Markdown ist eine einfach zu lernende und zu verstehende Auszeichnungssprache, mit der Sie Ihre Texte nebenbei auch gleich formatieren. 2004 wurde sie von dem Technik-Blogger (www.daringfireball.net) und UI-Designer John Gruber zusammen mit dem mittlerweile verstorbenen Programmierer, Hacktivisten und Reddit-Mitgründer Aaron Swartz entwickelt. Gruber stellte auch einen ersten Markdown-to-HTML-Konverter in der Script-Sprache Perl bereit, den er bis heute kostenlos auf seiner Webseite zum Download anbietet.
Markdown ersetzt HTML nicht, sondern erleichtert vor allem das Schreiben von Texten für zum Beispiel Veröffentlichungen im Web oder das Erstellen von Notizen. Daher versucht Markdown auch gar nicht, sämtliche HTML-Tags mit eigenen Auszeichnungen zu ersetzen.
Selbst die großen amerikanischen IT-Konzerne sind mittlerweile auf den Markdown-Zug aufgesprungen. So kündigte Microsoft im Mai 2025 an, den jahrelang vernachlässigten Windows-Editor Notepad um Markdown zu erweitern. Kurz darauf folgte Apple mit der Ankündigung, Markdown in Apple Notes zu integrieren. Viele CMS (Content Management Systems) wie WordPress, Joomla oder Typo3 unterstützen ebenfalls bereits das Arbeiten mit Markdown-Auszeichnungen, ermöglichen das Nachrüsten dieser Funktion über Erweiterungen wie WP Markdown sowie ACE X Markdown Editor oder sind derzeit dabei, die Auszeichnungssprache zu integrieren.

Die Kraft der Einfachheit
Statt mehr oder weniger komplizierter und verschachtelter Tags wie HTML verwendet Markdown eine intuitive und leicht zu erlernende Syntax. Viele Menschen nutzen Vergleichbares bereits in ihren E-Mails. So zeichnen Sie einen Textabschnitt mit Markdown ganz leicht als kursiv aus, indem Sie an den Anfang und ans Ende jeweils ein Sternchen (*) setzen. Zwei Sternchen (**), wiederum jeweils davor und dahinter, ergeben gefetteten Text.
Eine Raute (#) markiert eine große Überschrift, zwei Rauten (##) eine etwas kleinere und drei Rauten (###) eine noch einmal etwas kleinere Überschrift. Ebenso einfach erstellen Sie Listen mit Markdown. Für unsortierte Aufzählungen genügt vor jeder Zeile ein Bindestrich (-) und vor durchnummerierten Listen eine Ziffer mit nachfolgendem Punkt (1., 2., etc.). Einen eingerückten Textblock erzeugen Sie mit einer einzigen nach rechts zeigenden spitzen Klammer, wie man sie ebenfalls bereits aus E-Mails kennt.
Klar, mit HTML geht das alles auch. Es ist aber komplizierter und lässt sich auch nicht mehr so leicht von Menschen lesen. Ein kurzes Beispiel in HTML:
<h1>Überschrift</h1>
<p>Normaler Text</p>
<p><em>Kursiver Text</em></p>
<p><strong>Gefetteter Text</strong></p>
In Markdown brauchen Sie dafür weit weniger Zeichen:
# Überschrift
Normaler Text
*Kursiver Text*
**Gefetteter Text**
Markdown ist so simpel, dass es praktisch von jedermann leicht verstanden, memoriert und selbst eingesetzt werden kann. Außerdem benötigen Sie für Markdown keine spezielle Software. Im Prinzip genügt bereits jeder beliebige Editor, wie es gerade unter Linux zahllose gibt. Allerdings wurden mittlerweile eine Reihe von Markdown-Varianten, „Flavors“ („Geschmacksrichtungen“) entwickelt, die sich in Details von der am 14. Dezember 2004 von John Gruber veröffentlichten Version 1.0.1 unterscheiden (siehe www.daringfireball.net/projects/markdown).

