Allgemein | Hermann Apfelböck | 5/2025 | 25. Juli 2025

Standards für Linux

Systemd ist eines der renommiertesten Linux-Projekte. Die Init-Software bietet eine
zuverlässige und umfangreiche Basis unabhängig vom jeweiligen System und hat das Potenzial, das Linux-Ökosystem zu standardisieren. „Einfach“ ist Systemd freilich nicht.

Systemd ist eines der renommiertesten Linux-Projekte. Die Init-Software bietet eine
zuverlässige und umfangreiche Basis unabhängig vom jeweiligen System und hat das Potenzial, das Linux-Ökosystem zu standardisieren. „Einfach“ ist Systemd freilich nicht.

Linux ist heterogen: Es gibt verschiedene Distributionen, Desktops, Paketformate, Init-Daemons, Installer, Dateisysteme. Es gibt sudo oder root (oder sudo mit root), unterschiedliche Bootmanager und unterschiedliche Reichweite und Bedienung der grafischen Systemwerkzeuge. Das alles ist anstrengend für Benutzer, Entwickler, Admins, und man wird selbst bei Profis eine erstaunliche Treue zu einer vertrauten Linux-Umgebung beobachten.

Standardisierung ist aber seit Jahren im Gange und im Wachsen: Systemd als Chef-Prozess „1“ mit erheblichem Funktionsumfang ist inzwischen der Quasistandard unter Linux: Distrowatch meldet 215 aktive Linux-Distributionen mit der Init-Software Systemd und nur noch 82 mit einem anderen Init-Daemon („not systemd“). Das Verhältnis ist umso bemerkenswerter, als „not systemd“ ja eine ganze Reihe von verschiedenen Init-Daemons zusammenfasst. Geht man die beiden Listen genauer durch, wird man obendrein feststellen, dass die Non-Systemd-Systeme außer Devuan, MX Linux, Antix und Peppermint-OS praktisch nur Exoten und Livesysteme wie Puppy, Porteus, Slax enthalten. Fast alles, was als Desktop oder Server Rang und Namen hat, setzt also inzwischen auf Systemd.

Wäre Systemd eine bescheidene Init-Software wie seine Vorgänger, wäre es kein ganz großes Thema. Aber Systemd übernimmt das halbe System: Es vereinheitlicht Diensteverwaltung, Systemlogging, Netzwerkverwaltung und Timerautomatismen.

Das Potenzial zur Standardisierung und Homogenisierung für die Zukunft ist aber noch weit größer. Denn noch schleppen alle Distributionen die Altlasten mit und scheuen den Schritt zu einem puren Systemd-System. So bleibt der Bootmanager Grub weiterhin Standard (statt Systemd-boot), und für statische Laufwerke dient wie gewohnt „/etc/fstab“ (das Systemd-mount in eigene Mounts übersetzt). Crontab, Anacron, At sind an Bord, obwohl Systemd-Timer deren Aufgabe besser erledigen. Netzwerkprogramme wie ifconfig oder resolvconf und Dienstetools wie service bleiben weiter erhalten, obwohl all das Systemd übernehmen könnte. Auch auf Tools wie Shutdown oder Reboot wäre Systemd nicht angewiesen.

Der Schwerpunkt ab Seite 40 erklärt die Reichweite von Systemd, zahlreiche seiner nützlichen Hilfsprogramme und das Einrichten eigener Systemd-„Units“.

Noch eine Anmerkung: Standardisierung hat natürlich auch Kehrseiten: Die Angriffsfläche für Malware wächst mindestens theoretisch, wenn auf allen Distributionen ein Systemd zu erwarten ist. Außerdem entsteht eine Abhängigkeit der Distributionen von einer mächtigen Systemkomponente. Und das mag die freiheitsliebende Open-Source-Gemeinde bekanntlich gar nicht.

„Ein Leben ohne Cloud“

In einem zweiten und umfangreicheren Special dieser LinuxWelt geht es ab Seite 20 um die vielseitigen Einsatzgebiete selbst verwalteter Homeserver. Welche Hardware ist geeignet, welches Linux-System? Wie richten Sie Daten-, Foto- und Streamingserver optimal ein? Welche Möglichkeiten bieten Webserver mit Apache/Nginx als Info-zentralen und für eine Zusammenarbeit im Team? Und sobald die eigenen Serverdienste das sichere lokale Netzwerk verlassen und via Internetzugriff die Unabhängigkeit von Cloudanbietern bieten sollen, sind weitere Maßnahmen notwendig: Das Special erklärt, wie der Homeserver über das Web von außen erreichbar wird und wie Sie die dann deutlich höheren Sicherheitspflichten erfüllen.

