussehen. Eine Neuerung könnte unter dem Motto „Was lange währt, wird endlich gut“ stehen. Seit der ersten KDE-Version wurden die Nutzer bei jedem Drag & Drop von Dateien gefragt, ob die Dateien nun kopiert, verschoben oder verknüpft werden sollen. Das bleibt auch unter Plasma 6.4 noch so, jedoch kann man nun in den Systemeinstellungen (unter „Allgemeines Verhalten“) einstellen, dass bei Aktionen auf dem gleichen Datenträger automatisch verschoben wird, andernfalls kopiert. Wer die bisherigen Auswahloptionen weiterhin sehen will, muss die Umschalttaste drücken.

Neues Fenstermanagement

Manche nutzen virtuelle Desktops gar nicht, für andere sind die Wunderwaffe schlechthin, wenn es um Multitasking-Organisation geht. Eine der größeren Neuheiten von Plasma 6.4 ist die Möglichkeit, jedem virtuellen Desktop ein eigenes Kachellayout zu verpassen. Während dann etwa der Desktop eins mit geteilten Fenstern arbeitet (etwa Textverarbeitung und Browser nebeneinander), kann Desktop zwei eine freie Anordnung nutzen. Die Optionen zur Einrichtung erreichen Sie mit der Tastenkombination Super-T (die Super-Taste ist die Windows-Taste auf typischen, für Windows entwickelten Tastaturen). Apropos Fenster: Die Entwickler verabschieden sich langsam, aber sicher von X11/Xorg in Richtung Wayland. Der Support für das inzwischen in die Jahre gekommene Fenstersystem X11 soll aber erst mit der kommenden Version 7 endgültig enden.

K-Runner und Spectacle mit neuen Funktionen

K-Runner ist der bekannte Launcher von KDE Plasma, der nach der Tastenkombination Alt-Leertaste erscheint. Damit lassen sich nicht nur Programme starten, er übernimmt auch die Rolle eines Taschenrechners und kann ab dieser Version die Farben für einen eingetragenen Farbwert (Hex- oder RGB-Code) anzeigen. Bei der Eingabe veralteter Maßangaben rechnet das Tool diese in moderne Einheiten um. Es lohnt sich wirklich, sich mit dem Tool zu beschäftigen.

Spectacle: Ein neues Gesicht und einen neuen Ablauf hat das Screenshotwerkzeug Spectacle erhalten. Das Tool startet jetzt ohne eigenes Fenster. Vielmehr ist es nach Drücken der Taste „Druck“ direkt im Aufnahmemodus (ähnlich wie das Tool von Windows). Sie können sofort Teile des Screenshots unkenntlich machen, Anmerkungen hinzufügen oder mit der freien Hand etwas markieren. Klicken Sie auf das Speichern-Symbol, wird das so bearbeitete Bildschirmfoto standardmäßig im Bilderordner abgelegt.

Der Launcher K-Runner ist wieder etwas schlauer geworden und kann jetzt die Farben darstellen, die einem Hex- oder RGB-Code entsprechen.

HDR und Farbmanagement: Grafikdesigner, Videoeditoren und anspruchsvolle Gamer dürfen sich über das professionelle Farbmanagement von Plasma 6.4 freuen. Ein neuer HDR-Kalibrierungsassistent in den Systemeinstellungen optimiert die Farben und Helligkeit für HDR-Displays. Die Optionen werden indes nur dann angezeigt, wenn ein HDR-Monitor vorliegt und erkannt wurde. In den Anzeigeoptionen können Sie unabhängig von HDR wählen, ob Ihnen bei der Darstellung die Farbgenauigkeit oder die Leistung wichtiger ist.

Zuckerwerk fürs Auge

Wer schon länger dabei ist, kann sich vielleicht noch an den Aufschrei erinnern, den die erste Plasma-Version bei Liebhabern puristischer Looks hervorgerufen hat. Plasma war verglichen mit dem strengeren Gnome optisch schon immer auffälliger. Natürlich benötigt niemand die neuen dynamischen Hintergrundbilder, wie sie Windows und Mac-OS verwenden. Aber schön sind sie dann doch. Damit sich das Hintergrundbild in Abhängigkeit vom eingestellten Modus und der Tageszeit verändert, müssen Sie unter „Hintergrundbild“ in den Einstellungen eines auswählen, das mit einem passenden Symbol und einer zweigeteilten Vorschau versehen ist.

Noch eine Kleinigkeit aus der Abteilung „Eye Candy“: Das Breeze-Dark-Theme wurde nochmals etwas dunkler gemacht. Es gibt einen verbesserten Kontrast zwischen Vorder- und Hintergrund, was sich bei längeren Sitzungen positiv bemerkbar machen soll. Müssen Sie ein Passwort in einen Dialog eingeben, verdunkelt sich der Bildschirm noch etwas mehr, damit der Fokus auf den Eingabedialog fällt. Eine letzte kleine Spielerei kennen die Nutzer eines Apple-Geräts vermutlich: Gerade installierte Programme werden mit einer kleinen Markierung hervorgehoben. Unter KDE Plasma erhalten frisch installierte Anwendungen ein farbiges „Neu“ im Hauptmenü.

Hübsche Spielerei: Dynamische Hintergrundbilder können im Tagesverlauf ihr Aussehen wechseln.

Mehr Übersicht für Poweruser

Viele Systemindikatoren belegen Platz im (rechten) Systray-Bereich der Kontrollleiste. Solche Indikatoren sind grundsätzlich nützlich, aber nicht alle der kleinen Icons liefern Informationen, die jeder Benutzer braucht. Einige Apps bieten in ihren Einstellungen eine Option, um sie aus der Kontrollleiste zu verbannen. Das neue KDE hat nun zusätzlich eine Funktion in den Systray-Optionen integriert, mit der Sie unabhängig von Einstellungen der jeweiligen App die Anzeige eines Elements unterbinden können. Dazu klicken Sie im Systray am besten auf den Pfeil für ausgeblendete Symbole und im nachfolgenden Dialog einmal auf die beiden Schieberegler. Im nachfolgenden Fenster wechseln Sie dann in den Abschnitt „Einträge“. Zu jedem Indikator können Sie unter „Sichtbarkeit“ festlegen, ob das Symbol erscheinen soll. Nutzen Sie die Funktion aber mit Vorsicht. Einige Apps sind so programmiert, dass sie nicht korrekt funktionieren, wenn es kein Tray-Icon gibt. Sollte es also nach dem Ausblenden einer App ein Problem geben, machen Sie dies wieder rückgängig.

Für mehr Übersicht und bessere Informationen sorgen auch Verbesserungen der Leisten-Widgets. Bei einer laufenden Dateiübertragung zeigt „Details“ die aktuelle Geschwindigkeit als Grafik. So haben Sie bessere Kontrolle, wann eine Datei auf einer externen Platte oder einem USB-Stick landet. Die Bluetooth-Anzeige liefert eine Übersicht der verbundenen Geräte. Über das Widget für Festplatten erreichen Sie nun auch eine Zustandsprüfung.

Die Icons im Systray-Bereich können ausgeblendet werden – unabhängig von einer entsprechenden Funktion der App.

Wo gibt es das neue KDE 6.4?

Bei Redaktionsschluss war Plasma 6.4 erst wenige Tage freigegeben. KDE-Editionen bekannter Distributionen wie Kubuntu werden den neuen Desktop daher erst in den kommenden Versionen an Bord haben. Wer KDE 6.4 sofort haben will, kann sich KDE Neon installieren (https://neon.kde.org/), das bekanntlich immer neuestes KDE Plasma anbietet.