Github Flavored Markdown
Zu den bekanntesten und am weitesten verbreiteten Markdown-Varianten gehört Github Flavored Markdown (GFM). Sie hat sich vor allem als Quasistandard in der Entwicklerwelt etabliert, basiert aber selbst auf Common Mark, das wir im folgenden Abschnitt vorstellen. GFM wird zum Beispiel auf der Softwareentwicklungs-Plattform Github eingesetzt, auf der Programmierer den von ihnen erzeugten Quellcode speichern, verwalten und teilen können. Dabei dokumentieren sie ihren Code meist mit „README.md”-Dateien, die natürlich in GFM formatiert werden.
Die Markdown-Variante enthält einige zusätzliche Auszeichnungen für Tabellen, Aufgabenlisten, durchgestrichene Texte oder automatische Verlinkungen, die in der von Gruber ursprünglich entwickelten Syntax nicht vorgesehen waren. Außerdem können zusätzliche Erweiterungen hinzugefügt werden, die sogar das Auszeichnen von Fußnoten erlauben.
Ein Beispiel für eine einfache, mit GFM gestaltete Tabelle:
| Spalte 1 | Spalte 2 |
|----------|----------|
| Wert 1 | Wert 2 |
| Wert 3 | Wert 4 |
Ein Beispiel für eine simple Aufgabenliste:
- [x] Bereits erledigte Aufgabe
- [ ] Noch zu erledigende Aufgabe

Common Mark
Die Markdown-Variante Common Mark wurde als eine der ersten entwickelt, um Inkonsistenzen in der ursprünglichen Spezifikation zu beheben und Lücken zu füllen. Weil manche Aspekte nicht genau durch Gruber definiert worden waren, analysierten Fans sogar sein Perl-Script, um daraus Rückschlüsse zu ziehen. In dem bis heute unveränderten Script befinden sich eine Reihe von Bugs.
Eine Gruppe von Markdown-Fans um John McFarlane, Martin Woodward und Jeff Atwood versuchte daher im Jahr 2014, mit Common Mark für eine Standardisierung der Auszeichnungssprache zu sorgen. Common Mark ist kompatibel mit dem klassischen Markdown, aber eine klarer strukturierte Spezifikation mit Erweiterungen sowie einer Testsuite. Diese enthält über 500 Beispiele. Auch bereits früher vorhandene Elemente wie verschachtelte Listen, Blockquotes und Zeilenumbrüche definiert Common Mark exakter.
Zusätzliche Features wie Tabellen oder Aufgabenlisten sind nicht Teil von Common Mark. Das bleibt Weiterentwicklungen wie GFM oder Markdown Extra vorbehalten.
Markdown Extra
Markdown Extra ist eine dieser weiteren Markdown-Varianten. Die von Michel Fortin entwickelte Spezifikation enthält einige zusätzliche Syntaxerweiterungen. Beispiele sind Tabellen, Definitionslisten, Abkürzungen, Blöcke mit zusätzlichen Elementen sowie Fußnoten.
Eine im Vergleich zu GFM noch einmal vereinfachte Tabelle sieht in Markdown Extra so aus:
Spalte 1 | Spalte 2
-------- | --------
Wert 1 | Wert 2
Wert 3 | Wert 4

Überschriften
Die klassische Markdown-Version von Gruber kennt zwei Möglichkeiten, um Überschriften auszuzeichnen. Einmal eine Variante, die als Setext (Structure Enhanced Text) bezeichnet wird und heute eher selten zu sehen ist. Dabei werden Überschriften ersten Grades (H1) mit Gleichheitszeichen in der nächsten Zeile markiert:
Überschrift H1
==============
Bei Überschriften zweiten Grades verwendet man Bindestriche:
Überschrift H2
--------------
Mehr als diese beiden Ebenen gibt es nicht. Weit verbreiteter ist daher heute das ATX-Format („the true structured text” nach Aaron Swartz) mit den weit bekannteren Rauten. Es kennt nicht nur zwei Grade, sondern gleich sechs. Die Zahl der Rauten vor der Überschrift bestimmt, welchen Grad sie hat. Eine Überschrift dritten Grades sieht dann so aus:
### Überschrift H3
Wer will, kann auch eine oder mehrere Rauten dahinter setzen. Das ist aber optional.
