Software | David Wolski | 2/2025 | 31. Januar 2025

Neue Software in der Linuxwelt 02/2025

Es gibt nicht nur Schwergewichte wie Libre Office, Gimp und OBS Studio in neuen Versionen. In der Vorstellung von Aktualisierungen und Neuerscheinungen von Open-Source-Software sind auch wieder viele kleinere Kostbarkeiten vertreten.

Dunkle Wolken ziehen für die Open-Source-Entwicklung über dem europäischen Blau herauf: Eine neue Richtlinie zur Produkthaftung für Softwareentwicklung wird die Regeln im europäischen Raum drastisch verschärfen: Die Haftung bezieht Distributionen und Programme aller Art ein – bei Schäden durch Bugs und auch bei immateriellen Verlusten wie etwa den Verlust persönlicher Daten. Das bietet großen Interpretationsspielraum und bedeutet eine drastische Verschärfung bisheriger Regeln.

Zu höherer Sorgfalt verpflichtet

Dagegen wäre wenig einzuwenden – zumal auch namhafte Hersteller immer wieder fahrlässig handeln und bereits bekannte Bugs ausliefern. Über die EULA (End User Licence Agreement) oder mittels Wartungsverträgen konnten sich auch kommerzielle Anbieter vor Schadensersatz drücken. Damit ist es bald vorbei, sobald die neue EU-Produkthaftung in den nationalen Gesetzen verankert wird. Das wird bis zu 24 Monate dauern und gewährt im Detail auch noch Spielräume. Die Open-Source-Szene muss darauf hoffen, dass die jeweiligen Legislativen diese Spielräume ausschöpfen, um der freien Softwareentwicklung und deren Distributoren Ausnahmen von der Produkthaftung zu gewähren. Denn die neuen Richtlinien umfassen zunächst auch Open-Source-Programmbibliotheken und andere verwendete Komponenten. Ein Ausschluss der Haftung in der GPL, BSD- und MIT-Lizenz und anderen Vereinbarungen ist dann nicht mehr gültig. Sitzen die Entwickler im nicht-europäischen Ausland, so soll der Anbieter oder Distributor stattdessen haften, schlimmstenfalls sogar Betreiber von Websites, welche Open Source zum Download anbieten. Es ist klar, dass nicht-kommerzielle Anbieter dieses Risiko nicht eingehen werden.

Open Source unter Druck

Es gibt Hoffnung auf eine Entschärfung für Open Source, denn Ausnahmen sind schon vorgesehen. Hersteller, Anbieter und Distributoren, die als Stiftung oder Verein als gemeinnützig registriert sind, sind von der neuen Produkthaftung ausgenommen. Das bedeutet, dass etwa der Linux Foundation, der Document Foundation oder auch KDE e.V. keine Gefahr durch Klagen drohen. Nicht ausgenommen sind jedoch Anbieter, die auch kommerzielle Interessen vertreten. Ein Beispiel dafür ist Opnsense aus den Niederlanden: Die Firewalldistribution ist zwar frei verfügbar, hat aber auch einen kommerziellen Vertrieb mit Support und Hardwareprodukten. Ähnliches gilt für Collabora, Nextcloud und für fast alle Anbieter von Linux-Distributionen in der EU, die nicht als Stiftung organisiert sind. 

Besonders hart trifft es Open-Source-Einzelkämpfer, die auf eigene Faust Programme unter einer Lizenz wie GPL anbieten und optional kostenpflichtigen Support liefern. Solche Anbieter müssen sich nun etwa mit einer Haftpflichtversicherung gegen Risiken absichern. Ob solche Software dann noch frei bleiben kann, muss die Kalkulation der Entwickler zeigen. Noch sind die EU-Richtlinien keine verbindlichen Gesetze. Weitere Ausnahmen für Open-Source-Software, die zu Informations- und Bildungszwecken vertrieben wird, wären zu wünschen.

Fish Shell 4.0

Einsteigerfreundliche Bash-Alternative
https://fishshell.com

Die Fish Shell, eine Bash-Alternative  mit etlichen Hilfestellungen, hat sich neu erfunden und ist jetzt in Rust geschrieben. Syntaxhervorhebung und Autovervollständigung erleichtern die Benutzung. Andererseits ist die Shell nicht vollständig kompatibel zur Bash, was etwas Umgewöhnung erfordert. Zu den Verbesserungen für Anwender gehören Aufräumarbeiten unter den Tastenkombinationen. Pakete gibt es für alle verbreiteten Distributionen. 

