„Künstliche Intelligenz“ ist das IT-Schlagwort der Stunde und in der Tat leisten ChatGPT & Co. Erstaunliches. Aber können die KI-Assistenten auch bei der Internetsuche helfen? Oder liefern sie gar bessere Ergebnisse als der Platzhirsch? Wir machen den Praxis-Check.
Das Verb „googeln“ steht nun seit genau 20 Jahren im Duden – etwas im Internet nachschlagen oder suchen ist also längst Alltag. Doch die klassische Websuche verändert sich durch die neuen KI-Tools rasant. ChatGPT von Open AI, Copilot von Microsoft und Gemini von Google generieren nicht nur Texte und Bilder, sondern beantworten auch Fragen aller Art. Und machen damit im Grunde das Gleiche wie die klassische Internetsuche.
Diese neue Konkurrenz setzt Google unter Druck, schließlich generieren die Werbeanzeigen in der Suche beim Mutterkonzern Alphabet rund zwei Drittel des Umsatzes. Wenn KI künftig schnell konkrete Fragen beantwortet, verlieren die Links der Suchtreffer und damit auch die daneben platzierte Werbung an Bedeutung. Außerdem: Googles Suchmaschine hat hierzulande einen Marktanteil von rund 90 Prozent. Die große Mehrheit der Nutzer „googelt“ bei der Websuche also im wahrsten Sinne. Trotzdem ist die Suche auch nach fast 30 Jahren Entwicklung und Optimierung nicht perfekt. Diese Erfahrung machen alle, die in der Trefferliste den x-ten Link anklicken und trotzdem nicht beim Gesuchten landen. Eine Alternative zu Google ist somit willkommen.
Die KI-Tools sind kostenlos und einfach zu bedienen
Inzwischen sind mit den Chatbots Suchalternativen verfügbar, die anders und unter Umständen besser arbeiten. Wir haben ChatGPT, Copilot in Microsoft Edge und Gemini von Google auf den Zahn gefühlt. In unzähligen Alltagssuchanfragen mussten die drei Testkandidaten zeigen, was sie im Vergleich zur Google-Suche leisten.
Nun also los! Voraussetzung für die Nutzung ist jeweils ein kostenloses Onlinekonto beim jeweiligen Dienst, also bei ChatGPT (https://chatgpt.com), Copilot (https://copilot.microsoft.com) oder Gemini (https://gemini.google.com). Die Nutzung ist gratis, nur die Pro-Versionen mit zusätzlichen Funktionen kosten. Grundsätzlich können Sie mit den Assistenten wie mit Personen „sprechen“, ein Mikrofon vorausgesetzt sogar im wahrsten Sinn. Formulieren Sie Ihre Suche im Browser am PC oder in den jeweiligen Smartphone-Apps also ganz natürlich.
Helfen die KI-Assistenten bei der Internetsuche im Alltag?
Absolut, allerdings nicht immer. Beginnen wir mit einem Wow-Effekt: Während die Google-Suche vor der Fußball-EM im Sommer auf die Frage, ob nach einem Elfmeter-Schießen die Tore aus den 120 Minuten zuvor zum Ergebnis dazuzählen, auch nach 20 Minuten kein eindeutiges Ja oder Nein ergab, zeigte der KI-Chatbot Gemini in Sekundenschnelle die richtige Antwort.

Dagegen fielen die KI-Ergebnisse bei der testweisen Suche nach einem Hotel an der Grenze von Salzburg und Steiermark ernüchternd aus: Keiner der Assistenten fragte nach genauem Reisetermin, Personenzahl und Ähnlichem, was auf Buchungsplattformen an erster Stelle steht. Stattdessen erschien jeweils eine Handvoll scheinbar willkürlich ausgewählter Hotels. Angaben wie „kostenloses WLAN“ oder „Ideal für Sommeraktivitäten und Wintersport“ bei Copilot und ChatGPT sind wertlos, Gemini ist mit Zimmerpreisen immer hin etwas genauer. Gut, dass es weiterhin Google Maps gibt (www.google.com/maps): Dort genügt es, im Suchfenster „Hotel“ und die gewünschte Gegend oder Stadt einzugeben, schon sieht man auf der Übersichtskarte Lage, Preise und Bewertungen der Hotels. Gibt man konkrete Reisedaten ein, kommt sogar eine Verfügbarkeitsprüfung hinzu.