Heft-DVD mit fünf Distributionen

Die Heft-DVD startet die rechts im Bild und unten in der Liste angegebenen Distributionen. Fedora 42 und Anduin-OS bieten die für Desktop-Linux typische Kombination aus Livesystem (zum Ausprobieren) mit integriertem Setupprogramm zum Installieren. Debian 13 ist ein pures Setupprogramm zum Einrichten und das Rettungssystem 11 der Redaktion dient als ein reines Livesystem für Reparaturen und Notfälle. Als Bonus ist auch noch das Serversystem Open Media Vault 7.4 (OMV) als ISO-Image auf DVD, das zur Installation auf USB-Stick übertragen werden muss.

Die Benutzung der DVD ist einfach: Inhalte wie PDFs, Software, Distributionsbeschreibungen und das OMV-ISO erreichen Sie mit jedem System nach Einlegen der DVD im Dateimanager. Um hingegen Livesysteme oder ein Tool wie Super Grub zu starten, müssen Sie den Rechner mit der DVD booten. Standardmäßig geschieht dies bei eingelegter DVD automatisch. Falls nicht, rufen Sie beim Start per Tastendruck (F2, F8, F12, Esc?) das Bios-Bootmenü auf und wählen hier das DVD-Laufwerk. Bei der Nutzung eines Livesystems bleibt das bisher installierte System unberührt. Das ändert sich erst, wenn Sie aus einem Livesystem den dort enthaltenen Installer starten. Falls Sie Dualboot neben einem bestehenden System planen, müssen Sie Klarheit haben, in welchem Modus (Bios/Uefi) jenes installiert ist, und dann im selben Modus installieren. Die Heft-DVD beherrscht Bios- und Uefi-Boot.

Die Download-DVD: Auf https://www.linux welt.de/dvd0525/ erhalten Sie alle ISO-Abbilder, Tools und DVD-Inhalte der Heft-DVD auch als Download. Zusätzlich gibt es dort ein weiteres Multiboot-Image mit folgenden (Live-)Systemen: Kanotix „Slowfire“ ist der legitime Nachfolger von Knoppix und kann auch regulär installiert werden. Kanotix ist – wie das ebenfalls vertretene Puppy „Bookworm“ – eines der verbliebenen 32-Bit-Systeme für betagte Hardware (siehe Artikel Seite 18: „Das letzte Wort zu 32 Bit“). Das Live-Reparatursystem GRML 2025.05 und das primär als Surf- und Zweitsystem konzipierte Porteux 2.1.1 ergänzen das Multiboot-ISO-Image.

Weitere Infos zur Download-DVD lesen Sie auf Seite 13, dort auch den Anmeldenamen und das Kennwort für den Zutritt auf https://www.linuxwelt.de/dvd0525/.

Bootauswahl der DVD: Ein Neuling ist Anduin-OS, das den Gnome-Desktop auf Windows-11-Mimikry trimmt. Das zusätzlich enthaltene ISO-Image für Open Media Vault bootet nicht von der DVD, aber nach Kopie auf USB-Stick.

Auf DVD

Distributionen
10 Fedora Linux 42 (KDE)

Jüngstes Fedora mit brandaktuellem KDE Plasma 6.4 und aktualisierter Software inkl. Kernel 6.15
11 LinuxWelt-Rettungssystem 11
Aktualisiertes Reparatursystem mit XFCE 4.20, Browserauswahl und Bitlocker-Unterstützung
12 Anduin-OS 1.3
Ubuntu-basiertes Desktopsystem für Umsteiger mit Windows-11- ähnlicher Bedienung
12 Debian 13 „Trixie“ (Installer)
Frühes Angebot für Debian 13:
Installer für die finale Version
Bootfähige Helfer
Supergrub, Memtest, HDTl, Plop-Bootmanager, Shred-OS, Netboot.xyz u.a.
Software und Scripts
Imagingtools, SSH-Werkzeuge, Bittorrent-Client, Packer und Scripts
LinuxWelt Digital XXL 2025-04
343 aktualisierte Seiten mit Grundlagen, KI-Special, Terminal-Guide,
Desktop- und Distributionsratgeber
Extra: ISO-Installer für Open Media Vault