Sympathische Shell: Fish senkt als interaktiver Kommandointerpreter die Einstiegshürden durch viele Hilfestellungen.

Gamemode 1.8.2

Sammlung automatischer Tweaks für Spiele
https://github.com/FeralInteractive/gamemode

Desktopsysteme bieten Gamern nicht immer die besten Voraussetzungen mit den Standards von CPU und Grafikchip. Die Entwickler von Feral Interactive haben eine Tweak-Sammlung erstellt, die Linux-Systemen zum Start von Spielen mehr Leistung entlockt. Das Gamemode-Script wird dem Aufruf von Spielen vorangestellt und setzt dann passende Parameter für CPU und GPU. Gamemode ist in den Quellen von Fedora 41, Ubuntu 24.10 und Arch bereits enthalten. 

Volle Kraft voraus: Gamemode ist ein Python-Script mit bewährten, allgemeinen Leistungs-Tweaks zum Ausführen von Spielen.

Gaia Sky

3D-Simulation von Sonnensystem und Milchstraße
https://zah.uni-heidelberg.de/gaia/outreach/gaiasky

Zur Visualisierung der Daten aus der Mission Gaia der European Space Agency entwickelt die Uni Heidelberg seit zehn Jahren Gaia Sky. Es liefert eine fotorealistische 3D-Welt des Sonnensystems und der Milchstraße zur Erkundung von Planeten und Sternen. In der Datenbank befinden sich 1,5 Milliarden Objekte. Die umfangreichen Datensätze liegen in Form von Modulen als separate Downloads vor. Das Programm ist als Binary, Appimage und Flatpak verfügbar. 

Greift nach den Sternen: Gaia Sky visualisiert die astronomischen Daten der Raumsonde Gaia, die 2014 bis 2019 in Betrieb war.

Gimp 3.0

Neue Hauptversion der Grafikbearbeitung
www.gimp.org

Viele Open-Source-Projekte bewegen sich langsam, aber Gimp nimmt sich extra viel Zeit: 20 Jahre dauerte der Sprung von Version 2.0 zu 3.0. Neu ist Unterstützung für den CMYK-Farbraum und für TIFFs von Photoshop mit mehreren Ebenen. Für Filter und externe Plug-ins gibt eine neue API. Die überarbeitete Oberfläche unterstützt nun Hi-DPI. In Fedora 41 ist Gimp 3.0 schon als Update verfügbar, Ubuntu und Debian werden demnächst  nachziehen. 

Prächtige Pixel: Nach Jahrzehnten langsamer Fortschritte will Gimp ab Version 3.0 nun auch wieder semiprofessionelle Ansprüche erfüllen.

Libre Office 25.2

Neue Ausgabe der freien Bürosuite
https://de.libreoffice.org

Ein halbes Jahr nach der letzten Hauptversion ist Version 25.2 ein kleines, braves Update. Der Writer entsorgt einen Bug bei der Substitution von Schriftarten beim Word-Import und wählt nun korrekt eine ähnliche Schrift. An der Oberfläche gibt es eine Neuanordnung von Menüreitern in einer Seitenleiste und die Liste zuletzt geöffneter Dokumente kann nun für jede Komponente separat begrenzt werden. DEB- und RPM-Pakete liegen zum Download vor. 

Stabile Seitenlage: Reiter (Tabs) in allen Einstellungsmenüs zeigt Libre Office nun schön aufgeräumt in einer vertikalen Menüleiste.

Lyx 2.4.2

Textverarbeitung und Formeleditor für Latex
www.lyx.org/WebDe.Home

Naturwissenschaftliche Texte sollen oft im Format Latex vorliegen, das Formeln und Diagramme im Satzspiegel präzise darstellt. Lyx ist eine grafische Textverarbeitung mit Formeleditor nach dem Prinzip „What you see is what you get“ und erlaubt die Eingabe in Latex-Syntax. Zudem kann Lyx Latex-Diagramme von Fig und Dia übernehmen. Lyx exportiert in verbreitete Formate wie Word, RTF, HTML, Open Document und PDF. Fertige Pakete liefert die Website. 

Weiter im Text: Lyx ist perfekt für den Einstieg in die Dokumenterstellung im Format Latex, das für komplexe Dokumente geschaffen ist.