Allerdings ist Google in Sachen Reisen keinesfalls immer besser. So listen die KI-Assistenten auf die Frage nach den Sehenswürdigkeiten einer Stadt die Highlights inklusive kurzer Beschreibung direkt auf, bei Gemini sogar bebildert. Die klassische Internetsuche erfordert mindestens einen zusätzlichen Klick, bietet dann jedoch in aller Regel ausführlichere Informationen. Besser oder schlechter gibt es hier nicht, die KI sorgt hier für den schnellen Überblick, die Websuche zeigt mehr Inhalte.
Ein weiteres Beispiel: Niemand wartet gerne lange bei der Post, an der Ladenkasse oder sonst wo. Da hilft die Liveanzeige in Google Maps, sie zeigt die aktuellen Kunden- oder Besucherzahlen an. Lassen sich diese vorhandenen Infos auch per KI anfragen? Nein, alle drei Assistenten passen, selbst das Google-eigene Gemini. ChatGPT hat immerhin einen wertvollen Tipp parat: „Die beste Möglichkeit, die aktuelle Lage zu überprüfen, ist die Nutzung von Google Maps …“.
Bei technischen Fragen zeigen ChatGPT & Co. ihre Stärke
Zum Aufrüsten des PCs bietet sich neben mehr Hauptspeicher und neuer SSD ein schnellerer Prozessor an. Weil der aber zum Mainboard und zum Uefi/Bios passen muss, ist die Kompatibilitätsfrage durchaus komplex. Also geben wir die Frage „Welche Prozessoren passen auf das Mainboard Gigabyte …“ an die KI-Assistenten weiter. ChatGPT listet zum herausgesuchten Modell eine Reihe Prozessoren auf, weist aber darauf hin, dass manche CPUs ein Firmwareupdate benötigen. Für detaillierte Kompatibilitätslisten und das Bios-Update wird zur Webseite des Boardherstellers verlinkt. Bei Copilot und Gemini fehlen zwar die Updatehinweise, die Kompatibilitätslinks gibt es auch hier. Tippt man die gleiche Frage in die Google-Suche ein, findet sich dort zwar ebenfalls der Link zum Hersteller – den muss man jedoch mühsam zwischen vielen Onlineshops suchen.

Zum Schluss eine praktische Frage: Stellen Sie sich kurz vor, Sie schwankten beim Kleinwagenkauf zwischen einem VW Polo und einem Skoda Fabia. Die Größe ist bei Kleinwagen besonders wichtig, deshalb möchten Sie wissen, welches der beiden Modelle größer ist. Das ist insofern eine perfekte Frage für die KI, als die Abmessungen der Fahrzeuge online natürlich vorliegen und von der KI nur noch verglichen werden müssen.
Besonders gut löst Gemini diese Aufgabe. Die Google-KI listet die Maße auf und zieht das richtige Fazit: „… der Fabia bietet also etwas mehr Platz im Innen- und Kofferraum, besonders wenn die Rücksitze umgeklappt sind“. Googles herkömmliche Websuche zeigte das gleiche Ergebnis ebenfalls direkt per Snippet an.
Fazit
Wer ist nun Testsieger? Die Beispiele zeigen, dass mal die KI, mal auch die klassische Google-Suche die bessere Wahl darstellt. Auch deshalb möchten wir Sie ermutigen, die KI-Suche immer mal wieder auszuprobieren. Sehr einfach vergleichen lassen sich Google-Suche und Google Gemini über eine App aus dem Chrome-Webstore (https://chromewebstore.google.com): „Gemini neben Google-Ergebnissen“ macht genau das, was der Name verspricht.