Textauszeichnungen
Die Auszeichnungen für fett und kursiv haben wir schon erwähnt: Zwei Sternchen stehen für fett, ein Sternchen für kursiv. Sie sind in jeder Markup-Variante zu finden. Anders sieht es mit durchgestrichenen Wörtern aus. Hier haben sich zwei Tilden (~~] hintereinander etabliert, die vor und hinter dem durchzustreichenden Text stehen müssen:
~~Durchgestrichener Text~~
Ein weiteres Extra sind Hervorhebungen, die mit zwei Gleichheitszeichen ausgezeichnet werden:
==Hervorgehobener Text==
Ebenfalls noch nicht Teil des klassischen Markdown sind tiefer gestellte (davor und dahinter mit Tilde markiert) sowie höher gestellte Zeichen (davor und dahinter mit Zirkumflex markiert). Eine Formel mit tiefer gestelltem Wert:
H~2~O
Und eine Formel mit höher gestelltem Wert:
X^2^
Blöcke und Code
Ebenfalls bereits erwähnt haben wir Textblöcke, die eingangs mit einer spitzen Klammer ausgezeichnet werden. Eine später hinzugefügte Variante sind „Fenced Code Blocks“, also eingezäunte Codeblöcke. Damit werden sie deutlicher vom Rest des Textes abgetrennt. Sie sind entweder mit drei Backticks („`, kleine nach links geneigte Häkchen oder Akzente) beziehungsweise drei Tilden (~~~) davor und hinter dem Codeblock ausgezeichnet. Ein Beispiel:
~~~
Hier steht der Code
~~~
Das klassische Markdown kennt nur eine einfachere Variante mit jeweils einem Backtick davor und hinter einem Inline-Code, also Code im Fließtext. Er wird dann hervorgehoben. Auch hier ein Beispiel:
Der Befehl `ls -l` zeigt Dateien und Verzeichnisse im aktuellen Ordner.

Listen, Aufzählungen und Tabellen
Geordnete und ungeordnete Listen sind Bestandteil der klassischen Interpretation. Sie werden entweder mit Ziffern und Punkt oder Bindestrich ausgezeichnet. Erweiterungen sind die bereits vorgestellten Aufgabenlisten sowie Definitionslisten, die mit einem Doppelpunkt (:) ausgezeichnet werden. Ein Beispiel:
Begriff 1
: Erklärung 1
Begriff 2
: Erklärung 2
Tabellen haben wir bereits gezeigt. Hier gibt es unterschiedliche Varianten. Allen ist jedoch gemein, dass sie die Spalten mit senkrechten Strichen (|), auch Pipes genannt, voneinander trennen. Die Überschrift wird zudem mit einer Reihe horizontaler Trennstriche beziehungsweise Bindestriechen ausgezeichnet.
Links und Bilder
Für das Schreiben im Web sind Links natürlich von zentraler Bedeutung. Daher hat sich bereits John Gruber hierfür eine Auszeichnung ausgedacht: Erst schreiben Sie den zu verlinkenden Text in eckige Klammern und direkt dahinter die URL in normalen Klammern. Ein Beispiel:
[verlinkter Text](https://www.beispiel.de)
Bilder hat Gruber ebenfalls schon vorgesehen. Sie werden ähnlich ausgezeichnet. Nur kommt zuerst ein Ausrufezeichen, dann dahinter der Alt-Text für das Bild in eckigen Klammern und zuletzt der Dateiname in normalen Klammern. Auch hierfür ein Beispiel:
![alternativer Text}(Bild.png)
Trennlinien
Eine Trennlinie zwischen zwei Textabschnitten erzeugen Sie schon mit dem klassischen Markdown sehr leicht. Es genügen drei Bindestriche in einer eigenen Zeile:
---
Mehr ist nicht nötig.