OBS Studio 31

Neue Ausgabe der freien Bürosuite
https://de.libreoffice.org

Ein halbes Jahr nach der letzten Hauptversion ist Version 25.2 ein kleines, braves Update. Der Writer entsorgt einen Bug bei der Substitution von Schriftarten beim Word-Import und wählt nun korrekt eine ähnliche Schrift. An der Oberfläche gibt es eine Neuanordnung von Menüreitern in einer Seitenleiste und die Liste zuletzt geöffneter Dokumente kann nun für jede Komponente separat begrenzt werden. DEB- und RPM-Pakete liegen zum Download vor. 

Gut gestreamt: Zur Videoproduktion mit mehreren Kameras oder einfach am Bildschirm ist OBS Studio das wichtigste Werkzeug.

Sports Tracker 8.0

Java-Programm zur Auswertung von Fitnesstrackern
www.saring.de/sportstracker

Ohne Cloud, auf dem eigenen Linux-Rechner, wertet dieses Programm die Kreislauf- und GPS-Daten mitgeführter Sporttracker aus und visualisiert diese. Das Tool versteht sich auf das XML-Format von Garmin, Polar, Timex, Ciclosport, Holux und Suunto und zeigt bei Geräten mit GPS-Modul die Strecken anhand von  GPX-Dateien in Open Streetmap. Version 8 nimmt neue Geräte von Oregon und Kalenji mit auf. Für Ubuntu gibt es Pakete über die Website. 

Macht sich fit für 2025: Der Sports Tracker speichert die ausgewerteten Daten auf dem eigenen (Linux-) Rechner in einer Sqlite-Datenbank.

Tahoma 2D 1.5

Freie Software für 2D-Animationen
https://tahoma2d.org

Diese Animationssoftware ist eine Abspaltung von Toonz Studio (Ghibli Studios), dem japanischen Animationsstudio von Klassikern wie „Das wandelnde Schloss“. Tahoma 2D ist für handgezeichnete oder digital geschaffene Grafiken gleichermaßen geeignet und unterstützt Zwiebelhaut-Animationen. Ein Szenen-Modeller mit Effektbibliothek gibt die Bilder in beliebigen Videoformaten mittels
Ffmpeg aus. Für Linux liegt Tahoma 2D als fertige Binary vor. 

Tahoma 2D ist ein komplettes Animationsstudio mit Projektverwaltung für komplexe Szenen, bewahrt sich aber eine intuitive Bedienung.

Thunderbird 8.2 Android

Android-Ausgabe des populären Mailprogramms
https://m6u.de/tbird8

Um Thunderbird auf Android zu portieren, hat sich die Tochterfirma MZLA der Mozilla Foundation mit dem Android-Client K9 Mail zusammengetan. Das jetzt erschienene, zweite Bugfix-Release verbessert die Anbindung der Google-Server. Bei Einrichtung mehrerer Konten sind diese nun optisch besser zu unterscheiden. Die Entwickler geben an, seit Version 8.0 etliche Absturzursachen beseitigt zu haben. Thunderbird ist im Google Play Store verfügbar. 

Thunderbird auf Android ist flügge: Der Client ist mit K9 Mail verschmolzen, unterstützt mehrere Accounts sowie Open GPG.

Timeshift 24.06.5

Backups zur Systemwiederherstellung
https://github.com/linuxmint/timeshift

Das Programm für Debian, Ubuntu, Mint und Arch ist von der Windows-Systemwiederherstellung und von Apples Time Machine inspiriert. Es erstellt Momentaufnahmen des Dateisystems per Rsync, bei BTRS-Partitionen über deren Snapshotfunktion. Time­shift kann daher frühere Systemzuustände wieder herstellen. Die Entwicklung liegt inzwischen beim Team von Linux Mint, wo  Timeshift in neuester Version schon vorinstalliert ist (Linux Mint 22.1). 

Timeshift dreht Systeme zurück: Kommt BTRFS als Dateisystem zum Einsatz, kann Timeshift per Grub 2 direkt in alte Systemzustände booten.

Zulip 9.3

Messengingserver als Ersatz für Slack
https://zulip.com/self-hosting

Der Messengerdienst mit Diskussionsforum für Teams wird als Clouddienst von Dropbox bereitgestellt. Zulip gibt es aber auch als komplett freie Community-Edition für den eigenen Server. Das neue Zulip 9.3 passt seine Nomenklatur für Foren und Konversationen an die ähnlichen Dienste Slack und Discourse an. Wie es im Internet aussieht, zeigt eine Demo unter https://chat.zulip.org, aber es gibt auch Apps für Android und iOS. 

Perfekt und sicher parlieren in Teams: Zulip ist eine Kommunikationsplattform für Teams für die sichere Kommunikation.