Fußnoten
Eine weitere spätere Ergänzung sind Fußnoten. Sie lassen sich sehr einfach erstellen, indem Sie an die gewünschte Stelle zwei eckige Klammern und darin ein Zirkumflex sowie die Nummer der Fußnote setzen. Dieselbe Auszeichnung wiederholen Sie dann am Ende des Textes, um dahinter den eigentlichen Inhalt der Fußnote zu schreiben. Ein Beispiel demonstriert, wie Fußnoten funktionieren:
Ein Satz mit einer Fußnote [^1].
[^1]: Das ist die Fußnote.
Im Internet finden Sie einige Cheatsheets mit allen wichtigen Markdown-Auszeichnungen, die Sie ausdrucken und neben die Tastatur legen können.
Einfache und grafische Editoren
Unter Linux gibt es zahllose Editoren. Sie alle eignen sich dafür, Text in Markdown zu schreiben. Das können Sie etwa nutzen, um erst das Gewünschte zu formulieren und dabei gleich die von Ihnen gewünschten Auszeichnungen hinzuzufügen. Später setzen Sie den erzeugten Text dann in ein CMS Ihrer Wahl ein, das die Auszeichnungen erkennt und als HTML darstellt. Daneben gibt es eine Reihe von grafischen Editoren mit einer zweigeteilten Ansicht, die sofort die Auszeichnungen umwandeln.
Verbreitete Texteditoren für das Terminal sind nano, vim, neovim oder auch Emacs. Für Einsteiger bietet sich nano an. Er ist bereits Teil vieler Desktopdistributionen wie Ubuntu, Fedora, Debian oder Linux Mint. Aber auch auf Serversystemen wie Ubuntu Server oder Cent-OS ist er oft schon vorinstalliert. Anders sieht es bei Minimaldistributionen wie Arch Linux oder Alpine Linux aus. Hier muss er gegebenenfalls nachinstalliert werden.
Moderne Distributionen enthalten in der Regel auch einen oder mehrere grafische Texteditoren wie etwa xed bei Linux Mint. Andere wie gedit, der häufig Ubuntu-basierten Distributionen beiliegt, sind schnell installiert. Ähnlich sind der KDE-Editor Kate sowie Pluma, der offizielle Texteditor der Mate-Arbeitsumgebung.

Erweiterte Editoren
Zu den leistungsfähigsten Codeeditoren mit grafischer Oberfläche (GUI) gehört das auch unter Linux kostenlos zur Verfügung stehende Visual Studio Code von Microsoft. Eine Open-Source-Variante ohne die Telemetrie aus Redmond ist VS Codium.
Daneben gibt es noch eine Reihe von Texteditoren mit einer zweigeteilten Ansicht beziehungsweise einer „Live Preview“ des Getippten. Sie zeigen auf einer Seite den Markdown-Quelltext mit seinen diversen Auszeichnungen und daneben eine gerenderte Ansicht. Eines der bekanntesten Beispiele für einen solchen Editor ist Obsidian. Das freie Notizenprogramm speichert Dateien im md-Format (Markdown), sodass sie auch mit jedem beliebigen anderen Editor geöffnet werden können.
Mit Obsidian schreiben Sie nicht nur Notizen auf, sondern können sie auch miteinander verlinken und so mit der Zeit eine beliebig große Wissensdatenbank erstellen. Ähnlich funktioniert die ebenfalls sehr beliebte Notizenverwaltung Joplin, die ebenso Markdown unterstützt. Weitere Linux-Anwendungen mit Markdown-Support sind der kostenpflichtige Markdown-Reader Typora (15 Dollar), der Markdown-Editor Mark Text und das Schreibwerkzeug Zettlr.


